Arzt-Report: Generation ADHS wächst heran

Nach Informationen des Arztreports 2013 stieg die Zahl der ADHS-Diagnosen zwischen 2006 und 2011 um 42 Prozent. Besonders bei Kindern, deren Eltern arbeitslos sind, sei das Risiko für ADHS sehr hoch, mit steigendem Ausbildungsniveau sinke die Wahrscheinlichkeit.

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Nach Informationen des Arztreports 2013 stieg die Zahl der ADHS-Diagnosen zwischen 2006 und 2011 um 42 Prozent. Bei der Altersgruppe der unter 19-Jährigen stieg der Anteil von 2,92 auf 4,14 Prozent. Für 2011 erhielten  472.000 der Jungen und 149.000 der Mädchen in dieser Altersgruppe die Diagnose. Bei fast 20 Prozent aller Jungen, die im Jahr 2000 geboren wurden, wurde zwischen 2006 und 2011 die ADHS-Diagnose gestellt. Bei den Mädchen dieses Jahrgangs waren es lediglich 7,8 Prozent. Das sind die Ergebnisse einer Studie der gesetzlichen Krankenkasse Barmer GEK.

Ebenfalls erhöht hat sich die Verschreibung von Ritalin (Methylphenidat). Im Jahr 2011 wurde das Medikament 336.000 Mal verschrieben, meistens bei Kindern im Alter von elf Jahren. Somit erhalten fast zehn Prozent aller Jungen (3,5% der Mädchen) schätzungsweise mindestens einmal in ihrer Kindheit oder Jugend dieses Beruhigungsmittel.

„Dieser Anstieg erscheint inflationär. Wir müssen aufpassen, dass ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren“, betonte Rolf-Ulrich Schlenker von der Barmer GEK. Pillen gegen Erziehungsprobleme seien der falsche Weg. Ritalin dürfe nicht die erste Wahl sein, es komme bei der Verschreibung daher auf eine „trennscharfe Diagnose“ an, sagte Schlenker einem Bericht des Ärzteblattes zufolge.

Besonders hohe Verschreibungsraten sind von den Autoren der Studie vor dem Übergang auf eine weiterführende Schule beobachtet worden. Dies könnte auch die gestiegenen Erwartungshaltungen und den Druck widerspiegeln, vermuten sie.

Es gibt auch elternabhängige Faktoren für ADHS. Demnach steige das Risiko für ADHS bei Kindern, deren Eltern arbeitslos seien. Mit steigendem Ausbildungsniveau sinkt die Wahrscheinlichkeit indes. Auch regionale Unterschiede wurden festgestellt. So wurden in Würzburg fast 20 Prozent aller Jungen mit ADHS diagnostiziert, im Bundesdurchschnitt waren es gerade mal 12 Prozent.

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