Studie: Körperliche Fitness kann Teenager vor Depressionen schützen

Wer den Körper in jungen Jahren fit hält, kann so offenbar dazu beitragen, Depressionen vorzubeugen. US-Forscher haben in einer Studie unter mehreren Hundert Sechstklässlern herausgefunden, dass sich die körperliche Fitness positiv auf das spätere mentale Befinden der Teenager auswirkt. Vor allem bei Mädchen sei der Effekt deutlich beobachtbar gewesen.

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Noch sind die Zusammenhänge zwischen Fitness und Depression nicht abschließend geklärt. Zuträglich scheint Sport dem mentalen Befinden aber auf jeden Fall. (Foto: Flickr/ Golden girl by Ernst Moeksis CC BY 2.0)

Noch sind die Zusammenhänge zwischen Fitness und Depression nicht abschließend geklärt. Zuträglich scheint Sport dem mentalen Befinden aber auf jeden Fall. (Foto: Flickr/ Golden girl by Ernst Moeksis CC BY 2.0)

Forscher von der University of North Texas führten eine Umfrage unter insgesamt 437 Schülern aus sechs Mittelschulen im Metropolitan County in North Texas durch. 55 Prozent der Befragten waren Mädchen. Die Untersuchung ergab: Körperlich fitte Sechstklässler liefen auch in der siebten Jahrgangsstufe seltener Gefahr, depressiv zu werden. Sie stellen jedoch klar: Ein Allheilmittel gegen Depressionen ist Sport nicht.

Im Rahmen der Befragung wurden die Teenager gebeten, Fragen zu Symptomen von Depressionen und Fitness zu beantworten. Darüber hinaus wurden alle Kandidaten gewogen und mussten sich einem kurzen Fitness-Test unterziehen. „Das Aktivitätsniveau von Schülern kann sich von Woche zu Woche ändern. Fitness ist jedoch das Ergebnis längerer, körperlicher Aktivität“, zitiert das Fachblatt Science World Report Dr. Camilo Ruggero von der University of North Texas. Um den Grad der körperlichen Fitness der Schüler einschätzen und ein vollständiges Bild erhalten zu können, beurteilte sein Team also nicht nur das Ergebnis des kurzen Tests, sondern bezog auch den Body-Mass-Index (BMI) sowie die eigene Einschätzung der Schüler über ihren Fitness-Zustand mit ein.

Die Wissenschaftler stellten fest: 28 Prozent der Mädchen in der sechsten Klasse und 29 Prozent in der siebten Jahrgangsstufe zeigten vermehrte Symptome einer Depression. Unter den Jungen traf das auf 22 Prozent in der siebten und 19 Prozent in der achten Klasse zu. Sowohl bei den betroffenen Mädchen als auch den Jungen lagen schon in der Jahrgangsstufe zuvor entsprechende Symptome vor.

Die Forscher fanden heraus: Die Fitness war vor allem bei den Mädchen ein Schüsselfaktor, um auch später mental gesund zu bleiben. Denn genau jene, die in der sechsten Klasse gut beim Herz-KreislaufAtem Fitness-Tests abgeschnitten hatten, fühlten sich auch später gesund. Ein kleinerer, aber ähnlicher Effekt wurde auch bei den Jungen beobachtet.

Wir wissen nicht genau, warum es eine Verbindung [zwischen Fitness und Depressionen] gibt, aber es sind wahrscheinlich eine Reihe von Faktoren“, zitiert HealthDay Reporter den Studienleiter. Seiner Einschätzung nach könnte es sein, dass das damit verbundene Selbstwertgefühl, ein gesünderes Gewicht oder mehr positive Verstärkungen, die mit der körperlichen Aktivität einhergingen, zusammenhingen. Auch die biologische Komponente sei nicht zu verachten. Die Forschunge kenne bereits bestimmte Proteine ​​und Hormone, die mit der Krankheit und dem Sport zu tun hätten.

Obendrein gebe es Hinweise darauf, dass gerade bei Frauen Depressionen und der BMI zusammenhängen könnten. Gerade in der Mittelschule reduziere sich die körperliche Aktivität und in der Folgen nehmen nicht nur das Gewicht, sondern auch Depressionen zu. Auch Depressionen können dem Wissenschaftler zufolge dazu führen, dass die sportlichen Aktivitäten abnähmen. Eine Rolle spielen könnten hier jedoch auch andere Faktoren. Offenbar leiden Frauen sowohl in der Jugend als auch im Erwachsenenalter häufiger als Männer an Depressionen in Zusammenhang mit ihrem Gewicht.

„Depressionen, die in diesem Alter beginnen, können zu chronischen oder wiederkehrenden Depressionen in späteren Jahren führen“, so der Psychologe weiter. Fitness sei seines Erachtens also ein Weg, um Depressionen in dieser Zeit zu bekämpfen. Daneben sollten jedoch auch die Schulen selbst aktiv werden und zum Beispiel Einzel- oder Gruppen-Therapien anbieten, um die Symptom-Behandlung bei depressiven Jugendlichen direkt anzugehen.

Kritiker der Studie weisen jedoch darauf hin, dass es sich hierbei nur um vorläufige Ergebnisse handelt, so Daily Digest News. Noch seien die Kausalitäten nicht abschließend geklärt. Demnach bedeute eine zunehmende Fitness nicht unbedingt, dass sich auch die psychische Gesundheit einer Person verbessere. Dass sportliche Aktivitäten jedoch einen positiven Einfluss auf das mentale Befinden habe, hätte sich bereits gezeigt. Die Forscher glauben, dass das mit der Freisetzung von Endorphinen im Gehirn bei körperlicher Aktivität zusammenhängt. So helfen Endorphine die Wahrnehmung von Schmerz zu verringern und versetzen die Person in eine euphorische Stimmung. Belegt hat das unter anderem der deutsche Wissenschaftler Professor Dr. Henning Boecker.

Unabhängig davon, ob Fitness nun direkt mit der psychischen Gesundheit zusammenhänge oder nicht, seien sich die Fachleute einig, dass mit der körperlichen Fitness ein wichtiges Ziel angestrebt werde, berichtet das Blatt weiter. Dies gelte insbesondere für Kinder, da sich früh eingeübte Gewohnheiten oft bis ins Erwachsenenalter hielten, ebenso wie Übergewicht.

Die Studie aus Texas wurde auf der 122. Jahrestagung der American Psychological Association vorgestellt.

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