Migräne: Neue Online-Plattform will Therapie verbessern

Mit Hilfe einer neuen App sollen Migräne-Patienten und ihre Ärzte künftig besser zusammenarbeiten. Ein Startup aus Singapur hat hierzu eine Online-Plattform entwickelt, die wie eine Art Symptom-Tagebuch genutzt wird. Im Notfall sollen auch Daten gespeichert werden, wenn der Patient dies im Zuge einer Attacke vergisst.

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Die Migräne lässt Betroffene regelrecht wegtreten eine genaue Datenaufzeichnung ist für viele unmöglich. (Foto: Flickr/ Hangover by mislav-m CC BY 2.0)

Die Migräne lässt Betroffene regelrecht wegtreten eine genaue Datenaufzeichnung ist für viele unmöglich. (Foto: Flickr/ Hangover by mislav-m CC BY 2.0)

Migräne ist mehr als bloßer Kopfschmerz. Die neurologische Erkrankung geht mit einem ganzen Cluster von Symptomen vor und nach den Schmerzattacken einher. Sie kündigen dem Patienten die bevorstehende Migräne an und lassen ihn anschließend nicht selten in einem ausgelaugten Zustand zurück. Diese genau zu bennen oder gar zu protokollieren, fällt oft schwer. Ein Unternehmen in Singapur hat nun eine weitere Migräne-App entwickelt. Im Gegensatz zu anderen Produkten dieser Art setzt sie auch auf selbständige Aufzeichnung.

Nicht wenige Betroffene werden regelmäßig von Migräne-Attacken heimgesucht. Sie kennen die Symptome und können im günstigsten Fall bereits in der so genannten Vorbotenphase mit Medikamenten reagieren. Manche versuchen sich auch mit Kalendernotizen ein näheres Bild ihrer Erkrankung zu machen. Genau hier setzt das in Singapur ansässige Gesundheitsstartup Healint an. Mit einer mobilen Plattform wollen sie diese Sammlung von Daten vereinfachen. Das Ziel: Patient und Arzt soll besser miteinander arbeiten und am Ende eine optimalere Behandlung erstellen können.

Der so genannte Migraine Buddy besteht aus einer App, die Betroffene auf ihrem Mobiltelefon installieren und für die Aufzeichnungen ihrer Symptome verwenden können. Daneben gibt es eine damit synchronisierte Cloud-Datenbank, auf deren Daten die Mediziner bei ihrer Untersuchung zurückgreifen können. Insgesamt soll so ein ganzheitliches Bild entstehen, das hilft, potentielle Auslöser der Migräne besser zu identifizieren und wirksam zu bekämpfen.

Eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zu anderen Migräne-Trackern bestehe jedoch darin, dass es auch Bewegungs- und Schlaf-Daten über die Smartphone-Sensoren speichere. Auf diese Weise seien einige Daten auch dann verfügbar, wenn die Patienten vergessen, Daten einzugeben, so Techcrunch. Derzeit sei die App zwar nur für Android verfügbar, weitere Versionen seien jedoch in Arbeit. Erscheinen sollen sie bereits Ende dieses Jahres.

Auch in Deutschland wird in diese Richtung geforscht und programmiert: Prof. Dr. Hartmut Göbel und das Team der Schmerzklinik Kiel haben bereits vor einigen Jahren einen Kopfschmerz-Kalender für das iPhone entwickelt. Die Verlaufsdaten werden auch hier online ausgewertet. Änderungen, so heißt es, könnten jederzeit mobil aktualisiert werden. Die Wirksamkeit einer Behandlung könne damit ebenfalls sofort erkannt und nachverfolgt werden. Und das aus gutem Grund, so die Schmerzklinik Kiel:

„Durchschnittlich müssen sich Migränebetroffene auf 2,8 Attacken pro Monat einstellen. Bei einer Hochrechnung von ca. 36 Migränetagen pro Jahr und 360 Migränetagen in 10 Jahren verliert eine an Migräne leidende Person alle 10 Jahre ein ganzes Jahr durch die Krankheit. Oder anders ausgedrückt: Jeden Tag büßen in Deutschland ca. 760.000 Menschen einen kompletten Tag durch Migräne ein!

Erfahrung auf dem Gebiet der medizinischen Apps hat das asiatische Unternehmen bereits. Vor dem Thema Migräne wurde ein Smartphone-basiertes Informationssystem für Schlaganfall-Patienten entwickelt. Hieraus sei nach Angaben von Veronica Chew, Healints CMO und Co-Founder, auch die Idee zur aktuellen Anwendung entstanden.

„Es war die Anwendung, die am meisten nachgefragt wurde“, zitiert das Blatt Chew. Eine Menge von Patienten seien nicht in der Lage zu sagen, was genau passiert. So würden sie keine Fragen darüber beantworten können, ob ihnen eine bestimmte Therapie auch tatsächlich helfe oder nicht, wie viele Attacken sie hätten, was sie dagegen unternommen oder davor getan hätten.

Migränepatienten sind übrigens Perfektionisten: Sie strengen sich im Vergleich zu Gesunden oft übermäßig an, um die ihnen gestellten Aufgaben möglichst perfekt zu erledigen. Forscher konnten nun beweisen, dass sie Probleme anders verarbeiten als gesunde Personen (mehr hier).

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