Gift in Pappe und Plastik: Kaffee zum Mitnehmen birgt Gesundheitsrisiken

Der schnelle Genuss eines Coffee to Go könnte langfristige Auswirkungen auf den Organismus haben. Schuld ist jedoch nicht das Heißgetränk. Gefährlich sind Weichmacher und andere unbekannte Variablen, die ungewollt über den Pappbecher und den Plastikdeckel mit aufgenommen werden.

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Offiziell dürfen Materialien für den Lebensmittelkontakt bei normaler Benutzung gar keine Stoffe abgeben, „die geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu gefährden“. (Foto: Flickr/Your Comments Here by TerryJohnston CC BY 2.0)

Offiziell dürfen Materialien für den Lebensmittelkontakt bei normaler Benutzung gar keine Stoffe abgeben, „die geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu gefährden“. (Foto: Flickr/Your Comments Here by TerryJohnston CC BY 2.0)

Chemische Stoffe im Einweg-Kaffeebecher könnten den Konsumenten den Genuss langfristig verderben. Einige mögliche Inhaltststoffe und ihre Folgen kennen die Forscher bereits. Doch nach wie vor gibt es gerade in der Plastikherstellung viele Unbekannte.

In der Beschichtung der Pappe finden sich zum Beispiel perfluorierten Polymere, die der Körper nur langsam abbauen kann. Auch der Deckel ist nicht ohne. Er ist meist aus Polystyrol hergestellt. Darin sind Stoffe enthalten, die sich auf den Hormonhaushalt auswirken können.

„Wie gefährlich all diese Stoffe wirklich sind, das ist tatsächlich umstritten unter Forschern“, zitiert die Welt Umweltwissenschaftlerin Jane Muncke. Die Schweizerin kommt in ihrer im „Journal of Epidemiology and Community Health“ veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass hunderte verschiedener Chemikalien in Nahrungsmittelverpackungen ins Essen gelangen und bei langfristigem Konsum gesundheitliche Schäden verursachen können. Besonders Plastikverpackungen stellen dabei ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar.

Kurzfristig seien die geringen Dosen für Menschen unbedenklich, langfristige Schäden seien jedoch nicht auszuschließen. Es gäbe bisher keinerlei Studien zu Langzeitwirkungen, geschweige denn zu einem lebenslangen Konsum von industriell abgepackten Nahrungsmitteln, warnen die Wissenschaftler (mehr hier).

In Bezug auf die Coffee to Go-Becher rät die Fachfrau: Heiße Getränke mit einem gewissen Fettgehalt sollten nicht unbedingt aus solchen Pappbechern getrunken werden. Der einfache Grund: Chemikalien lösen sich in Hitze und Fett besonders gut auf. Gleiches gelte übrigens für die Druckfarbe, die beim Stapeln der Becher im Laden in die Innenseite geraten könnte. Generell gilt: Mit der Verweildauer im Einwegbecher erhöht sich auch die Migration der giftigen Stoffe auf das Getränk. Ein schnelles Umfüllen sei deshalb angeraten, zum Beispiel in einen unbeschichteten Edelstahl-Thermobecher.

Mehrweg-Becher seien jedoch nicht unbedingt zu empfehlen. Auch die seien aus Plastik, so Muncke. Gerade durchsichtige Becher können Bisphemol A enthalten. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte bereits vor möglichen Folgen des Weichmachers in Lebensmittelverpackungen. Bisphenol A gehört zu den hormonellen Schadstoffen, die bereits in winzigen Mengen in unseren Hormonhaushalt eingreifen können (mehr hier).

In Bezug auf Einweg-Kaffeebecher sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung allerdings keine potentiellen Gesundheitsrisiken. Auf Nachfrage der Welt erklärt das BfR: Materialien für den Lebensmittelkontakt dürfen bei normaler Benutzung gar keine Stoffe abgeben, „die geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu gefährden“. Die Hersteller müssten dafür sorgen, man prüfe das in Stichproben.

Anders verhält es sich übrigens mit bestimmten Kaffee- und Espressomaschinen. Hierzu schreibt das BfR: „Für die verschiedenen Typen der Kaffee- und Espressomaschinen wurden deutliche Unterschiede in der Bleifreisetzung gemessen. Einige Siebträger-Espressomaschinen setzten im Vergleich zu den getesteten Kaffeepad- und Kapselmaschinen, insbesondere nach dem Entkalken, hohe Mengen Blei frei.“

Erst vor Kurzem rückte das Thema Verpackung wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Mitte Juni riet Österreichs Gesundheitsminister Alois Stöger: Die Konsumenten sollen vorsorglich auf Produkte mit Aluminium verzichten. Zwar kann die Gesundheitsgefährdung derzeit weder bestätigt noch widerlegt werden, es sei allerdings ratsam, vorsorglich auf die Produkte zu verzichten, die Aluminium enthalten. Mit einbezogen waren auch entsprechende Verpackungsmaterialien (mehr hier).

Kommentare

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  1. Citizen sagt:

    Dieser Artikel wäre vollständiger wenn der Autor offengelegt hätte, dass seine Hauptquelle, Dr. Jane Muncke, eine Teilzeit-Angestellte des Food Packaging Forums ist. Relevant hinsichtlich der „Objektivität“ dieses Artikels ist dass das Food Packaging Forum komplett von den Glasverpackungsinternehmen O-I, Vetrapack und Consol & Bucher Emhart finanziert wird. „Schaden“ durch die konkurrierenden Verpackungsmaterialien wie Papier und Plastik zu reklamieren ohne ein direktes Interesse an der Förderung von Glas anzugeben ist eine ziemlich irreführende Taktik…

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