Diät in Kindheit und Jugend: Frauen müssen mit Spätfolgen für ihre Gesundheit rechnen

Je früher junge Frauen mit einer radikalen Diät beginnen, desto schlimmer können die langfristigen gesundheitlichen Folgen sein. Das haben US-Forscher jetzt in einer großangelegten Studie nachgewiesen. Die Wissenschaftler treffen mit ihren Warnungen den Nerv der Zeit. Doch noch gibt es Widerstand.

Ihren XING-Kontakten zeigen
Die Faktoren, die eine Essstörung befeuern, begleiteten die Frauen oft bis ins Erwachsenenalter. (Foto: Flickr/Havre's Shopping Mecca by Nomadic Lass CC BY 2.0)

Die Faktoren, die eine Essstörung befeuern, begleiteten die Frauen oft bis ins Erwachsenenalter. (Foto: Flickr/Havre’s Shopping Mecca by Nomadic Lass CC BY 2.0)

Die Wissenschaftler der Florida State University befragten im Rahmen ihrer Langzeitstudie insgesamt 1.340 Frauen der College-Jahrgänge 1982, 1992, 2002 und 2012. Sie wollten wissen, wann die Mädchen zum ersten Mal eine Diät begonnen hatten. Zehn Jahre später wurden sie erneut interviewt. Untersucht wurden dann abermals ihre Diätgewohnheiten und ihr Gesundheitzustand. Die Folgen waren teils verheerend.

Ihre Ergebnisse präsentierten die Forscher in der vergangenen Woche auf einer Tagung der Society for the Study of Ingestive Behavior (SSIB) in Seattle. Es zeigte sich: Das Alter, in dem die Frauen erstmals eine Diät machten, reichte von gerade einmal drei bis 26 Jahre. Und noch mehr: „Ein früherer Beginn von Diäten führte zehn Jahre nach dem College zu größeren Problemen“, so Studienleiterin Pamela Keel, Professorin in der Abteilung für Psychologie an der Florida State University im Gespräch mit CBS. Denn: Je früher die erste Diät begonnen wurde, desto intensiver wurde sich auch später mit dem Thema Gewichtskontrolle befasst. Dazu kamen dann verstärkter Alkoholkonsum und -missbrauch. Obendrein bestand eine größere Gefahr, übergewichtig oder gar fettleibig zu werden.

Noch sei nicht ganz klar, warum Diäten in einem frühen Alter eine solche Wirkung auf die Gesundheit im späteren Leben haben. Ein möglicher Grund sei, dass bei den Frauen, die so jung eine Diät starteten, in Bezug auf ihr soziales Umfeld oder ihr Erbgut „bereits etwas anders ist“, so Keel weiter. Jene Faktoren könnten im Laufe ihres Lebens bleiben, wodurch sie Gefahr liefen, auch später in extreme Diäten und andere ungesunde Verhaltensweisen zurück zu fallen. In der Tat würden Essstörungen häufig durch soziale, psychologische und biologische Faktoren angetrieben.

„Die Studie zeigt auf, dass nach wie vor viele Mädchen im College Alter auf radikale Diät-Methoden zurückgreifen anstatt sich professionelle Unterstützung zu holen. Und das, obwohl wir mittlerweile über evidenzbasierte Methoden zur Gewichtsreduktion verfügen“, sagt auch Dr. Holly Lofton vom Weight Management Program am NYU Langone Medical Center. Es sei eine höchst interessante Tatsache, dass Übergewicht bei jüngeren und älteren Erwachsenen in den vergangenen 20 Jahren zugenommen habe und gleichzeitig das Alter, in dem eine Diät erstmals begonnen wurde, gesunken sei.

Die jüngsten Studienergebnisse sind in der Tat eine gute Erinnerung daran, dass es in den meisten Fällen zwar durchaus gesund ist, Gewicht zu verlieren. Doch führt sie gleichzeitig deutlich vor Augen, dass ein unausgewogenes Konzept in dieser Frage auch in die völlig falsche Richtung laufen kann. Befeuert werden die Mädchen dabei aber nicht nur von Freunden, Familie und biologischen Faktoren, auch die Modeindustrie trägt ihren Teil zu solchen Verhaltensmustern bei. Für internationales Aufsehen sorgte erst vor kurzem das Modelabel Abercrombie & Fitch, als es in den USA eine neue Konfektionsgröße einführte: Triple Zero oder XXXXS. Zum Vergleich: Bereits Size Zero entspricht Konfektionsgröße 32. Hinein passen in die 000 nur Damen mit einem Hüftumfang von gerade einmal 58,5 Zentimetern, also erwachsene Frauen im Körper eines sechs- bis achtjährigen Kindes mit einer Körpergröße von etwa 1,30 Metern. Im Fall der Jeans in Größe 28 führten die heftigen Proteste jedoch zum Erfolg: Sie ist mittlerweile nicht mehr erhältlich.

 

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*