Tinnitus-Prävention: Frauen profitieren von erhöhtem Kaffee-Konsum

Kanadische Forscher haben herausgefunden, dass mehrere Tassen Kaffee pro Tag offenbar die Entwicklung eines Tinnitus bei Frauen verhindern könnten. Noch sind die Wissenschaftler dem Phänomen nicht vollständig auf die Spur gekommen. Bekannt ist aber bereits, dass das Koffein in der Tat eine direkte Wirkung auf das Innenohr hat.

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Hoher Kaffeekonsum ist ein zweischneidiges Schwert. Die Vor- und Nachteile müssen individuell abgewogen werden. (Foto: Flickr/ cup_cup_cup by Marina CC BY 2.0)

Hoher Kaffeekonsum ist ein zweischneidiges Schwert. Die Vor- und Nachteile müssen individuell abgewogen werden. (Foto: Flickr/ cup_cup_cup by Marina CC BY 2.0)

Forscher um den HNO-Spezialisten Jordan Glicksman von der University of Western Ontario im kanadischen London haben sich in einer aktuellen Untersuchung mit dem Volksleiden Tinnitus befasst. Sie stellten fest: Das zermürbende Rauschen und Klingeln in den Ohren lässt sich offenbar mit einer für viele alltäglichen Gewohnheit vorbeugen – Kaffeetrinken. Ob hier aber tatsächlich ein kausaler und nicht nur ein statistischer Zusammenhang vorliegt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Im Rahmen einer Langzeitstudie untersuchte das Team mehr als 65.000 gesunde Frauen zwischen 30 und 44 Jahren über einen Zeitraum von 18 Jahren. Dabei trat ein erstaunlicher Zusammenhang auf: Je mehr Koffein konsumiert wurde, desto weniger wurde auch Tinnitus diagnostiziert. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie kürzlich im American Journal of Medicine.

Insgesamt hatten es die Wissenschaftler nach fast 20 Jahren mit 5.289 Fällen von Tinnitus aurium zu tun. Ihre Analyse ergab, dass die Aufnahme von 450 bis 599 Milligramm Koffein pro Tag, also etwa fünf Tassen Kaffee, das Risiko für die Krankheit um 15 Prozent senkte. Nahmen die Frauen mehr als 600 Milligramm zu sich, reduzierten sie das Risiko für eine Tinnitus-Erkrankung gar um 21 Prozent. Verglichen wurden die Daten jeweils mit Damen, die weniger als 150 Milligramm Koffein pro Tag zu sich nahmen, also täglich weniger als ein eineinhalb Tassen Kaffee tranken. Koffeinfreier Kaffee zeigte im Umkehrschluss keinerlei Effekte.

Die Ergebnisse der Forscher sind jedoch vage. Eine wissenschaftliche Erklärung, welche Mechanismen hier zugrunde liegen, liefern sie nicht. Auch auf die Frage, ob ein gesteigerter Kaffeekonsum bei einer bereits bestehenden Tinnitus-Erkrankung hilft, liefern sie keine Antwort. „Der Grund für diesen beobachteten Zusammenhang ist unklar“, so Co-Autor Dr. Gary Curhan vom Brigham and Women’s Hospital (BWH) in Boston und Professor an der medizinischen Fakultät von Harvard in einer offiziellen Erklärung zu den Untersuchungsergebnissen. „Wir wissen, dass Koffein das zentrale Nervensystem stimuliert und die bisherige Forschung hat gezeigt, dass Koffein eine direkte Wirkung auf das Innenohr hat (…).“ Um Empfehlungen aussprechen zu können, ob Koffein auch gegen bestehende Tinnitus-Symptome helfe, bedürfe es weiterer Studien.

Statt vorschnell öfter als bisher zur Kaffeetasse zu greifen, sollten Verbraucher aber auch mögliche Risiken eines zu hohen Konsums im Blick haben. So weisen aktuelle  Studien darauf hin, dass übermäßige Kaffeetrinker Entzugserscheinungen wie Unruhe und Angst erleben können, wenn sie nicht ihre gewohnten Mengen erhalten. Auch Psychosen, Osteoporose und Muskelkrämpfe könnten den Forschern zufolge auftreten. Die negativen Wirkungen von Koffein werden oft nicht als solche erkannt, weil es eine sozial verträgliche und häufig konsumierte Droge ist, die gut in unsere Sitten und Routinen integriert ist“, zitiert die National Post Laura Juliano. Die Professorin an der American University hat sich ausgiebig mit dem Phänomen befasst. Sie warnt: Während viele Leute Koffein ohne Schäden konsumieren könnten, führe es bei anderen zu physischen Abhängigkeiten, die das tägliche Leben beeinflussten.

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