Kauen für die Waage: 100 Bissen täglich sollen Gewichtsverlust vorantreiben

US-Forscher haben jetzt die vermeintlich optimale Anzahl an Bissen ermittelt, die sowohl der Gewichtsreduktion als auch der Gesundheit am förderlichsten sein soll. Sie empfehlen 100 Mal kauen pro Tag. Die Geschäftswelt hat solche Ratschläge bereits für sich entdeckt und wirft entsprechende Produkte auf den Markt.

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Das intensive Kauen bewirkt gleich mehrere positive Prozesse. Welche Menge jedoch optimal ist, darüber scheiden sich die Geister. (Foto: Flickr/ Eating. by Britt Selvitelle CC BY 2.0)

Das intensive Kauen bewirkt gleich mehrere positive Prozesse. Welche Menge jedoch optimal ist, darüber scheiden sich die Geister. (Foto: Flickr/ Eating. by Britt Selvitelle CC BY 2.0)

Forscher von der Clemson University in South Carolina sind überzeugt, mit 100 Mal kauen pro Tag die optimale Anzahl an Bissen entdeckt zu haben, die Männer und Frauen beim Gewichtsverlust unterstützen soll. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler im so genannten Biss-Monitor eingesetzt. Das Gerät wird wie eine Armbanduhr am Handgelenk getragen. Schon in Kürze soll das Konzept in einer Studie des National Institutes of Health getestet werden. Bis zum kommerziellen Produkt soll dann etwa ein Jahr vergehen. Der voraussichtliche Preis: Stolze 195 US-Dollar.

Um die optimale Zahl an Bissen zu ermitteln, untersuchten die Wissenschaftler das Kauverhalten von 77 Personen über zwei Wochen hinweg. Dann berechneten sie die durchschnittliche Anzahl der Kalorien pro Bissen. Für Männer kamen sie auf 17 für und auf elf für Frauen. 100 Bissen wären also 1700 Kalorien für die Herren und 1100 Kalorien für die Damen. Diese Werte entsprechen einer kalorienarmen Diät nach den National Institutes of Health-Standards. Der Verbrauch von Kalorien pro Bissen war stets der gleiche, unabhängig davon, ob die Teilnehmer übergewichtig waren oder nicht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie vor einigen Monaten im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics.

Eric Muth, Professor für Psychologie an der Clemson, bezeichnet das Gerät am Handgelenk als eine Art „Schrittzähler für den Mund“. Entwickelt hat er es gemeinsam mit Adam Hoover, einem ComputerEngineering-Professor. Der Biss Monitor misst die subtilen Bewegungen des Handgelenks. Den Erfindern zufolge ergibt sich daraus eine Genauigkeit von gut 90 Prozent.

Wissenschaftlich in Augenschein genommen wurden ihre Empfehlungen bereits im vergangenen Jahr in einer Pilotstudie an der Clemson University. Damals schien sich bereits zu bestätigen, dass das Zählen der Bisse den Menschen geholfen hatte, mehr Gewicht zu verlieren als andere, die nicht wussten, wie viel sie kauten. Obwohl der Unterschied bei der Gewichtsabnahme zwischen den beiden Gruppen nicht besonders signifikant war, würden die Ergebnisse nun weitere Forschungen rechtfertigen, so Dr. Muth. Jetzt soll mit Hilfe der  National Institutes of Health weiter am Thema gearbeitet und die tatsächliche Wirkung der 100-Bissen-Theorie erforscht werden.

Einen anderen Weg zur Gewichtskontrolle empfehlen übrigens die Schweden. Das in Stockholm anässige Gesundheitsunternehmen Mando Group AB hat bereits einen intelligenten Teller entwickelt. Der so genannte Mandometer misst, wie schnell eine Person isst und ermittelt das Sättigungs- bzw. Völlegefühl. Eine neue Version dieses Produkts soll bereits im Herbst für 250 US-Dollar auf den Markt kommen. Im Handel zu finden ist auch die so genannte HAPIfork. Die interaktive Gabel misst, wie schnell ihr Benutzer isst. Das Ziel der Macher: Die Verbraucher sollen insgesamt bewusster essen und Gewicht verlieren. Für sie werden derzeit rund 100 US-Dollar fällig.

Warum die Entwickler mit ihren Geräten gar nicht so falsch liegen, erklärt der Endokrinologe und Adipositas-Experte Michael Jensen von der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota, im Gespräch mit dem Wall Street Journal wie folgt: „Wenn Sie zu schnell essen, werden Sie wahrscheinlich auch nicht gut genug kauen und ihr Essen auch nicht wirklich genießen. Das führt dazu, dass Sie wahrscheinlich zu viel essen.“ Seine Meinung gilt mittlerweile als Konsens. Die Menschen zu ermutigen, langsamer zu essen, kleinere Bissen zu sich zu nehmen und jeden Bissen ordentlich zu kauen, gilt als wichtiger Bestandteil der Gewichtskontrolle. Das langsame Essen bietet zudem weitere Vorteile: Es gilt als schonender für die Verdauung, vermindert Probleme wie saurer Reflux und sorgt für eine bessere Nährstoffaufnahme.

Die Forschung misst dem Kauen mittlerweile insgesamt eine stärkere Bedeutung zu. Bereits im Jahr 2011 wies eine Studie chinesischer Forscher darauf hin, dass Personen, die ihr Essen 40 Mal kauten, weniger Kalorien aufnahmen und einen niedrigeren Spiegel des Appetit-Stimulator-Hormons Ghrelin aufwiesen.

Doch welche Anzahl nun tatsächlich die richtige Biss-Menge ist, daran scheiden sich derzeit noch die Geister. Die Empfehlungen reichen von zehn bis hin zu 20 Mal kauen pro Happen, der in den Mund wandert. Auch das, was man zu sich nehme sei entscheidend, so ein nicht selten vorgebrachter Einwand.

Dr. Muth räumt ebenfalls ein, dass die Empfehlung nicht für Jedermann funktioniere. Immerhin sei die Technik jedoch leicht anzuwenden. Es sei sehr einfach zu verstehen und bewirke vielleicht, dass der ein oder andere Teller früher beiseite geschoben werde.

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