Hype vorbei: Smartphone-Besitzer wollen keine neuen Apps

Der Markt für mobile Anwendungssoftware hat offenbar seinen Zenit überschritten. Eine internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat ermittelt, dass fast ein Drittel der britischen Smartphone-Besitzer in einem durchschnittlichen Monat keine Apps heruntergeladen haben. Wer nicht zu den Top-Anbietern gehört, kann in dieser Branche nichts mehr verdienen.

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Smartphone-User sind offenbar eher konservativ. Gefällt eine App, besteht kaum eine Veranlassung, sich weiter umzusehen. (Foto: Flickr/ 09_2013_47 by Highways Agency CC BY 2.0)

Smartphone-User sind offenbar eher konservativ. Gefällt eine App, besteht kaum eine Veranlassung, sich weiter umzusehen. (Foto: Flickr/ 09_2013_47 by Highways Agency CC BY 2.0)

Wie Deloitte mitteilt, sei die durchschnittliche Anzahl an monatlich heruntergeladenen Apps im Jahr 2014 deutlich gesunken. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Smartphone-Besitzern in Großbritannien. Sowohl in Europa als auch den USA ist der Markt mittlerweile gesättigt. Haben die Anwender gute Apps, verspüren sie wenig Lust, nach neuen Produkten Ausschau zu halten.

Neun von zehn Befragten gaben im Rahmen der Deloitte-Untersuchung sogar an, noch nie Geld für Smartphone-Apps oder andere Inhalte ausgegeben zu haben. Für die Fachleute ist das Gebaren der Handy-Besitzer ein Warnsignal: „In Großbritannien erreichen wir gerade eine Grenze im Volumen von App-Store-Downloads“, zitiert die Financial Times den Deloitte-Analysten Paul Lee.

Lee zufolge bedeuten die Ergebnisse von Deloitte aber nicht, dass die Größe des App-Marktes schrumpfe. Denn gleichzeitig gäbe es eine wachsende Anzahl an Gelegenheitsnutzern, die weniger Apps in einem größeren Smartphone-Markt in Anspruch nehmen würden. Insgesamt betrage die Zahl der Smartphone-Nutzer, die keine Apps downloaden derzeit 31 Prozent. Im Jahr zuvor lag ihr Anteil noch bei weniger als einem Fünftel. Diejenigen Nutzer, die herunterladen, hätten im Mittel Interesse an 1,82 Apps. Im Vorjahr seien es noch 2,32 gewesen. Die Smartphone-Besitzer hätten entweder aus Apathie oder aus Gründen der Bezahlbarkeit weniger Lust Apps herunterzuladen, so der Fachmann. Viele Handy-Nutzer seien zudem bereits mit den primären Anwendungen ausgestattet. Das Ganze berge ihm zufolge eine gewisse Ironie: „Je besser die App, desto länger werden die Leute sie auch nutzen und desto weniger sind sie auch geneigt, nach neuen zu suchen.

Der Trend auf der Insel erscheint maßgebend. Die Briten gehören zu den so genannten Early Adopters von Smartphones. Gleichzeitig ist das Land Standort vieler internationaler Top-Entwickler. Ähnlich verhält es sich aber auch in Deutschland. Wie Statista Anfang dieses Jahres bekannt gab, würden hierzulande gut 40 Millionen Menschen ein Smartphone nutzen. Allerdings würden die User nur auf einen Bruchteil der Funktionen zurückgreifen. Demnach hätten 20 Prozent aller deutschen Smartphone-Nutzer noch nie eine App heruntergeladen. Es stellt sich also die Frage, wie groß und vor allem wie profitabel der Markt für Spiele-Entwickler und andere Hersteller mobiler Medien überhaupt noch ist.

Ein aktuelles Beispiel für den Einbruch einer Erfolgsstory ist King Digital Entertainment: Erst in der vergangenen Woche hat die Spielefirma seine Quartalszahlen veröffentlicht. Dabei zeigte sich, dass das Interesse der User am beliebten Handy-Spiel Candy Crush Saga schneller als erwartet zurückgegangen war. Der Ausblick auf das Jahr 2014 wurde entsprechend pessimistischer, da die Entwicklung nicht durch andere Produkte abgefangen werden kann. Die Papiere des britisch-schwedischen Unternehmens gingen darauf hin auf Talfahrt und rutschten um 22 Prozent ab, wie Sky News berichtete.

Große Unternehmen wie Google und Apple halten jedoch dagegen. Sie gehören zum kleinen Kreis der Software-und Internetgiganten, die auf dem App-Markt Gewinne abschöpfen. Laut einer Studie des Marktforschers Vision Mobile aus dem Sommer 2013 könnten die Anbieter von Apps für Smartphones und Tablets in der EU in diesem Jahr sogar bis zu 12,4 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Großen brüsten sich: So will allein Apple eigenen Angaben zufolge bislang 629.000 Stellen in Europa geschaffen haben.

Für unabhängige Entwickler weltweit können sie allerdings nicht sprechen. Diese haben zunehmend Schwierigkeiten im Umfeld von Millionen von Anwendungen, auf ihre Innovationen aufmerksam zu machen. In den Anfangstagen hatten zwar weniger Menschen ein Smartphone doch für die Apps war es leichter, entdeckt zu werden, so Stuart Hall, Gründer von Appbot, einem App-Analysedienst, und Schöpfer von mehreren Apps, zur Financial Times. Mittlerweile sei der Markt für unabhängige Entwickler um einiges härter geworden. Die meisten Apps gebe es heutzutage umsonst. Das bestätigt auch Ouriel Ohayon vom mobilen Werbetechnologie-Unternehmen Appsfire. Gehöre man nicht zu den auserkorenen 200 bis 300 Top-Apps, sei es ziemlich schwer Geld damit zu verdienen.

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