Alzheimer: Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Demenz entdeckt

Ältere Menschen mit Vitamin-D-Mangel sind offenbar einer höheren Gefahr ausgesetzt, an Demenz zu erkranken. US-Forscher konnten in einer aktuellen Studie ein um bis zu 125 Prozent gesteigertes Risiko nachweisen. Unklar ist bislang jedoch, ob und wie ein entsprechender Ausgleich durch eine bewusste Ernährung dem Einhalt gebieten kann.

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Probanden mit einem Vitamin-D-Mangel hatten ein um 125 Prozent höheres Risiko an Demenz zu erkranken. (Foto: Flickr/ My mother by Vince Alongi CC BY 2.0)

Probanden mit einem Vitamin-D-Mangel hatten ein um 125 Prozent höheres Risiko an Demenz zu erkranken. (Foto: Flickr/ My mother by Vince Alongi CC BY 2.0)

Das Forscherteam um David J. Llewellyn von der University of Exeter Medical School in Minneapolis überraschte mit seinen Erkenntnissen die Fachwelt. Zwar rechneten die Wissenschaftler mit einem Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und dem Risiko, an Demenz und Alzheimer zu erkranken. Niemand ging jedoch davon aus, dass er so eklatant ausfallen könnte.

Die Forscher untersuchten insgesamt 1.658 Personen im Alter von 65 Jahren oder älter, die an der „Cardiovascular Health Study“ teilgenommen hatten. Sie kamen zu dem Schluss: Je weniger Vitamin-D die Testpersonen im Blut hatten, desto höher war am Ende auch ihr Risiko, an Demenz zu erkranken. Die Resultate ihrer Arbeit veröffentlichten sie nun im Fachblatt „Medical Journal of the American Academy of Neurology“.

Allesamt waren die Probanden zu Beginn der Untersuchungen frei von Demenz, hatten keine Herz-Kreislauf-Krankheiten und keinen Schlaganfall erlitten. Llewellyn und seine Kollegen maßen zunächst den Vitamin-D-Spiegel im Blut. Gut 5,6 Jahre später wurden die Teilnehmer erneut von Psychologen und Neurologen untersucht. Das Ergebnis: In der Zwischenzeit hatten 171 Personen eine Demenz entwickelt. 102 von ihnen waren mittlerweile an Alzheimer erkrankt. Die Wissenschaftler stellten fest, dass das Risiko, an Demenz zu erkranken, bei Studienteilnehmern mit einem niedrigen Vitamin-D-Wert bei ganzen 53 Prozent lag. Litten die Probanden gar an einem Vitamin-D-Mangel, war das Risiko um satte 125 Prozent erhöht.

Ähnliche Ergebnisse stellten die US-Wissenschaftler auch im Fall von Alzheimer fest. Teilnehmer mit niedrigen VitaminD-Spiegel hatten ein um 70 Prozent erhöhtes Risiko eine Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln. Patienten mit schwerem Mangel hatten ein um 120 Prozent erhöhtes Risiko. Damit fielen die Zusammenhänge doppelt so hoch aus, wie ursprünglich erwartet. Die Ergebnisse blieben überdies bestehen, wenn die Forscher andere Faktoren wie Alkoholkonsum, Rauchen und Bildung, die das Risiko der Entwicklung von Demenz beeinflussen könnten, herausrechneten.

Dies ist das erste Mal, dass eine Untersuchung in einem solchen Umfang geschehen ist, und wir sind sehr überrascht, dass die Ergebnisse so immens sind“, so Mit-Autor Dr. Iain Lang im Gespräch mit der BBC. „Ich glaube nicht, das dies der Schlüssel ist, um Demenz zu verstehen, aber es ist ein wirklich wichtiger Schritt, um herauszufinden, was hier im Gange sein könnte.“ Das unterstreicht auch Studienleiter Llewellyn. Er stellt klar, dass die Ergebnisse nicht zeigen, dass ein niedriger VitaminD-Spiegel Demenz verursacht. Hierzu seien weitere, klinische Studien nötig.

Entsprechend bleiben auch die Forschungen an dieser Stelle nicht stehen. Noch ist nämlich nicht geklärt, ob es auch auf die Art und Weise ankommt, wie der Vitamin-D-Mangel ausgeglichen wird. Reicht eine bewusstere Ernährung etwa mit mehr Eiern, Milch, Käse oder bestimmten Fischsorten? Oder sind einschlägige Tabletten oder Pulver die erste Wahl? Haben diese überhaupt Einfluss auf den Ausbruch einer Erkrankung?

Erst vor kurzem wurde bekannt, dass auch eine Verbindung zwischen Cholesterin und Alzheimer besteht. Forscher fanden heraus: Patienten mit höheren Cholesterin-Levels weisen auch stärkere Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid auf, das als Auslöser der Alzheimer-Demenz gilt. Die Anpassung des Cholesterin-Spiegels könnte ein Mittel im Kampf gegen Alzheimer werden, so ihre Schlussfolgerung (mehr hier).

Die fraglichen Protein-Ablagerungen sind bei Gehirn-Scans übrigens schon sehr früh zu erkennen. Australische Wissenschaftler stellten fest, dass es etwa 20 Jahre dauert, bis diese die Krankheit auslösen. Die Erkenntnisse legen nahe, dass Ärzte viel Zeit haben, um die Proteinablagerungen im Gehirn zu verlangsamen oder ihnen sogar entgegenzuwirken (mehr hier).

Demenz wird in der Wissenschaft als Sammelbegriff verwendet, um Probleme zu beschreiben, die Menschen mit dem Gedächtnis, der Sprache und dem Denken bei verschiedenen Hirnerkrankungen haben. Die Alzheimer-Demenz ist hier die bekannteste und häufigste Erkrankung.

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