Längere Pollensaison zieht Leiden der Allergiker hin

Pollen-Allergiker reagieren mittlerweile nicht selten das ganze Jahr. Die Patienten bekommen die Folgen des Klimawandels hautnah zu spüren. Denn dieser hat die Blütezeit der Pflanzen deutlich verlängert. Die Pollen fliegen fast 365 Tage und oft weiter als bisher.

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Pollenflug ist mittlerweile ein Thema fast während des gesamten Jahres. (Foto: Flickr/ puffby Robert S. Donovan CC BY 2.0)

Pollenflug ist mittlerweile ein Thema fast während des gesamten Jahres. (Foto: Flickr/ puffby Robert S. Donovan CC BY 2.0)

Der Klimawandel verlängert die Pollensaison und wirkt sich damit direkt auf das Wohlbefinden von Allergikern aus. Grund sind milde Temperaturen im Herbst und Winter. Dadurch stehen die Pflanzen früher in der Blüte. Mittlerweile gibt es den Pollenflug fast über das gesamte Jahr hinweg. Wer im Freien ist, kann sich ihnen kaum entziehen.

Direkt messbar wird der Zusammenhang etwa durch die Aufzeichnungen von rund 80.000 österreichischen Pollenallergikern. Via Handy konnten sie auf ein Programm des Pollenwarndienstes der MedUni Wien zugreifen. Dort hinterlegten die Nutzer dann ihre Symptome. Dabei kam heraus: Die Natur ist, je nach Region, bis zu drei Wochen verfrüht” aufgewacht, das berichtet die Interessengemeinschaft Allergenvermeidung (I.G.A.V.).

Dass die Pollensaison auch in diesem Jahr wegen der milden Temperaturen besonders früh begonnen hat, bestätigt auch die Molekularbiologin Gabriele Gadermaier von der Universität Salzburg dem ORF. Dort wird intensiv zum Thema Pollen-Allergien geforscht. Doch nicht nur der Pollenzeitraum wird länger. Die Ausbreitung dehnt sich ebenfalls aus.Die Pollen werden vom Wind auch weiter getragen. Insbesondere das Traubenkraut, ein sehr starkes Allergen,bekommt ein höheres allergenes Potential”, so die Wissenschaftlerin. Dieses werde nun auch in Regionen verbreitet, in denen es bislang keine Traubenkraut-Pollen gab.

Auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Pollen-assoziierten Allergien der Atemwege weist außerdem das Umweltbundesamt hin. Demnach würden Studien und theoretische Überlegungen auf einen „Zusammenhang zwischen dem gegenwärtigen Klimawandel und dem weltweit beobachteten Anstieg allergischer Atemwegserkrankungen“ hinweisen. Daneben ließen sie einen weiteren Anstieg beziehungsweise die Zunahme des Schweregrades allergischer Atemwegserkrankungen infolge des zukünftigen Klimawandels vermuten.

Einen direkten Zusammenhang zwischen Pollenmenge und Leidensdruck gibt es aber nicht, so Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst und der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der MedUni Wien: „Bisher gingen wir davon aus, dass Allergiker umso stärker leiden, je mehr Pollen in der Luft sind. Aktuelle Untersuchungen haben ergeben, dass die empfundene Belastung nicht allein von der Pollenmenge abhängt, sondern dass auch der Verlauf der Saison großen Einfluss hat.“ Das heißt konkret: Setzt der Pollenflug schlagartig ein, wird auch die Saison als stärker wahrgenommen. Steigt die Pollenkonzentration hingegen langsam an, kann sich der Körper offenbar besser auf die Belastung einstellen und empfindet die Saison als nicht so stark. Darüber hinaus gilt es auch die individuelle Reaktion der Patienten zu beachten.

Für die Allergiker besteht jedenfalls Handlungsbedarf. „Primär muss man etwas dagegen tun, weil die Allergie später zu Asthma und allen möglichen Problemen führen kann”, sagt der praktische Arzt Wolfgang Blümel dem österreichischen Sender. Ignorieren dürfe man die Symptome also nicht. Für eine Behandlung gibt es mehrere Optionen. Zum einen Antihistaminika, im Extremfall wird aber auch Kortison verabreicht. Langfristig gelte es in jedem Fall genau abzuklären, auf was man eigentlich allergisch ist, so der Mediziner. In Frage komme dann eventuell auch eine Desensibilisierungs-Behandlung.

Neu in der symptomatischen Therapie ist ein Nasenspray, der erstmals ein Antihistaminikum und ein niedrig dosiertes Kortison in einem Produkt vereint und damit die Vorteile beider Wirkstoffe verbindet”, so der I.G.A.V. Zum Thema. Relativ neu sei auch die spezifische Immuntherapie in Tablettenform. Derzeit sei sie zwar nur für Gräserpollen-AllergikerInnen erhältlich, bald werde es diese Form der kausalen Therapie aber auch für Birken-, Ragweed- und Hausstaubmilben-AllergikerInnen geben. Darüber hinaus werde versucht, die Verträglichkeit dieser Therapie noch zu verbessern und die Anzahl der Injektionen zu verringern.

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