Der Preis des Luxus: Garnelen werden in Thailand auf Sklaven-Schiffen verarbeitet

Jedes Jahr wird eine halbe Milliarde Garnelen von Thailand in die ganze Welt geschickt. Damit die Delikatessen in den reichen Ländern der Welt billig eingekauft werden können, beschäftigt Thailand tausende Arbeiter auf "Sklavenschiffen". Das geschieht in Internationalen Gewässern, womit die Arbeiter rechtlos sind. Es ist eine beispiellose Ausbeutung, die den luxuriösen Lebensstil im Westen möglich macht.

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Dem kurzen Genuss von Garnelen geht eine lange Leidensgeschichte voraus. (Foto: Flickr/Garnelen by jonworth-eu CC BY 2.0)

Dem kurzen Genuss von Garnelen geht eine lange Leidensgeschichte voraus. (Foto: Flickr/Garnelen by jonworth-eu CC BY 2.0)

500.000 Tonnen Garnelen werden Jahr für Jahr von Thailand aus in die ganze Welt exportiert. Neben China spielt das Land die Hauptrolle im Geschäft mit Zuchtgarnelen. Der Exportwert von Thailands Fischereigewerbe übersteigt die Fünf-Milliarden-Euro-Marke. Der Erfolg geht aber zu Lasten der Arbeiter in dieser Kette.
Das Geschehen spielt sich auf Sklavenschiffen in internationalen asiatischen Gewässern ab. Auf diesen sind zumeist Arbeitsmigranten aus Staaten wie Burma oder Kambodscha beschäftigt. Diese hatten eigentlich etwas ganz anderes im Sinn. Über Makler wollten sie Arbeit in Fabriken oder auf Baustellen in Thailand finden. Stattdessen geraten sie in die Fänge der falschen Leute.

Recherchen der englischen Zeitung „Guardian“ haben ergeben: Die Kapitäne dieser Schiffe behandeln ihre Seeleute wie Sklaven. Für umgerechnet weniger als 310 Euro werden die Arbeiter gekauft und wieder verkauft. Rechte haben sie während ihres erzwungenen Dienstes auf den Schiffen nicht: 20-Stunden-Schichten, regelmäßiges Schlagen, Folter, erzwungene Drogeneinnahme zur Leistungssteigerung und sogar kaltblütiger Mord sind hier an der Tagesordnung. Erdulden müssen die Männer das Geschehen nicht selten über Jahre.

Dem Blatt zufolge würden die Schiffe vor allem den Nahrungsmittelmulti Charoen Pokphand Foods beliefern. Dieser hat als Futterlieferant für Garnelenzüchter derzeit eine Quasi-Monopolstellung mit einem Jahresumsatz von 33 Milliarden US-Dollar. Dazu kommen rund 50.000 Tonnen Garnelen jährlich, die aus eigener Zucht stammen. CP Foods hat auch eine Niederlassung in Deutschland und betreut von der Bundesrepublik aus den österreichischen Markt. Im Programm sind alle großen Supermarkt-Ketten: Angefangen von Wal-Markt bis hin zu Carrefour. Auch Aldi ist dabei.

Verantwortung will CP Foods für die Zustände auf See nicht übernehmen. Zwar wisse man um das Thema. Aber welche Ausmaße es hat, darüber habe man angeblich keine Kenntnis, heißt es auf Nachfrage der britischen Reporter. Neu sind die Schilderungen allerdings nicht. Unter anderem hat sich die Internationale Organisation für Migration (IOM) bereits vor drei Jahren in einem umfassenden Bericht mit den verheerenden Zuständen auseinandergesetzt. Das Problem nach Ansicht der Hilfsorganisation: Zehntausende Schiffe agieren auf eigene Faust. Obendrein spielt sich das Geschehen in internationalen Gewässern ab. Zuständig fühlt sich hier niemand.

Thailand steht in Sachen Menschenhandel bereits unter Beobachtung. Momentan gilt das Land als eine der Hauptquellen-, Transit-und Zielländer für die Sklaverei. Fast eine halbe Million Menschen sollen derzeit in Thailand versklavt sein. Es gibt allerdings keine offiziellen Zahlen, wie viele Männer etwa auf Fischerbooten fristen. Die thailändische Regierung schätzt jedoch, dass bis zu 300.000 Menschen in der Fischereiindustrie arbeiten. 90 Prozent davon sind Migranten.

Die jetzigen Recherche-Ergebnisse dürften das Land nun in ein noch schlechteres Licht rücken. Es wird erwartet, dass das Königreich im jährlichen Bericht des US-Außenministeriums zum Menschenhandel („Trafficking in Persons“) eine deutliche Abstufung erfahren wird. Im 188 Staaten umfassenden Report wird sich das Land künftig wohl auf einer Stufe mit dem Iran und Nordkorea wiederfinden – am untersten Ende des Rankings.

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