Knoblauch legt das Kommunikationssystem der Bakterien lahm

Eine chemische Verbindung im Knoblauch hilft bei der Zerstörung von gefährlichen Biofilmen. Sie blockiert die Verbindung der Bakterien untereinander. Eine effektive Bekämpfung von Infektionen funktioniert aber nur in Kombination mit Antibiotika.

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Um einen deutlichen Effekt bei der Infektionsbekämpfung zu erzielen, müssten gut 50 Zehen verspeist werden. (Foto: Flickr/ Garlic by mdid CC BY 2.0)

Um einen deutlichen Effekt bei der Infektionsbekämpfung zu erzielen, müssten gut 50 Zehen verspeist werden. (Foto: Flickr/ Garlic by mdid CC BY 2.0)

Seine starken antibiotischen, antiviralen und antimykotischen Eigenschaften sind seit Tausenden von Jahren bekannt. Einst wurde Knoblauch sogar gegen die Pest eingesetzt. Mit Hilfe einer aktuellen Studie an der Universität von Kopenhagen ist jetzt ein weiterer Beleg für einen effektiven Einsatz in der Medizin gelungen. Im Fokus des Interesses steht eine chemische Verbindung. Sie hat sich als wirksam im Kampf gegen die härtesten Bakterien herausgestellt.

Dänische Forscher fanden heraus: Die chemische Verbindung Ajoen ist in der Lage, das Kommunikationssystem der Bakterien (Quorum Sensing) zu blockieren. Insbesondere wird die Ausschüttung des krankheitserregenden Toxins Rhamnolipid, das weiße Blutzellen im Körper zerstört, verhindert. Jene sind unverzichtbar, weil sie eine entscheidende Rolle bei der Immunabwehr spielen.

„Ajoen kann die Behandlung mit herkömmlichen Antibiotika unterstützen und verbessern“, so das Fazit des jungen Wissenschaftlers Tim Holm Jacobsen. Das habe man ganz klar auf Biofilmen im Labor und in Studien mit Mäusen nachweisen können. Positive Ergebnisse würden aber nur beobachtet, wenn beide zusammen gegen die Bakterien eingebracht werden. Nicht aber, wenn sie getrennt zum Einsatz kämen. Mehr als 90 Prozent der Bakterien in einem Biofilme wurden mit der Kombination von Ajoen und Antibiotika zerstört.

Die Crux an den Forschungsergebnissen: „Knoblauch enthält so wenig Ajoene, dass Sie rund 50 Zehen am Tag essen müssten, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Das heißt, wir müssen von Mutter Natur den Ball aufnehmen und mit ihm laufen“, so Jacobsen. Obendrein entsteht Ajoen erst durchs Kochen. Derzeit werde eine Menge Geld zur Behandlung von chronischen Krankheiten wie Diabetes ausgegeben. Doch wenn man das Rennen gegen Bakterien gewinnen wolle, müsse man neue Antibiotika ins Spiel bringen, sagt Jacobsen. Sein Appell: „Die Natur ist ein guter Ausgangspunkt für die Entwicklung von Medikamenten – zwei Drittel aller neuen Arzneimittel basieren bereits auf Naturstoffen.“

Neue Maßnahmen gegen Infektionen sind auch dringend geboten: Innerhalb von zehn Jahren ist die Sterberate durch Infektionen um 75 Prozent gestiegen. Allein im vergangenen Jahr ist ein Anstieg von zehn Prozent zu verzeichnen. Insbesondere ein Darmbakterium, das in Krankenhäusern verbreitet ist, verursacht immer schwerere Krankheitsverläufe. Allein im Jahr 2012 sind 18.353 Deutsche an infektiösen und parasitären Erkrankungen gestorben.Das teilte das Statistische Bundesamt mit (mehr hier).

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