Menschliches Gehirn: Forscher entdecken Ein- und Ausschalter

Wissenschaftler aus den USA haben durch Zufall eine interessante Region im menschlichen Gehirn entdeckt. Während eines Experiments fanden sie quasi einen „Schalter“, über den eine Person in den Schlafzustand versetzt werden kann. Die neuen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, besser zu verstehen, wie unser Gehirn tatsächlich arbeitet.

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Die Forscher hoffen durch ihre Entdeckung der Entschlüsselung des Bewusstseins ein Stück näher gekommen zu sein. (Foto: Flickr/ Brain by dierk schaefer CC BY 2.0)

Die Forscher hoffen durch ihre Entdeckung der Entschlüsselung des Bewusstseins ein Stück näher gekommen zu sein. (Foto: Flickr/ Brain by dierk schaefer CC BY 2.0)

Während eines Versuchs gelang Mohamad Koubeissi und seinen Kollegen an der George Washington University der Zufallsfund. Die Forscher behandelten eine an Epilepsie erkrankte Patientin mit Strom. Als sie dabei ein bestimmtes Areal trafen, konnten sie das Bewusstsein der Frau an- und ausschalten.

Konkret stimuliert hatten die Wissenschaftler das Claustrum. Dabei handelt es sich um einen zum Endhirn gehörender Hirnteil. Zu finden ist das Claustrum in beiden Gehirnhemisphären aller bisher untersuchten Säuger. Welche Funktion es genau hat, ist bislang aber nicht abschließend geklärt. Derzeit geht man davon aus, dass es wohl eine Rolle beim Sexualempfinden spielen könnte, so die BBC. Andere sehen in ihm eine Rolle bei der Integration von bewussten Wahrnehmungsinhalten.

Im aktuellen Fall führten die Wissenschaftler gerade ein Experiment durch, um die Signale des Gehirns zu überwachen. Ziel war es herauszufinden, welcher Bereich des Gehirns der Patientin die Anfälle verursacht. Dazu wurde mit tiefen Hirnelektroden gearbeitet, berichtet New Scientist. Eine dieser Elektroden sei nun in der Nähe des Claustrums platziert worden. Ein Areal, das zuvor noch nie stimuliert worden war. Als sie das Gebiet dann mit hochfrequenten elektrischen Impulsen versahen, ereignete sich das Unerwartete. Die Frau verlor das Bewusstsein und begann, mit leerem Blick in den Raum zu starren.

Die Patientin reagierte weder auf audio noch visuelle Befehle. Auch ihre Atmung verlangsamte sich. Während dieser Zeit gab es auch keine epileptische Hirnaktivität. Das Team konnte sich also sicher sein, dass es sich nicht um eine Nebenwirkung eines Anfalls handelte. Sobald die Forscher die Stimulation stoppten, erlangte die Frau auch ihr Bewusstsein wieder. An das Ereignis selbst konnte sie sich nicht erinnern.

Um das Gesehene zu bestätigen, setzten die Wissenschaftler das Experiment über mehrere Tage hinweg fort. Es musste ausgeschlossen werden, dass sie lediglich die Fähigkeit der Patientin zu sprechen und sich zu bewegen beeinflusst hatten. Während der neuerlichen Versuche wiesen die Forscher die Frau an, kurz vor der Stimmulation bestimmte Aufgaben durchzuführen, wie etwa das Wiederholen eines Wortes oder das Schnippen mit dem Finger. Dabei konnten sie beobachten, dass die Frau schon kurz vor dem Bewusstseinsverlust leiser sprach und sich weniger bewegte.

Bislang wurde das Ganze jedoch nur an einer Person getestet. Dennoch könnte die Entdeckung zuträglich sein und weitere Erkenntnisse über die komplexen Funktionen des menschlichen Gehirns liefern. Die Entdeckung legt jedenfalls nahe, dass im Claustrum ein integraler Bestandteil des Gehirns liegen könnte, in dem unterschiedliche Hirnaktivitäten in ein nahtloses Paket von Gedanken, Empfindungen und Emotionen zusammenlaufen. Zudem könnte das Gesehen Wissenschaftler und Philosophen gleichermaßen einen Schritt weiter in einer der wesentlichsten Fragen bringen: Nämlich, wie unser Bewusstsein entsteht.

Koubeissi verglich das Beobachtete mit einem Auto: „Ein Auto auf der Straße hat viele Teile, die seine Bewegung erleichtern – das Gas, das Getriebe, der Motor. Aber es gibt nur einen Ort, wo Sie den Schlüssel drehen und alles schaltet sich ein und arbeitet zusammen. Das Bewusstsein ist zwar ein komplizierter Prozess über viele Strukturen und Netzwerke. Doch wir könnten den Schlüssel dazu gefunden haben.“

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