Pestizide: Nicht nur Bienen sind bedroht

Pestizide haben einen weitaus größeren Einfluss auf die Umwelt, als bislang angenommen. Wie eine aktuelle Studie aufzeigt, werden durch ihren Einsatz Erde, Luft und Wasser nachhaltig und tiefgreifend vergiftet. Betroffen sind davon nicht nur die Bienen und andere Bestäuber. Auch Regenwürmer, Fische und Vögel werden in Mitleidenschaft gezogen.

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Bisher stand das Bienensterben im Fokus. Jetzt ist klar: Die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln reichen deutlich weiter. (Foto: Flickr/ Bee by dicktay2000 CC BY 2.0)

Bisher stand das Bienensterben im Fokus. Jetzt ist klar: Die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln reichen deutlich weiter. (Foto: Flickr/ Bee by dicktay2000 CC BY 2.0)

Eine neue Studie eines internationalen Forscherteams rund um die Weltnaturschutzunion (IUCN) fördert umfassende Auswirkungen von Neonicotinoiden und Fipronil auf die Pflanzen- und Tierwelt zutage. Über vier Jahre wurden von den 29 Wissenschaftlern mehr als 800 Papiere zum Thema ausgewertet, die in den vergangenen 20 Jahren vorgelegt wurden. Der aktuelle Forschungsstand: Bienen sind nicht die einzigen Tiere, die vom Pestizid-Einsatz betroffen sind.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die in den Pflanzenschutzmitteln enthaltenen Giftstoffe offenbar weitaus langlebiger sind, als bislang angenommen. Sie setzen sich teils über Monate und sogar Jahre im Boden fest. Die sich daraus ergebende Kette der Betroffenen reicht vom Grund- und Oberflächenwasser bis hin zu Fischen und anderen Lebewesen in den Gewässern. Besonders fatal: Die Zerfallsprodukte wirken in einigen Fällen auf die Organismen giftiger als das ursprüngliche Produkt.

„Es gibt so viele Beweise dafür, dass Pestizide nicht nur für Bienen eine Bedrohung sind“, sagt einer der Mit-Autoren der Studie, Professor Dave Goulson von der University of Sussex der BBC. „Sie setzen sich im Boden und in den Gewässern fest. Das tun sie auf einem Niveau, die die tödliche Dosis für darin lebende Organismen überschreitet.“ Der Wissenschaftler ist überzeugt: Es sei „unmöglich zu leugnen, dass das große Auswirkungen auf die Umwelt hat“.

Am stärksten betroffen seien den Wissenschaftlern zufolge die wirbellosen Tiere, wie Regenwürmer. Dicht gefolgt von den bestäubenden Insekten wie Bienen und Schmetterlingen. Sterben die Bienen übrigens weiterhin so schnell wie in den vergangenen zehn Jahren, wird es auch einige Lebensmittel bald nicht mehr geben. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden (mehr hier). Vögel würden wiederum durch die Aufnahme von Saatgut involviert. Auch die Reptilienpopulation gehe zurück. Sie verlieren durch den Pestizideinsatz ihre Nahrung.

Sorge bereitet den Fachleuten der prophylaktische Einsatz der Gifte, die immerhin einen weltweiten Marktanteil von rund 40 Prozent hätten. Das sei ein bisschen so, wie vorsorglich Antibiotika zu geben, um nicht krank zu werden, so Goulson. Die Folgen sind absehbar: Die Schädlinge entwickeln Resistenzen (mehr hier). Der Einsatz wird wirkungslos. Die Ernährungssicherheit gerät in Gefahr, da etwa bei drei Viertel der globalen Nahrungsproduktion Chemikalien zum Einsatz kommen.

„Der Beweis ist ziemlich eindeutig. Wir erleben eine Bedrohung der Produktivität unserer natürlichen und landwirtschaftlichen Umwelt“, zitiert die IUCN den französischen Forscher Jean-Marc Bonmatin, einen Mitverfasser der Studie.

Die Autoren empfehlen daher, die Regulierungsbehörden einzuschalten. Diese müssten die Vorschriften für den Einsatz von Neonicotinoiden und Fipronil weiter verschärfen und letztlich dafür sorgen, dass die Substanzen am Ende ganz vom Markt verschwinden bzw. erheblich reduziert werden.

Zwei Neonikotinoid-Insektizide – Acetamiprid und Imidacloprid – können sich möglicherweise auch schädlich auf das menschliche Nervensystem auswirken. Das gab die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einer Aussendung bekannt (mehr hier).

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