Selbstheilungskräfte: Zahnärzte sollen künftig ohne Bohrer auskommen

Britische Forscher haben eine schmerzfreie Art der Zahn-Behandlung bei Karies entwickelt. Statt wie sonst üblich, auf Spritze, Bohrer und Füllung zurückzugreifen, setzen sie auf eine sanfte Therapie durch Remineralisierung. Die Aussicht auf eine Selbstheilung des Zahnes dürfte vor allem Angst-Patienten neuen Mut machen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
Geht es nach britischen Forschern, gehören schmerzhafte Prozeduren beim Zahnarzt bald der Vergangenheit an. (Foto: Flickr/ dentist by ^@^ina (Irina Patrascu) CC BY 2.0)

Geht es nach britischen Forschern, gehören schmerzhafte Prozeduren beim Zahnarzt bald der Vergangenheit an. (Foto: Flickr/ dentist by ^@^ina (Irina Patrascu) CC BY 2.0)

Die Wissenschaftler am King’s College in London setzen bei ihrer neuen Selbstheilungsmethode auf geringe Mengen Strom. Diese ist für den Patienten nicht spürbar. Wird sie jedoch in den Zahn eingebracht, soll sie dort den von Karies befallenen Zahn durch Remineralisierung heilen. Noch wird die alternative Therapie erprobt. Die Mediziner rechnen mit einer Marktreife in drei Jahren.

Das Team um Professor Nigel Pitts bezeichnet die von ihnen entwickelte Methode als „Electrically Accelerated and Enhanced Remineralisation“ (EAER). Warum Zahnärzte diese schon bald einsetzen sollten, liegt für den Mediziner auf der Hand:  „Die Art, wie wir Zähne heute behandeln, ist nicht ideal. Wenn wir die Zähne reparieren, indem sie eine Füllung erhalten, beginnt für den betroffenen Zahn ein Kreislauf aus Bohren und Wiederbefüllen, da letztlich jedes ‚Reparieren‘ fehlschlägt“, so der Wissenschaftler in einer Mitteilung des King’s College. Die nun entwickelte Behandlungsart sei nicht nur sanfter für die Patienten und besser für die Zähne, sie werde obendrein mindestens so kostengünstig wie die jetzigen Zahnbehandlungen sein.  Zudem halte die Therapie mit Strom ein weiteres Behandlungsspektrum bereit. So könne man sie auch verwenden, um die Zähne aufzuhellen.

Die im Volksmund als Zahnfäule bezeichnete Krankheit tritt auf, wenn der Zahnschmelz entmineralisiert. In mehreren Stufen, beginnend als mikroskopischer Defekt, bei dem Mineralien den Zahn auslaugen, entstehen kariöse Läsionen und am Ende sogar Löcher. Mit 2,3 Milliarden Betroffenen pro Jahr ist Karies eine der häufigsten vermeidbaren Krankheiten weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass sogar 60 bis 90 Prozent der Schulkinder und fast 100 Prozent der Erwachsenen weltweit Karies haben. Statt auf das übliche, unangenehme Prozedere zurückzugreifen, soll dieser Prozess nun also auf natürlichem Weg umgekehrt werden. Der Strom soll die sonst Wochen dauernde Remineralisierung im Zahn tiefer und schneller vorantreiben.

Vorgegangen wird dabei in zwei Schritten. Zunächst wird der beschädigte Zahnschmelz präpariert und dann mit einem kleinen elektrischen Impuls Kalzium- und Phosphat-Mineralien in die entsprechende Stelle eingebracht. Dadurch, so heißt es, werde der Austausch von Mineralien beschleunigt und der natürliche Regenerationsprozess eingeleitet.

Neu ist der Ansatz übrigens nicht. Pitts zufolge sei die Remineralisierung schon seit den 1980er Jahren im Gespräch. Bislang sei es aber schwer gewesen, einen gangbaren Weg zu finden, die etablierten, großen Läsionen in der Tiefe zu erreichen. Er selbst habe den Durchbruch geschafft, nachdem er die Hindernisse für den Remineralisierungsprozess, einschließlich Speichel und Gewebe, entfernt habe.

Geht es nach Pitts, könnte die neue Methode bereits in drei Jahren Einzug in britische Zahnarzt-Praxen halten, so die Washington Post. Mit weitreichenden Effekten: Denn sie könnte die Menschen in der Tat wieder ermutigen, Zahnmediziner aufzusuchen. Gerade, wenn echte Phobien im Spiel wären. Sind die Patienten entspannt, wäre auch die Bereitsschaft größer, Kontrolluntersuchungen vornehmen zu lassen.

An einer Kommerzialisierung der Forschungsergebnisse wird nun bereits gearbeitet. Eine entsprechende Firma names Reminova Ltd. wurde gegründet und nach privaten Investoren Ausschau gehalten. Sie ist die erste Ausgründung des 2013 ins Leben gerufenen King’s College London Dental Innovation and Translation Centre und ist in Perth, Schottland, angesiedelt sein.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*