Schwere Mundinfektionen: Silber ist wirksamer als Antibiotika

Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde kolloidales Silber zur Infektionsbekämpfung eingesetzt. Jetzt erleben die ultrafeinen Partikel von elementarem Silber ein Comeback. Das so genannte Nanosilber hat sich als effektives Werkzeug zur Bekämpfung von heftigen Mundinfektionen herausgestellt. Unumstritten ist ein möglicher Einsatz aber nicht.

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Prothesenträger haben häufig mit schmerzhaften Pilzinfektionen im Mund zu kämpfen. Forscher in Portugal arbeiten an einer möglichen Lösung. (Foto: Flickr/ by U.S. Pacific Air Forces CC BY 2.0)

Prothesenträger haben häufig mit schmerzhaften Pilzinfektionen im Mund zu kämpfen. Forscher in Portugal arbeiten an einer möglichen Lösung. (Foto: Flickr/ by U.S. Pacific Air Forces CC BY 2.0)

Kolloidales Silber dient als natürliches Antiseptikum gegen mehrere hundert Krankheitserreger. Noch Anfang des vergangenen Jahrhunderts war seine Verwendung weit verbreitet. Heute entdeckt die Wissenschaft das Edelmetall neu. Erforscht wurde nun die Anwendung bei schweren Mundinfektionen.

Die Wissenschaft hat dabei einen ganz bestimmten Typus im Auge: Durch Candida albicans und Candida glabrata hervorgerufene Pilzinfektionen. Sie gedeihen leicht im Mund von Prothesenträgern und können zu Soor und dentaler Stomatitis, eine schmerzhafte Infektion, die rund 70 Prozent der Prothesenträger betrifft, führen. Die Forscher von der Universität von Minho wollten wissen: Kann hier eine Silber-Nanopartikel-Lösung etwas ausrichten? Die Portugiesen meinen, ja.

Das bisherige Problem: Derartige Mundinfektionen sind äußerst schwierig zu behandeln. Die Mikroorganismen bilden schnell Biofilme. Antibiotika können nur wenig ausrichten. Zudem greifen sie sowohl die schlechten als auch die guten Mikroben im Darm an und tragen so zur Verschlechterung es Immunsystems bei. Obendrein sorgt die leichtfertige Verwendung von Antibiotika und eine nachlässige Verschreibungspraxis für die zunehmende Entstehung von Antibiotika-resistenten Bakterien (mehr hier). Ein Umstand, der vor allem in Krankenhäusern immer wieder zu Problemen führt (mehr hier).

Professor Mariana Henriques und ihre Kollegen haben nun verschiedene Größen von Silber-Nanopartikeln getestet, um ihre Wirksamkeit in der Behandlung solcher Mundinfektionen zu analysieren und das präventive Potential des Silbers auszuloten. Seine Studienergebnisse veröffentlichte das Team im Fachjournal „Letters in Applied Microbiology“.

Im Labor erzeugten die Wissenschaftler eine Speichel ähnliche Umgebung. Darauf platzierten sie dann künstliche Biofilme. Anschließend  wurden verschiedene Größen von Silber-Nanopartikeln in den verschiedenen Pilz-infizierten Umgebungen eingesetzt. Dann beobachteten sie, wie die Pilzinfektionen um sich griffen. Schnell fanden die Forscher heraus, dass die Größe der Silber-Nanopartikel bei der Abtötung keine Rolle spielt, sondern unter allen Umständen effektiv wirkte.

Eine denkbare Anwendungsmöglichkeit wäre nun der Einsatz des kollodialen Silbers in entsprechenden Mundspülungen für Prothesenträger, um so die Entstehnung von Biofilmen zu verhindern. Professor Henriques ist sogar der Ansicht, dass die Silber-Nanopartikel in Prothesen eingebaut werden könnten, wodurch ein permanenter Schutzschild gegen Pilz- und Bakterienwachstum im Mund vorhanden wäre. „Mit dem Aufkommen von Candida-Infektionen, die häufig gegen herkömmliche Antimykotika resistent sind, gibt es einen zunehmenden Bedarf für alternative Ansätze. Silber-Nanopartikel erscheinen da als eine neue mögliche Strategie, diese Infektionen zu bekämpfen. Da sich die Nanopartikel in einem flüssigen, relativ stabilen Medium befinden, könnten sie schon in naher Zukunft als Mundspüllösung entwickelt werden“, zitiert naturalnews die Wissenschaftlerin.

Dass der Einsatz von Nanosilber jedoch nicht unumstritten ist, darauf weist unter anderem Greenpeace hin. „Solange wir mögliche gesundheitliche Risiken nicht sicher ausschließen können, empfehlen wir Herstellern, auf Nanosilber in verbrauchernahen Produkten zu verzichten“, zitiert die Umweltorganisation den Präsidenten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel. Es gelte unter anderem noch weiter zu erforschen, was Nanosilber im Menschen bewirke.

Dem BfR zufolge ist Silber grundsätzlich ein Zellgift. In der Nanoform sei es aber offenbar giftiger als in der Mikroskalierung. Allerdings sei immer noch wenig bekannt über das Verhalten im Körper von Säugetieren. Tierversuche hätten jedoch gezeigt, dass die Nanopartikel in hoher Dosierung die Darmflora schädigten. Darüber hinaus seien pathologische Veränderungen an Leber und Nieren sowie der Lunge beschrieben worden. Das BfR vertritt die Auffassung, dass „Silber als antimikrobiell wirksame Substanz nicht in breitem Umfang außerhalb klinischer Anwendungen in Verbraucherprodukten eingesetzt werden sollte.“

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