Lebensmittelverschwendung: Neue App soll Ressourcen schonen und Geld sparen

Die alltägliche Lebensmittelverschwendung kostet die USA rund 165 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Ein App-Entwickler aus New York will diese Summe künftig deutlich schrumpfen lassen. Via Mobiltelefon sollen Händler und Konsumenten schneller zueinander finden und Nahrungsmittel doch noch auf den Tisch statt in den Müll befördern. Eine Idee, die auch in Deutschland äußerst lukrativ wäre.

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In Deutschland entstehen 53 Kilo vermeidbarer Abfälle pro Person und Jahr. (Foto: Flickr/i-Waste by Erich Ferdinand CC BY 2.0)

In Deutschland entstehen 53 Kilo vermeidbarer Abfälle pro Person und Jahr. (Foto: Flickr/i-Waste by Erich Ferdinand CC BY 2.0)

40 Prozent und mehr der gekauften Lebensmittel landen in einigen Industrienationen am Ende wieder auf dem Müll. Auf der anderen Seite gibt es jede Menge Bedürftige, die ihre Familien nur schwer ernähren können. Der in New York ansässige App-Entwickler PareUp will diese Schere mit einer simplen Lösung ein Stück weit schließen. Via App sollen die Abfallberge künftig schrumpfen.

Das Prinzip ist denkbar einfach. Via App sollen die User mit Restaurants und Lebensmittelketten verbunden werden, die ihre überschüssigen Lebensmittel lieber günstig abgeben, statt wegwerfen möchten. Noch Anfang August soll der Online-Marktplatz eröffnet werden. Bereits Anfang September soll die mobile App im Apple Store verfügbar sein, berichtet das Verbraucherportal ozy.com.

Nach Angaben von Mitbegründerin Margaret Tung gehe es bei dieser App darum, die grundsätzliche Denke der Konsumenten zu ändern. Was bedeute es eigentlich, Lebensmittel zu konsumieren und den Lebenszyklus der Nahrung zu begreifen? Die Verbraucher müssten damit aufhören, Lebensmittelreste negativ zu assoziieren. Denn: „Wir werfen viel mehr weg, als eigentlich sein müsste“, so Tung. Untermauert wird diese These mit knallharten Zahlen: Wie das Natural Resources Defense Council 2012 berichtete, werfen die Amerikaner pro Jahr gut 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Wert von 165 Milliarden US-Dollar in den Müll.

Zusammen mit Jason Chen und Anuj Jhunjhunwala hat Tung sich nun ein echtes Win-Win-System überlegt, von dem Unternehmen und Kunden gleichermaßen profitieren. Mit Hilfe der App können Einzelhändler ihr Lebensmittelsortiment präsentieren und überschüssige Produkte samt Preis und Abholungstermin anzeigen. Auf diesem Weg können die Inhaber Einnahmen generieren, die ihnen sonst entgangen wären, weil die Ware etwa aufgrund diverser Bestimmungen nicht für eine Spende in Frage gekommen wäre. Auf der anderen Seite profitieren die Verbraucher von extrem günstigen Preisen und zusätzlichen Rabatt-Aktionen. PareUp selbst verdient ebenfalls mit. Zwar ist die App kostenlos, es fällt jedoch eine kleine Gebühr je Transaktion an.

Noch ist die Idee nur für New York City umgesetzt. Doch eine Erweiterung ist auf jeden Fall geplant und die nächsten Ziele Chicago, Los Angeles und Washington D.C. bereits anvisiert. Auch im Ausland hätten Einzelhändler bereits Interesse bekundet. So habe es schon Anfragen aus London, Sydney und Toronto gegeben.

Auch Deutschland könnte von einer solchen App profitieren. Wie das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2012 bekannt gab, werden jährlich knapp elf Millionen Tonnen Lebensmitteln jedes Jahr von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaushalten entsorgt. Hierzu heißt es:

„Das Wegwerfen von Lebensmitteln schadet nicht nur der Umwelt und verbraucht wertvolle Ressourcen – es kostet auch bares Geld: 47 Prozent der Lebensmittelabfälle in deutschen Haushalten wären vermeidbar, weitere 18 Prozent teilweise vermeidbar: Zusammengenommen sind das etwa 53 Kilo vermeidbarer Abfälle pro Person und Jahr oder Waren im Wert von 235 Euro, die in der Tonne landen. Bei einem Vier-Personen-Haushalt summiert sich der Betrag pro Jahr auf rund 940 Euro, auf Deutschland um gerechnet sind es bis zu 21,6 Milliarden Euro pro Jahr, die die alltägliche, vermeidbare Verschwendung kostet.“

Den Hauptanteil der vermeidbaren und teilweise vermeidbaren Lebensmittelabfälle machen hierzulande demnach übrigns Gemüse (26 Prozent) und Obst (18 Prozent)aus, gefolgt von Backwaren (15 Prozent) und Speiseresten (12 Prozent).

Auf der anderen Seite warnt die UN: Weltweit muss die Nahrungsmittelproduktion bis Mitte des Jahrhunderts um 60 Prozent gesteigert werden. Anderenfalls komme es zu einer Verknappung der Lebensmittel. Die Folgen wären soziale Unruhen und weltweite Bürgerkriege. Besonders dramatisch sei die Situation in Asien, so die UN (mehr hier). Ein Investor geht sogar noch weiter. Er sagt : „Der weltweite Kampf um Lebensmittel hat bereits begonnen“ (mehr hier).

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