Akute Rückenschmerzen: Paracetamol hat keine Wirkung

Werden akute Schmerzen im unteren Rücken mit Paracetamol behandelt, ist das hinausgeworfenes Geld. Zu diesem Ergebnis kommen australische Forscher, die die Wirksamkeit des Medikaments in solchen Fällen untersucht haben. In einer doppelt-blinden Studie stellten sie das Schmerzmittel einem Placebo gegenüber. Der Effekt war der gleiche.

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Eine kompetente Beratung und eine optimistische Grundhaltung wirkte sich offenbar positiv auf den Heilungsprozess der Rückenpatienten aus. (Foto: Flickr/ Eaten alive by mosquitos by Debs CC BY 2.0)

Eine kompetente Beratung und eine optimistische Grundhaltung wirkte sich offenbar positiv auf den Heilungsprozess der Rückenpatienten aus. (Foto: Flickr/ Eaten alive by mosquitos by Debs CC BY 2.0)

Forscher der University of Sydney stellen mit einer aktuellen Studie die Vorgehensweise von Ärzten infrage. Diese verordnen im Fall von akuten Rückenschmerzen häufig Paracetamol. Die Wirkung ist jedoch gleich null, so die Wissenschaftler. Eine kompetente Beratung ist ihrer Ansicht nach viel effektiver.

Das Team um Christopher Williams veröffentlichte seine Ergebnisse nun im medizinischen Fachjournal The Lancet. Die Forscher haben für ihre umfassende Studie mehr als 1650 Patienten für drei Monate unter die Lupe genommen. Das Ergebnis am Ende der Testreihe: Ganz gleich, ob die Betroffenen Paracetamol oder eine Pille ohne Inhaltsstoffe einnahmen – die Regeneration verlief in beiden Fällen sowohl gleich gut als auch gleich schnell. Durchschnittlich 17 Tage nach Beginn der Untersuchungen waren die akuten Beschwerden bereits abgeklungen. Rund drei Viertel der Studienteilnehmer zeigten sich mit dem Therapie-Ergebnis zufrieden, unabhängig von der Gruppe.

Einbezogen wurden Kandidaten, die seit sechs Wochen oder weniger unter akuten Rückenschmerzen litten, so die BBC. Halten die Schmerzen länger an, wird per Definition von subakut gesprochen. Dauern sie über zwölf Wochen hinaus, werden sie hingegen als chronisch bezeichnet.

Aufgeteilt wurden die Studienteilnehmer in drei verschiedene Gruppen: Ein Drittel der Patienten wurde die herkömmliche Dosis Paracetamol verabreicht, einem weiteren Drittel Schmerzmittel nach Bedarf und eine dritte Runde erhielt lediglich Placebos. Wer zu welcher Gruppe gehörte, wussten weder die Patienten noch die Ärzte.

Erstaunlich: Paracetamol ließ die Schmerzen nicht wie erhofft zügiger abklingen, die Intensität des Leidens wurde nicht reduziert und auch die Schlafqualität verbesserte sich durch die Einnahme des Schmerzmittels nicht. Dabei hilft Paracetamol in anderen Fällen durchaus, wie etwa bei postoperativen Beschwerden, Kopf- oder Zahnschmerzen. Die relativ zügige Erholung binnen etwas mehr als zwei Wochen führten die Forscher daher auf einen anderen Umstand zurück. Alle Studienteilnehmer waren während ihrer Behandlung ärztlich beraten worden. Zudem wurden sie optimistisch eingestimmt, dass ihre Leiden sehr schnell und unkompliziert abklingen würden. Ein solches Vorgehen scheint also effektiver als die Einnahme von Medikamenten, so die Vermutung der Australier.

Die Studie der Australier ist bislang die größte ihrer Art zum Thema. Sie ist insofern entscheidend, als dass die Datenlage zur Verwendung von Paracetamol bei akuten Rückenschmerzen bis dato äußerst dürftig ist. Mit ihren Ergebnissen werfen die Forscher nun aber die Frage auf, ob Paracetamol tatsächlich weiterhin die erste Wahl in solchen Fällen sein sollte. „Die Ergebnisse legen nahe, dass wir die universelle Empfehlung von Paracetamol zur Erst-Behandlung überdenken müssen“, so Dr. Christopher Williams.

Alternative Medikationen wollten die Forscher allerdings nicht empfehlen. Williams und seine Kollegen hoffen, dass es noch weitere Studien zum Thema geben wird. Dies sei auch unbedingt nötig, ehe Paracetamol endgültig verworfen werde, meinen auch zwei holländische Kollegen.

Rückenbeschwerden sind Statitsta zufolge eine der wichtigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Demnach sind „Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens“ für rund ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. In der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, herausgegeben vom Robert-Koch-Institut heißt es zum Einsatz von Medikamenten hierzulande:

Der Einsatz von Medikamenten sollte mit einer Ärztin bzw. einem Arzt oder mit einer Apothekerin bzw. einem Apotheker, im Bereich der sog. einfachen rezeptfreien Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure), besprochen werden. Hinsichtlich pflanzlicher Wirkstoffe, der sogenannten Phytotherapeutika, ergeben sich Hinweise darauf, dass Extrakte von Weidenrinde und Teufelskralle schmerzlindern wirken. Es gibt jedoch keine Empfehlung bei akuten oder chronischen nicht-spezifischen Rückenschmerzen.“

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  1. Gesundheitsmatratze sagt:

    Bei Rückenschmerzen muss man natürlich die Ursachen bekämpfen, nicht nur die Symptome. Wenn man z.B. schlecht liegt, kann eine Gesundheitsmatratze das Problem beseitigen. http://www.gesunderschlaf.ch Manchmal muss man bestimmte Änderungen am Lebensstil vornehmen.