Perfektionisten: Migränepatienten reagieren schneller auf Reize

Migränepatienten sind Perfektionisten: Sie strengen sich im Vergleich zu Gesunden oft übermäßig an, um die ihnen gestellten Aufgaben möglichst perfekt zu erledigen. Forscher konnten nun beweisen, dass sie Probleme anders verarbeiten als gesunde Personen.

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Menschen mit Migräne reagieren empfindlicher auf Reize und verarbeiten sie schneller. (Foto: Flickr/kohlmann.sascha/CCBY2.0)

Menschen mit Migräne reagieren empfindlicher auf Reize und verarbeiten sie schneller. (Foto: Flickr/kohlmann.sascha/CCBY2.0)

Migränepatienten scheinen im Vergleich zu Gesunden auf Probleme viel schneller zu reagieren. Das könnte an einer schnelleren Reizverarbeitung liegen. Sie suchen intensiver nach Lösungsmöglichkeiten.

Wie die Forscher in einem Experiment herausfanden, strengen sich Migränepatienten viel stärker an, um eine erzeugte Hilflosigkeitssituation zu bewältigen. Im Verlauf des Versuches ging es darum, verschiedene Töne zu hören und bei einem bestimmten Ton sehr schnell auf einen Knopf zu drücken, berichtet DocCheck.

Pro richtig getroffenem Ton gab es für die Gesunden und die Migränepatienten einen Euro als Belohnung. Dann begann das eigentliche Experiment, der Reaktionston ließ sich trotz korrekten Knopfdrucks nicht ausschalten. So entstand ein kurzer Moment der Hilflosigkeit. Mithilfe eines EEGs konnten die Wissenschaftler aufzeigen, dass die Migränepatienten mehr kognitive Ressourcen aktivierten, um den Ton abzuschalten.

Die Migränepatienten erhöhten die Aufmerksamkeit, was sich wiederum positiv auf die Reaktionszeit auswirke, so die Forscher. Sie gaben nicht so schnell auf wie die Gesunden, kämpften auch schneller gegen das Hilflosigkeitsgefühl an. Die Forscher sind sich aber nicht sicher, ob die schnellere Auseinandersetzung mit den Reizen daran liegt, weil die Patienten wissen, dass schon bald die nächste Schmerzattacke folgt oder diese einfach eine Folge der intensiveren Reizverarbeitung ist.

Bekannt ist, dass Migränepatienten immer noch auf gleichartige Reize reagieren, auch wenn gesunde Menschen sich daran schon gewöhnt haben. Die Verhaltensunterschiede zwischen beiden Gruppen sind kurz vor einem Anfall am größten, während eines Anfalls gleichen sich beide Gruppen an. Es scheine sich dann etwas zu normalisieren, was zwischen zwei Anfällen nicht normal sei, so die Forscher. Damit könnte es das Beste für Migränepatienten sein, sich langsam an Reize zu gewöhnen, anstatt sie vollkommen zu vermeiden, wie es jahrelang propagiert wurde.

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  1. Christine Huber sagt:

    Seit Kindheit habe ich Migräne.
    In der Schule oder in Fortbildungen habe ich häufig die Erfahrung gemacht, dass Kollegen/Lehrer sich zu meinem Erstaunen erstaunt gezeigt haben, wie schnell, umfänglich und differenziert ich Aufgaben oder Probleme aufgefasst und entsprechend Lösungsansätze darstellen konnte.
    Früher war ich besonders nach Migräneattacken sehr fit.
    Doch je älter ich wurde, wurde es mir fast lästig, wie sehr ich mich an Problemen festbeißen konnte: Nicht sinnlos, ich hatte gute Lösungen, habe z.B. lt. Professor eine extrem gute Diplomarbeit geschrieben: nur mein Kopf arbeitet dann einfach weiter, kann fast nicht anders, ist kaum zu stoppen, obwohl es dann (gefühlsmäßig damit zusammenhängend) in einen Anfall mündete. In manchen Anfällen lag ich flach, hatte alle möglichen Symptome und der Kopf arbeitete quasi automatisch weiter…
    Ich meine, dass es spannend wäre, vertiefende Interviews mit Betroffenen zu führen…