Gefährlich wie Arsen oder Asbest: WHO stuft Diesel als krebserregend ein

Diesel ist krebserregend, und zwar in einem weit höheren Ausmaß als bisher gekannt. Die WHO stellt nach einer Langzeitstudie fest, dass die Wirkungen mit jenen von Asbest, Arsen oder Senfgas zu vergleichen sind.

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Dieselabgase führen vor allem zu Lungen- und Blasenkrebs. (Foto: Flickr/ Diesel by Matt Erasmus CC BY 2.0)

Dieselabgase führen vor allem zu Lungen- und Blasenkrebs. (Foto: Flickr/ Diesel by Matt Erasmus CC BY 2.0)

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Abgase von Dieseltreibstoff neu klassifiziert: Bei der Tagung der internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) wurde in Lyon ein Dokument veröffentlicht, welches an Deutlichkeit nicht zu überbieten ist: Diesel ist krebserregend, und zwar in einem weit höheren Ausmaß als bisher gekannt. Seit zwei Jahrzehnten mutmaßt die Wissenschaft, dass der als besonders billig angepriesene Treibstoff gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen haben könnte. Nun stellt die WHO fest, dass die Wirkungen mit jenen von Asbest, Arsen oder Senfgas zu vergleichen sind.

Die Folgen vergleichen die Experten mit jenen von starkem Passivrauchen. Die Grundlage für diese Erkenntnis sind Daten einer Langzeituntersuchung, die von WHO-Experten durchgeführt wurde. Dieselabgase führen demnach vor allem zu Lungen- und Blasenkrebs. Die Gefährdung besteht nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch bei Maschinen, Zügen und Schiffen. Besonders Arbeiter, die dauerhaft den Dieselgasen ausgesetzt sind, müssen mit langfristigen Folgen rechnen. Aber auch im normalen Alltag ist das Diesel eine Gefährdung. Der Vorsitzender der IARC, Christopher Potier, sagte zu den Ergebnissen: „Der wissenschaftliche Beweis ist beeindruckend und das Ergebnis der Arbeitsgruppe war einstimmig: Die Gase von Dieselmotoren verursachen Lungenkrebs bei Menschen. Wenn man die gesundheitlichen Folgen bedenkt, so muss man die Mischung der Chemikalien, die dazu führen, nun weltweit reduzieren.“ Kurt Straif, der die Studie für die WHO leitete, sagte: „Die Hauptstudien haben zu dem Hauptergebnis geführt, dass Arbeiter, die den Dieselabgasen in ihrem Beruf ausgesetzt sind, besonders gefährdet sind. Aber wir haben die Erkenntnisse, die wir von der Radioaktivität beim Röntgen her kennen, genutzt, um zu forschen, wie die Auswirkungen auf die Bevölkerung sind. Und wir haben ganz deutlich Spuren auch bei der weniger ausgesetzten Bevölkerung gefunden. Daher müssen Maßnahmen getroffen werden, wie wir sohle jene schützen können, die den Abgasen beruflich ausgesetzt sind, als auch die Bevölkerung im Allgemeinen.“

Christopher Wild, der Direktor der IARC, fordert nun Regulierungen auf nationaler und internationaler Ebene. Vor allem in den Entwicklungsländern müsse nun rasch gehandelt werden, weshalb die Industriestaaten die Pflicht hätten, Regeln voranzutreiben. Nach Einschätzung von Experten ist nun vor allem die Industrie gefordert. Denn mit der Einschätzung der WHO sehen sich die Verursacher von Dieselabgasen der Gefahr gegenüber, wegen Krebserkrankungen verklagt zu werden. Die Aussicht, dass es hier zu milliardenschweren finanzielle Einbußen wegen verlorener Prozesse kommen kann, dürfte auf die Industrie jedenfalls eine stärker motivierende Wirkung haben als moralische Appelle.

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