Effiziente Diagnose: Bereits eine Frage kann Narzissmus nachweisen

Statt eines umfangreichen Psychotests soll jetzt nur noch eine einzige Frage nötig sein, um einen Narzissten zu entlarven. US-Forscher fanden heraus, dass die direkte Ansprache auf die überzogene Selbstliebe der einfachste Weg ist, um zum Ergebnis zu gelangen. Der Grund: Betroffene geben Narzissmus unumwunden zu, denn für sie stellt er kein Problem dar.

Ihren XING-Kontakten zeigen
Narzisten sind stolz auf ihre Eingeschaften und kommunizieren das auch gerne nach außen. (Foto: Flickr/ Selfie by Sarah Van Quickelberge CC BY 2.0)

Narzisten sind stolz auf ihre Eingeschaften und kommunizieren das auch gerne nach außen. (Foto: Flickr/ Selfie by Sarah Van Quickelberge CC BY 2.0)

Geht es nach einem US-amerikanischen Forscherteam können sich Therapeuten einen ausführlichen Fragenkatalog künftig sparen und ihre Erst-Einschätzung wesentlich effizienter gestalten. Die Wissenschaftler untersuchten eine Gruppe mit mehr als 2.200 Teilnehmern aller Altersgruppen zum Thema Narzissmus und fanden heraus: Die unverblümte Ansprache führt genauso zum Ziel, wie ein umfangreicher Test.

Das Team um Brad Bushman von der Ohio State University führte insgesamt elf Experimente durch. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie nun in der Fachzeitschrift PLoS One. Ihre Untersuchungen ergaben, dass sie narzistische Eigenschaften zuverlässig anhand einer einzigen Frage nachweisen konnten. Diese lautet: „Wie sehr stimmen Sie der Aussage zu: Ich bin ein Narzisst?“

Als narzistisch wurde von den Wissenschaftlern ein egoistisches, selbstbezogenes und eitles Verhalten betrachtet. Die Probanden wurden im Rahmen des so genannten Single Item Narcissism Scale (SINS) gebeten, ihre Selbsteinschätzung auf der Basis einer Skala von 1 („das trifft nicht auf mich zu) bis 7 (das trifft völlig auf mich zu“) abzugeben. Zur Überraschung der Forscher funktionierte ihr Ein-Fragen-Test genauso gut, wie der bislang gängige Narcissistic Personality Inventory (NPI), der ganze 40 Fragen umfasst, berichtet Science World Report.

Die Forscher betonen jedoch: Ein Ersatz für ausführliche Tests stellt der SINS nicht dar. Allenfalls sei er eine sinnvolle Ergänzung zu weiterführenden Untersuchungen, die umfassende Informationen über die Personen liefern. Gerade in längeren Erhebungen, die die Befragten langweilten, könnte der SINS äußerst nützlich sein. Immerhin würde der Ein-Frage-Test gerade einmal 20 Sekunden, die Version mit 40 Fragen mehr als 13 Minuten in Anspruch nehmen.

Für Brad Bushman liegt die Erklärung für dieses Ergebnis übrigens auf der Hand. Narzissten würden ihre Wesenszüge selbst nicht als negativ einschätzen. Sie seien sogar stolz darauf und würden das auch kommunizieren wollen.

Unproblematisch macht es die Sache nach Einschätzung des Professors für Kommunikation und Psychologie und seiner Kollegen damit allerdings nicht. Narzissmus könne sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft gefährlich werden. Diejenigen, die denken, sie sind bereits großartig versuchen nicht, sich zu verbessern, so Bushman im Gespräch mit Medical News Today. Menschen, die nur an sich und ihre eigenen Interessen denken würden, seien zudem wenig hilfreich für andere. Das sieht auch Sara Konrath von der University of Michigan in Ann Arbor so. Narzisstische Persönlichkeiten haben zum Beispiel wenig Empathie. Doch Empathie ist einer der wichtigsten Motivatoren für philanthropisches Verhalten, etwa Geld oder Zeit für Organisationen zu spenden“, so die Co-Autorin.

Auf der Internetseite der Universität von Indiana kann der Test online nachvollzogen werden.

 

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*