Liebe oder Sex? Die Augen verraten die Intention

US-Forscher haben jetzt eine romantische Vorstellung bestätigt: Liebe auf den ersten Blick gibt es tatsächlich. Das Team hat hierzu die Augen der Probanden genau unter die Lupe genommen. Je nachdem, wohin die Pupille wandert, lassen sich offenbar auch die Absichten des Gegenübers bestimmen.

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Bisher war es nur eine Ahnung: Jetzt haben Forscher belegt, dass der Blick mehr sagt als Tausend Worte. (Foto: Flickr/ glowing turista by The Sean & Lauren CC BY 2.0)

Bisher war es nur eine Ahnung: Jetzt haben Forscher belegt, dass der Blick mehr sagt als Tausend Worte. (Foto: Flickr/ glowing turista by The Sean & Lauren CC BY 2.0)

Die Forscher der University of Chicago untersuchten die Blickrichtung von Gesprächspartnern. Studienleiterin Stephanie Cacioppo und ihre Kollegen fanden heraus: Blickt ein Fremder direkt in die Augen seines Gegenübers, dann gilt dieser als möglicher Partner. Wandert das Auge hingegen erst zu anderen Körperregionen, ist das Interesse höchstwahrscheinlich nur sexueller Natur.

Nach Einschätzung von Cacioppo sind die Ergebnisse ihrer Untersuchungen grundlegend. Denn: „Obwohl wir derzeit nur wenig über Liebe auf den ersten Blick wissen und darüber, wie Menschen sich verlieben, sind diese Reaktionsmuster die ersten Hinweise darauf, wie automatische Aufmerksamkeitsprozesse – wie etwa Blickkontakt – sich zwischen Liebesgefühlen und sexuellem Verlangen gegenüber Fremden unterscheiden können“, zitiert das Fachportal Medical News Today die Forscherin. Veröffentlich hat sie ihre Erkenntisse mittlerweile im Psychological Science.

Die automatische Bestimmung, in welche Kategorie eine Person eingeordnet wird, fällt übrigens binnen einer halben Sekunde und löst in Folge dessen die unterschiedlichen Blickmuster aus. Das Ergebnis: Wird mit dem Blick eine bestimmte Körperpartie fixiert, geht es mit Sicherheit nur um sexuelles Verlangen. Schaut der Gesprächspartner seinem Gegenüber direkt in die Augen, könnte sich mehr daraus entwickeln.

Je nach Intention, werden für Liebe bzw. sexuelle Begierde unterschiedliche Hirnregionen aktiviert. Das konnte Cacioppo bereits durch vorangegangene Untersuchungen belegen. Für ihre jüngsten Untersuchungen zogen die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen von der Universität Genf nun männliche und weibliche Studenten heran. Diese sollten sich eine Reihe von Schwarz-Weiß-Fotos von Fremden ansehen. In einem Test wurden Aufnahmen von jungen, erwachsenen heterosexuellen Paaren gezeigt. In einem zweiten Teil der Studie betrachteten die Teilnehmer Bilder von attraktiven Menschen des anderen Geschlechts, die direkt in die Kamera blickten. Keines dieser Bilder enthielt jedoch Nacktheit oder Erotik. Für beide Teile der Studie setzten sich die Teilnehmer vor einen Computer und wurden aufgefordert, so schnell wie möglich zu entscheiden, ob die Leute auf den Fotos Gefühle der sexuellen Lust oder romantische Liebe auslösten.

Den Wissenschaftlern zufolge unterschied sich die Zeit, um sich für Liebe oder Sex zu entscheiden, nicht wesentlich. Dies zeige, dass das Gehirn beide Emotionen schnell verarbeiten könne. Entscheidender waren sowohl bei den männlichen wie weiblichen Studienteilnehmern demnach die so genannten Eye-Tracking-Daten. „Durch die Identifizierung der Augenmuster, die für einen liebesbezogenen Stimulus verantwortlich sind, könnte die Studie auch der Entwicklung eines Biomarkers dienen, der romantische Gefühle von sexuellen Wünschen unterscheidet“, so John Cacioppo, Co-Autor und Direktor des Zentrums für kognitive und Social Neuroscience.

Für die Praxis könnten sich die Forscher überdies folgende Anwendungsgebiete vorstellen: Eine solche Identifizierung von unterschiedlichen visuellen Mustern für Liebe und Lust könnte theoretische und klinische Bedeutung in der Paartherapie haben. Denn diese beiden Phänomene sind auf der Grundlage der Patientenselbstberichte schwer voneinander zu unterscheiden.

Die Forschung geht unterdessen sogar noch weiter: Wissenschaftler der University of Washington in Seattle haben in einem Experiment erfolgreich einen Gedanken von einem Gehirn auf ein anderes übermittelt. Dabei bedienten sie sich dreier Technologien, die bereits seit geraumer Zeit Anwendung im Bereich der Gehirnforschung finden: der Elektroenzephalografie (EEG), der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) und einer Internetverbindung zur Übertragung der Daten (mehr hier).

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