Gehirn-Tumor: Darum erkranken Männer häufiger als Frauen

Jüngste Erkenntnisse von US-Forschern legen nahe, die Krebsforschung künftig deutlich differenzierter nach Männern und Frauen zu betrachten. Bei der Erforschung von Gehirn-Tumoren machten sie jetzt ein bestimmtes Protein aus, das bei Männern inaktiver als bei Frauen ist. Die Folge: Männliche Patienten haben lebenslang ein höheres Erkrankungsrisiko.

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Wissen Mediziner mehr über die Wirkmechanismen, die Krebs bei Männern und Frauen verursachen, können sie auch die Therapie deutlich optimieren. (Foto: Flickr/ Bad Haircut by Kevin Stanchfield CC BY 2.0)

Wissen Mediziner mehr über die Wirkmechanismen, die Krebs bei Männern und Frauen verursachen, können sie auch die Therapie deutlich optimieren. (Foto: Flickr/ Bad Haircut by Kevin Stanchfield CC BY 2.0)

US-Forscher haben herausgefunden, warum Männer öfter an einem Gehirn-Tumor erkranken als Frauen. Die Wissenschaftler von der Washington University School of Medicine in St. Louis erkannten, dass das so genannte Retinoblastom-Protein (Rb) in männlichen Hirnzellen deutlich weniger aktiv ist als in den weiblichen. Rb ist ein Tumorsuppressor-Protein. Eigentlich soll es die unkontrollierte Vermehrung der Zellen verhindern. Bei vielen Tumoren ist diese Funktion jedoch gestört.

„Es ist das erste Mal, dass ein geschlechtsspezifischer Unterschied hinsichtlich des Tumorrisikos und der Zelleigenschaften identifziert wurde“, zitiert das Canada Journal den Seniorautor der Studie, Dr. Joshua Rubin. Ihm zufolge würden die Ergebnisse nun nahelegen, noch einmal einen Schritt zurückzugehen und Krebs geschlechtsspezifisch zu erforschen. Denn: Die Unterschiede auf Zellebene könnten nicht nur Einfluss auf das Krebsrisiko, sondern auch auf die Wirksamkeit der Behandlungen haben.

Der Wissenschaft sind zwar bereits zahlreiche Krankheiten bekannt, die entweder mit unterschiedlichen Raten bei Männern und Frauen auftreten oder unterschiedliche Symptome verursachen. Oftmals hängen diese aber mit den unterschiedlichen Sexualhormonen zusammen. Rubin und seine Kollegen wussten jedoch: Die Geschlechtshormone sind nicht für die Unterschiede beim Gehirntumorrisiko verantwortlich. „Bei Männern bleibt das Gehirntumor-Risiko zeitlebens höher. Und das trotz großer altersbezogener Veränderungen in der Produktion von Geschlechtshormonen bei Männern und Frauen“, so der Mediziner. „Würden Geschlechtshormone diesen Effekt verursachen, würden wir große Veränderungen in den relativen Geschwindigkeiten von Gehirntumoren bei Männern und Frauen in der Pubertät sehen. Doch genau das geschieht weder zu dieser Zeit noch später im Leben, wenn die Menopause die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone verändert.“

Rubin und sein Team verwendeten für ihre Versuche Zellmodelle von Glioblastomen, dem häufigsten bösartigen hirneigenen Tumor bei Erwachsenen, um zu beweisen, dass männliche Gehirnzellen einfacher zu Tumoren mutieren. Nach einer Reihe von genetischen Veränderungen und Expositionen des Wachstumsfaktors, wurden männliche Gehirnzellen in der Tat schneller bösartig als weibliche Gehirnzellen.

In ihren Experimenten konzentrierte sich das Team auf drei Gene: Neurofibromin, P53 und RB. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Rb in männlichen Hirnzellen öfter inaktiv waren, als in weiblichen Gehirnzellen. Wenn sie das RB-Protein in weiblichen Hirnzellen deaktivierten, wurden die Zellen ebenfalls empfänglich für Krebs.

Die gesammelten Erkenntnisse haben nach Meinung des Forschers immenses Potential: „Es gibt auch andere Arten von Tumoren, die mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten je nach Geschlecht wachsen, wie zum Beispiel einige Krebserkrankungen der Leber, die bei Männern häufiger auftreten“, so Rubin. „Mehr über die unterschiedlichen Krebsraten bei Männern und Frauen zu wissen, wird uns helfen, grundlegende Mechanismen bei Krebs zu verstehen, wirksamere Therapien zu suchen und informativere klinische Studien durchzuführen.

Aktuell würde das Retinoblastom-Protein bereits in klinischen Tests untersucht. Die Wissenschaftler hoffen, ein Medikament zu finden, das die Anti-Tumor-Wirkung des Proteins auslöst und so hilft, dass Krebspatienten länger überleben.

 

 

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