Angstgefühle: Mütter warnen Babys mit ihrem Körpergeruch

US-Forscher haben nun einen weiteren Weg entdeckt, wie Mütter ihre Kinder erziehen. Angst vor Gefahren lernen die Kleinen demnach durch Übertragung. Sie riechen diese bei ihrer Mutter. Herausgefunden haben das Wissenschaftler der University of Michigan im Versuch mit Ratten.

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Die Rattenmutter wurde schon weit vor der Schwangerschaft konditioniert. Ihre Angst übertrug sie später auf ihren Nachwuchs. (Foto: Flickr/I am babysitting for spring break by Dawn Huczek CC BY 2.0)

Die Rattenmutter wurde schon weit vor der Schwangerschaft konditioniert. Ihre Angst übertrug sie später auf ihren Nachwuchs. (Foto: Flickr/I am babysitting for spring break by Dawn Huczek CC BY 2.0)

Die Rattenmütter sendeten einen Alarm-Duft aus, der ihren wenige Tage alten Nachwuchs dazu brachte, ebenfalls eine Pfefferminz-Phobie zu entwickeln. Zuvor wurde den erwachsenen Tieren beigebracht, den eigentlich neutralen Duft mit leichten, aber unangenehmen Elektroschocks in Verbindung zu bringen. Das geschah bereits vor ihrer Schwangerschaft. Nach der Geburt der Kleinen wurden sie in deren Gegenwart wieder dem Geruch von Minze ausgesetzt. Die Forscher fanden heraus: Die verängstigten Mütter übertrugen die Angst auf ihren Nachwuchs.

Im Tierversuch wiesen die Forscher auch einen erhöhten Stresshormonspiegel der Babys nach. Ein weiteres Experiment zeigte dann: Allein der Geruch der Mutter löste bei den Kleinen Ängste aus, ohne dass die Mutter überhaupt präsent sein musste. Weitergegeben werden konnte die Angst übrigens auch von einer Ziehmutter. Veröffentlicht haben sie ihre Erkenntnisse nun auf dem Fachportal Proceedings of the National Academy of Sciences.

Im Fokus der Untersuchung stand ein bestimmter Teil des Gehirns, die so genannte Amygdala. Dieses Kerngebiet ist wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt. Generell spielt das Areal eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen. Auch die Analyse möglicher Gefahren findet hier statt. Im Tierversuch gelang es später durch die Gabe eines Medikaments die Aktivität der Amygdala zu blockieren. Der Pfefferminz-Angst-Assoziation wurden von den Kleinen nicht mehr von den Müttern erlernt.

Die Forscher glauben, dass es einen ähnlichen Angst-Geruch-Mechanismus auch beim Menschen gibt. Schließlich ist bereits bekannt, dass der Geruch der Mutter auf Babys beruhigend wirkt.

Unsere Forschung zeigt, dass Kleinkinder vom mütterlichen Ausdruck von Angst sehr früh lernen können“, so Studienleiter Jacek Debiec, von der University of Michigan. „Noch bevor sie ihre eigenen Erfahrungen machen, erwerben sie die Erfahrungen ihrer Mütter“, so der Psychiater und Neurowissenschaftler weiter. Entscheidend sei, dass diese Art von maternal übertragen Erinnerungen langlebig seien, während andere Arten des Lernens im Säuglingsalter bei fehlender Wiederholung schnell untergingen.

Der in Polen geborene Debiec hat sich auf Angst- und posttraumatischen Belastungsstörungen spezialisiert. Er fand bereits Beweise dafür, dass menschliche Babys Angst von ihren Eltern offenbar „erben“ können. Auf diese Spur kam er im Zuge seiner Arbeit mit erwachsenen Kindern von Juden, die den Holocaust überlebt hatten. Wissenschaftlich bewiesen wurde das auch von zwei Forschern der Emory University School of Medicine in Atlanta: Angst ist erblich und kann die Gene verändern. Studien an Mäusen haben gezeigt, dass die Tiere ihren Kindern Erlebnisse weitervererben können. Selbst bei ihren Enkeln zeigte sich die gleiche Angst vor einer bestimmten Erfahrung. Angst ist also offenbar ein geheimer Code im genetischen System. (mehr hier).

Debiec hofft nun, dass seine Forschung zu Möglichkeiten führt, eines Tages die Übertragung von irrationaler Angst oder schädlichen Reaktionen von Müttern auf ihre Kinder blockieren zu können. Noch wisse man aber zu wenig über diese Mechanismen, so der Wissenschaftler. Gelingt es, diese zu entschlüsseln, könnten sich daraus neue Therapie-und Präventionsansätze entwickeln.

 

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