Untersuchung: Greenpeace weist gefährliche Giftcocktails in indischen Tees nach

Eine aktuelle Untersuchung von Greenpeace India hat gezeigt: Hiesige Tees sind offenbar massiv mit Giftstoffen belastet. Über ein ganzes Jahr hinweg wurden Stichproben genommen und auf verschiedene Pestizide hin getestet. In mehr als 90 Prozent der geprüften Produkte fanden sich Chemikalien. Teils wurden regelrechte Giftcocktails mit nicht zugelassenen Stoffen entdeckt.

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Welche Folgen die Greenpeace-Ergebnisse für die Tee-Trinker haben könnten, scheint nicht absehbar. (Foto: Flickr7 Day 286 / 365 - Tea Pot by Jason Rogers CC BY 2.0)

Welche Folgen die Greenpeace-Ergebnisse für die Tee-Trinker haben könnten, scheint nicht absehbar. (Foto: Flickr7 Day 286 / 365 – Tea Pot by Jason Rogers CC BY 2.0)

Die indische Sektion von Greenpeace führte ihre Untersuchungen von Juni 2013 bis Mai 2014 durch. Der Scan von rund 50 Proben auf 350 verschiedene Pestizide erbrachte: In allen Tee-Proben konnte mindestens eine Chemikalie nachgewiesen werden. Teils sind die gefundenen Stoffe weltweit verboten.

Die Umweltschutzorganisation nahm insgesamt elf Marken der acht führenden Tee-Hersteller (Hindustan Unilever Limited, Tata Global Beverages
Limited, Wagh Bakri Tea, Goodricke Tea, Twinings, Golden Tips, Kho-Cha and Girna) unter die Lupe und konnte in ihrer Untersuchung („Trouble Brewing“) insgesamt 34 verschiedene Pestizide feststellen. Darunter befanden sich auch Chemikalien, die nicht für die Tee-Produktion zugelassen oder sogar gänzlich verboten waren. 23 von ihnen dürfen auf dem indischen Markt überhaupt nicht verwendet werden.

Konkret enthielten mindestens 94 Prozent der in Mumbai, Bangalore, Delhi und Kalkutta genommenden Proben Pestizide. Fast 60 Prozent wiesen einen Cocktail von mehr als zehn verschiedenen Chemikalien auf. Eine Probe enthielt sogar 20 verschiedene Pestizide. Über 29 der 49 Proben oder 59 Prozent enthielten Rückstände des Wirkstoffs von mindestens einem Pestizid, die oberhalb der Rückstandshöchstgrenze der Europäischen Union lagen. Fast 40 Prozent der Proben überschritten die Grenzwerte um mehr als 50 Prozent, heißt es in dem 29 Seiten starken Papier.

In fast allen Proben konnten Neonicotinoide nachgewiesen werden. Zuletzt forderten Forscher in einer Meta-Studie ein weltweites Verbot des gefährlichen Insektizids. Ihnen zufolge sei das Bienensterben nur der auffälligste Teil eines umfassenden Schadens, den der Wirkstoff anrichte. Große Teile der Nahrungskette würden durch das Gift in Mitleidenschaft gezogen.

Gefunden wurden zudem die hochgiftigen Substanzen DDT und Monocrotophos. Das Insektizid DDT ist eine organische Chlorverbindung und zählt zum so genannten Dreckigen Dutzend. Es war über Jahrzehnte das weltweit meistverwendete Insektizid und ist heute verboten. Gefunden wurde es in 67 Prozent aller Proben. Monocrotophos wurden in 27 Proben nachgewiesen. Das Gift steht im Verdacht, für den Tod von 23 indischen Schulkindern verantwortlich zu sein. Sie hatten damit verseuchte Lebensmittel gegessen, so die Times of India.

Welche Folgen die hier gefundenen vielen verschiedenen Mixturen jedoch für die Verbraucher haben könnten, sei beinahe unmöglich zu evaluieren, so Greenpeace. Die diversen Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Chemikalien seien weitestgehend unbekannt.

Die in Indien ansässigen Unternehmen dominieren den Tee-Markt. Das Land ist nach China der größte Tee-Produzent der Welt. Die untersuchten Firmen xportieren nach Amerika, Russland, Großbritannien, in die Vereinigten Arabische Emirate, in den Iran und viele andere Länder, wie Business Standard berichtet. Einige der Unternehmen sollen auf die jüngsten Greenpeace-Ergebnisse aber bereits reagiert haben. Sie forderten ihre Lieferanten auf, die Verwendung der gefährlichen Pestizide zu stoppen und einen nachhaltigen Tee-Anbau bis 2020 umzusetzen. Das berichtet der Deccan Herald.

Anders verhält sich jedoch die indische Regierung. Das Tea Board of India stellte heraus, dass die hiesigen Tees „völlig sicher“ seien. Die Times of India zitiert aus der entsprechenden Stellungnahme: „Nach Prüfung der Ergebnisse der Greenpeace-Studie, können wir bestätigen, dass alle Proben, die getestet wurden, die indischen Gesetze und Verordnungen erfüllen, um die Verbraucher zu schützen. Indische Tees sind global hoch angesehen und auf Grund der strengen Standards völlig sicher.

Bereits im Mai warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung vor Giftstoffen in bestimmten Kräuterteesorten, die krebserregend sind. Untersucht wurden 221 verschiedene Teesorten. Das Amt riet damals zu maßvollem Genuss. Der Gedanke, dann am besten nur noch auf Bio-Tees zurückzugreifen, erwies sich leider in diesem Zusammenhang nicht von Nutzen. Die Liste der vom Institut getesteten Tees zeigte, dass auch Bio-Tees belastet waren (mehr hier).

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