Hilfe für Herzkranke: Forscher testen Bio-Schrittmacher am Schwein

US-Wissenschaftler haben erste Erfolge mit so genannten biologischen Herzschrittmachern erzielt. Per Gen-Therapie verhalfen sie Schweinen zu einem stabilen Herzrhythmus. Von dem neuen Verfahren könnten künftig nicht nur Erwachsene profitieren. Auch für ungeborene Kinder mit Herzfehler wäre so eine Rettung möglich.

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Bislang war der Herzschrittmacher die einzige Option für Patienten mit Rhythmusstörungen. Das Gerät und seine damit verbundenen Risiken könnten in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. (Foto: Flickr/ Medtronic EnRhythm Pacing System by stev.ie CC BY 2.0)

Bislang war der Herzschrittmacher die einzige Option für Patienten mit Rhythmusstörungen. Das Gerät und seine damit verbundenen Risiken könnten in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. (Foto: Flickr/ Medtronic EnRhythm Pacing System by stev.ie CC BY 2.0)

Wissenschaftler des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles sind einer echten Alternative zum herkömmlichen Herzschrittmacher auf der Spur. In Tierversuchen gelang es den Forschern, Schweine mit Herzleiden zu kurieren. Mit Infektionsrisiken behaftete Geräte benötigten sie hierzu nicht. Sie schleusten ein bestimmtes Gen in den Herzmuskel und ermöglichten so wieder einen normalen Takt.

Ihre im Tierversuch erworbenen Erkenntnisse veröffentlichten die Forscher jetzt im Fachblatt „Science Translational Medicine“. Interessant sind diese für Patienten mit Problemen bei der Reizerzeugung oder dessen Weiterleitung. Denn: Statt auf die bislang benötigten elektrischen Impulse zurückgreifen zu müssen, packt die Methode aus Kalifornien das Problem bei der Wurzel. Die Technik verändert die gewöhnlichen Muskelzellen in den Herzen, so dass sie nach der Behandlung in der Lage sind, einen regelmäßigen Herzschlag zu liefern.

Für ihre Untersuchungen bediente sich das Team um Eduardo Marbán Schweinen, die unter einem kompletten Sinusblock leiden. Ihre Herzschläge waren zu langsam, um einen regelmäßigen Kreislauf zu erreichen. Per Katheder wurde den Tieren das humane Adenovirus in ein bestimmtes Areal des für den Takt zuständigen rechten Vorhofs verabreicht. Enthalten war darin auch das Gen TBX18, das die dort befindlichen Herzmuskelzellen zu Sinusknotenzellen umprogrammieren sollte.

Schon zwei Tage nach dem Gentransfer entwickelten die Tiere einen schnelleren, regelmäßigen Herzschlag. Der Erfolg hielt über die gesamten 14 Studientage an. Im Laufe der Zeit passte sich der Takt den Aktivitäten der Tiere an. Eine elektrische Unterstützung war nur minimal nötig.

Diese Entwicklung läutet eine neue Ära der Gen-Therapie ein, in der Gene nicht nur verwendet werden, um eine Störung zu beheben, sondern, um tatsächlich einen Zelltyp in einen anderen zu konvertieren, um Krankheiten zu behandeln“, zitiert die Techtimes Eduardo Marbán. Das Team stellt in Aussicht, bereits in drei Jahren mit Studien am Menschen beginnen zu können. Sollte die Technik auch hier funktionieren, könnte sie eines Tages Herzschrittmacher nicht nur temporär ersetzen, sondern sogar völlig überflüssig machen. Bis es soweit ist, muss jedoch die langfristige Entwicklung der Herzen überprüft werden. Treten später Entzündungen an der Injektionsstelle auf? Oder gibt es eine Vermehrung von Bindegewebe?

Werden diese Fragen geklärt, könnten davon nicht nur Erwachsene, sondern vor allem Ungeborene mit Herzleiden profitieren. Sie sind zu klein, um einen Schrittmacher zu implantieren. Die Folge: Viele von ihnen werden bereits tot geboren. Mit Hilfe der Gen-Therapie könnte für diese kleinsten Patienten neue Hoffnung bestehen, da sie noch im Mutterleib durchgeführt würde.

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