Studie: Kaiserschnitt-Geburt hat Einfluss auf die Stammzellen

Ist ein Kind nicht dem positiven Stress einer natürlichen Geburt ausgesetzt, kann das offenbar Auswirkungen auf seine spätere Gesundheit haben. Schwedische Forscher haben die Stammzell-DNA von Babys analysiert, die entweder auf normalem Weg oder per Kaiserschnitt zur Welt kamen. Das Ergebnis: Gleich in mehreren hundert DNA-Regionen zeigten sich Unterschiede. Ob diese aber langfristig sind, muss noch geklärt werden.

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Kindern, die per Kaiserschnitt geboren werden, fehlt der positive Stress, der sie auf das Lebe naußerhalb des Mutterleibs vorbereitet. (Foto: Flickr/ Baby by gabi_menashe CC BY 2.0)

Kindern, die per Kaiserschnitt geboren werden, fehlt der positive Stress, der sie auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vorbereitet. (Foto: Flickr/ Baby by gabi_menashe CC BY 2.0)

Eine Geburt per Kaiserschnitt führt offenbar zu Veränderungen der Stammzell-DNA bei Neugeborenen. Zu diesem Ergebnis kommen schwedische Forscher, die die Zusammenhänge zwischen der Geburtsart und der Stammzellen-Prägung untersucht haben. Die Resultate könnten nun helfen zu verstehen, warum auf diese Weise geborene Kinder ein erhöhtes Risiko für immunologische Krankheiten besitzen. Noch ist unklar, ob dieser so genannte epigenetische Mechanismus vorübergehend oder dauerhaft ist.

Kaiserschnitt-Geburten sind weltweit auf dem Vormarsch. Aktuell ist der Kaiserschnitt der häufigste chirurgische Eingriff bei fruchtbaren Frauen. Doch die Methode hat auch Schattenseiten. Die Kinder haben offenbar ein erhöhtes Risiko für bestimmte Autoimmun-Krankheiten, wie Asthma, Typ-1Diabetes, Fettleibigkeit und Zöliakie. Bislang wurde der statistische Zusammenhang jedoch nicht wissenschaftlich geklärt. Wissenschaftler vom Stockholmer Karolinksa Institut haben sich jetzt diesem Umstand angenommen und ihre Ergebnisse kürzlich im American Journal of Obstetrics & Gynecology veröffentlicht.

Die biologischen Mechanismen, die einen Fötus oder ein Neugeborenes prädisponieren, um im späteren Leben eine bestimmte Krankheit zu bekommen, sind komplex und hängen sowohl von genetischen als auch von Umweltfaktoren ab“, zitiert das Fachblatt Medical Express Tomas Ekström, Professor für Molekulare Zellbiologie. In dieser Studie hätte sich sein Team nun auf die Art und Weise konzentriert, wie ein Baby geboren werde und ob das Einfluss auf die zelluläre Ebene in Form von epigenetischen Veränderungen in der DNA haben könnte.

Epigenetische Veränderungen in der DNA des Zellkerns treten auf, wenn Umweltfaktoren das Ablesen der Gene beeinflussen ohne den tatsächlichen genetischen Code zu verändern. So können Gene an- und ausgeschaltet werden, um je nach Umgbung die Körperfunktionen zu regulieren. Heute weiß man, dass giftige Stoffe oder die Ernährung zu epigenetischen Veränderungen führen. In einigen Fällen kann sie sogar auf die nächste Generation übertragen werden. In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher nun epigenetische Veränderungen in Stammzellen aus dem Nabelschnurblut. Insgesamt wurden 43 Kinder untersucht. 18 von ihnen kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Das Ergebnis: Es zeigte sich spezifische epigenetische Unterschiede zwischen den Gruppen in fast 350 DNA-Regionen. Betroffen waren dabei auch Gene, die in den Stoffwechsel und die Immunabwehr involviert sind.

Bei einer vaginalen Geburt ist der Fötus einem erhöhten Stressniveau ausgesetzt, welcher das Ungeborene auf positive Art und Weise für das Leben außerhalb der Gebärmutter vorbereitet“, so Mikael Norman, an der Forschung beteiligter Kinderarzt und Professor für Neonatologie. Diese Aktivierung des Abwehrsystems des Fötus tritt nicht auf, wenn ein Kaiserschnitt vor Einsetzen der Wehen durchgeführt wird. Das wiederum könnte eine mögliche Ursache für die Unterschiede zwischen den betrachteten Gruppen sein.

Mit ihrer Studie hoffen die Forscher, wichtige Erkenntnisse für das weitere Verständnis liefern zu können, wie sich ein Kaiserschnitt auf die Genexpression in Blutstammzellen und die Funktion des Immunsystems in Bezug auf Gesundheit und Krankheit im späteren Leben auswirken kann. Allerdings weisen die schwedischen Wissenschaftler auch darauf hin, dass immer noch nicht bekannt ist, ob die Unterschiede, die in den untersuchten Babys gefunden wurden, über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben und damit tatsächlich einen Einfluss auf das zukünftige Krankheitsrisiko haben. Auf diesem Gebiet, so die Schweden sei deshalb noch weitere Forschung nötig.

Unabhängig von der Geburtsmethode hat sich hierzulande ein anderer, besorgniserregender Trend eingeschlichen: Die Bereitschaft, Kinder zu bekommen, nimmt in Deutschland weiter ab. Gleichzeitig steigt das Alter der werdenden Mütter. Aus Geldmangel können sich viele Paare keine Kinder mehr leisten. Für andere passen Kinder einfach nicht zu ihrem gewohnten Lebensstil (mehr hier).

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