Ess-Sucht: Forscher entdecken Appetitzügler im Gehirn

US-Wissenschaftler haben bei Versuchen mit Mäusen offenbar jene Gehirnzellen entdeckt, die das Verlangen nach Essen einfach ausschalten können. Wurden die entsprechenden Neuronen aktiviert, wirkte sich das umgehend auf die Nahrunsaufnahme aus. Die Ergebnisse könnten in Zukunft neue Therapie-Methoden etwa bei extrem über- oder auch untergewichtigen Patienten ermöglichen.

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Findet sich die Schaltzentrale auch im menschlichen Gehirn, wären völlig neue Therapieansätze bei Ess-Störungen möglich. (Foto: Flickr/ 40+290 Notch by bark CC BY 2.0)

Findet sich die Schaltzentrale auch im menschlichen Gehirn, wären völlig neue Therapieansätze bei Ess-Störungen möglich. (Foto: Flickr/ 40+290 Notch by bark CC BY 2.0)

Wissenschaftler des California Institute of Technology geben mit ihren jüngsten Forschungen Anlass zur Hoffnung für Menschen mit Fettsucht und Anorexie. Sie haben im Tierversuch das Areal im Gehirn ausfindig gemacht, welches das Verlangen zu essen stoppen kann. Das Forscher-Team um Professor David Anderson geht davon aus, dass die fraglichen Gehirnzellen wie eine Art Schaltzentrale funktionieren und in ähnlicher Form auch beim Menschen zu finden sein könnten.

Im Versuch mit Mäusen gelang es, die Nahrungsaufnahme durch gezielte Stimulation dieser Schaltzentrale mit einem Laserstrahl sofort und vollständig zu beenden. „Es war, als würde man einen Schalter umlegen und so die Tiere am Fressen hindern. Es war unglaublich überraschend“, zitiert die BBC den Studienleiter. Ihre Ergebnisse veröffentlichten Anderson und seine Kollegen nun im Fachmagazin „Nature Neuroscience“.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler sind die fraglichen Zellen für die Kombination und Weitergabe gleich einer ganzen Reihe von Botschaften verantwortlich, die bei der Reduktion der Nahrungsaufnahme hilfreich sind. So wurden im Versuch mit Chemikalien Gefühle wie Sattheit, bitterer Geschmack, Übelkeit und auch Unwohlsein simuliert. Das Ergebnis: Die Neuronen waren in jeder dieser Situationen aktiv und haben somit wohl für all diese Reize entscheidende Bedeutung. Auch beim Verhindern des Überfressens könnten die Zellen eine Rolle spielen. Denn: Besonders rege zeigten sich die Zellen vor allem dann, wenn die Tiere eine volle Mahlzeit zu sich genommen hatten.

Dem Wissenschaftler zufolge sei dies nun das erste genau definierte Zentrum, welches eine Nahrungsaufnahme verhindere. Die Zellen liegen in einer Region namens Amygdala. Dort sind auch Emotionen wie Stress und Angst angesiedelt. „Es ist wahrscheinlich, dass es auch im menschlichen Gehirn ähnliche Zellen gibt“, so Anderson weiter.

Die Ergebnisse aus Kalifornien werfen nun ein weiteres Licht auf die vielen komplexen Nervenschaltkreise, die an der Appetitsteuerung beteiligt sind. Noch fehlt es aber am wissenschaftlichen Beleg, dass es sich beim Menschen genauso verhält. Gelingt dieser Nachweis jedoch, wären die Forscher in der Behandlung von schweren Ess-Störung ein ganzes Stück weiter.

Als nächstes soll jetzt untersucht werden, wie die Zellen mit anderen bekannten Nervenzentren interagieren, die an der Förderung der Nahrungsaufnahme beteiligt sind. Denn für die Forscher stellt sich natürlich auch die Frage, ob diese Nervenzellen etwa eine wichtige Verbindung zwischen Ernährung und Emotionen sein könnten.

Derzeit leiden knapp 400 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes, 4,8 Millionen Menschen sterben jährlich an dieser Erkrankung. 20 Prozent der Weltbevölkerung leiden an Fettleibigkeit. In Deutschland sind es 14,7 Prozent der Erwachsenen, in den USA sogar 33,8 Prozent. 90 Prozent der praktizierenden Allgemeinärzte in Europa, Asien und den USA sehen einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Krankheiten und dem übermäßigen Zuckerkonsum.  Das kostet die Gesundheitssysteme jährlich fast 500 Milliarden US-Dollar (mehr hier).

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