95 Prozent geringere Ansteckung: Aids-Studie ist „Durchbruch des Jahres“

Eine klinische Aids-Studie ist in diesem Jahr von der Zeitschrift „Science“ zum wichtigsten wissenschaftlichen „Durchbruch des Jahres“ gekürt worden. Sie konnte nachweisen, dass die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des HI-Virus durch ein Medikament zur Behandlung von Aids-Kranken zu 95 Prozent abnimmt.

Ihren XING-Kontakten zeigen

Die Studie über den Nutzen der antiretroviralen Therapie, also die medikamentöse Behandlung bei HIV-Patienten, war im vergangenen August im „New England Journal of Medicine“ erschienen und hatte große Aufmerksamkeit erregt. Sprachen die vorangegangen Schlagzeilen nämlich allzu oft von menschlichem Versagen im Kampf gegen den Aids-Virus, konnten Forscher in dieser Studie überzeugend zeigen, dass Menschen, welche antiretrovirale Medikamente nehmen, nicht nur von einer Behandlung profitieren, sondern auch mit 95 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit ihre nicht-HIV-positiven Partner oder Partnerinnen sexuell mit HIV infizieren.

Myron Cohen von der medizinischen Fakultät der Universität von North Carolina in Chapel Hill und ein internationales Team von Kollegen hatten in der sogenannten HPTN-052-Studie die Auswirkungen der Medizin auf die Übertragung von Krankheiten seit dem Jahr 2007 anhand von mehr als 1.700 heterosexuellen Paaren aus neun verschiedenen Ländern untersucht: aus Brasilien, Indien, Thailand, den Vereinigten Staaten, Botswana, Kenia, Malawi, Südafrika und Zimbabwe. Bei jedem Paar war ein Partner mit dem HIV-Virus infiziert, der andere Partner nicht.

Zwar war bereits bekannt, dass die Aids-Medizin die Menge der Viren im Körper einer infizierten Person stark reduziert. Was die Wissenschaftler nun jedoch herausfanden war, dass deren Anzahl so stark vermindert war, dass sie kaum noch durch sexuelle Aktivität an andere Personen weitergegeben wurde. Die Erkenntnis gilt als herausragender Schritt im Kampf gegen die seit Jahrzehnten grassierende Aids-Seuche. Nun wisse man endlich, wie dem HI-Virus beizukommen sein könnte, sagen Experten mit vorsichtiger, noch gebremster Euphorie. Dennoch, bis man auf Kondome beim Sex sowie die Ausgabe von sauberen Nadeln für Drogenabhängige verzichten könne, sei es sicherlich noch ein weiter Weg.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*