Passiver Unterricht: Handschuh lehrt Klavierspiel durch Vibration

Ein Handschuh namens Mobile Music Touch soll helfen, quasi mühelos das Klavierspiel zu erlernen. Der Unterricht geschieht unterbewusst durch Vibration. Die neue Technologie könnte auch für blinde oder querschnittsgelähmte Menschen nützlich sein.

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Die MMT-Technologie hilft dabei, ohne jegliche Anstrengung oder musikalisches Talent, das Klavier spielen zu erlernen. (Foto: Flickr/ Blurred piano playing (B&W) by Chris Mear CC BY 2.0)

Die MMT-Technologie hilft dabei, ohne jegliche Anstrengung oder musikalisches Talent, das Klavier spielen zu erlernen. (Foto: Flickr/ Blurred piano playing (B&W) by Chris Mear CC BY 2.0)

Fünf kleine Vibrationsmotoren im Handschuh trainieren die Fingermuskeln für das Klavierspielen. Am Instrument selbst muss der Träger dabei nicht sitzen. Der Unterricht kann auch während der Fahrradfahrt oder beim Buchlesen erfolgen. Der Mobile Musik Touch (MMT) kann an unterschiedliche technische Geräte wie Laptops angeschlossen werden. Wird ein Lied ausgewählt und heruntergeladen, zeigt der Handschuhe durch Vibration an, welcher Finger sich der Musiknote entsprechend bewegen soll.

Der Klavierunterricht soll bevorzugt passiv ausgeübt werden. Studien des Georgia Institute of Technology zeigen, dass man das Klavierspiel in einem viel schnelleren Tempo und mit mehr Präzision meistert, wenn dies nebenbei geschieht.

Der Handschuh wurde bislang in zwei Studien getestet. So versuchten 16 Testpersonen mit dem MMT 30 Minuten lang ein Lied zu erlernen, während sie gleichzeitig eine Leseverständnisübung zu bewältigen hatten. Die gleiche Übung wurde mit der klassischen Lernmethode, ohne Handschuh und ohne jegliche Ablenkung getestet. Der Durchgang mit der MMT-Technologie war bedeutend wirksamer als der Versuch ohne den vibrierenden Handschuh.

Der Handschuh ist also in der Lage, Lernprozesse zu beschleunigen. In einer weiteren Untersuchung wurde das passive Lernen dem aktiven Lernen gegenübergestellt. So wurde die Zeit verglichen, in der zehn Probanden kurze Teile eines Liedes, einmal mit Ablenkung und einmal fokussiert, einstudierten. Die Teilnehmer ohne Klaviererfahrung konnten die Passagen nach kurzer Zeit selbstständig widerholen, während Testpersonen, die bereits Klavier spielten dies oft nicht konnten. Diese Studien zeigen also, dass man schneller lernt, wenn man nicht zu konzentriert über seine Tätigkeit nachdenkt.

Die Technologie hat großes Potential Fertigkeiten passiv zu erwerben, während man sich gleichzeitig einer völlig anderen Tätigkeit widmet. Sie könnte auch beim Gitarrespielen oder beim Erlernen von Tanzschritten angewandt werden. Durch das Lernen mit Berührungen könnte sie aber vor allem Menschen helfen, die querschnittgelähmt oder blind sind.

Wir kennen die Grenzen noch nicht. Können wir diese Art von Vibrationsmotoren an den Beinen anbringen und Menschen zeigen, wie man tanzt? Können wir lehren, wie man besser Baseballkörbe wirft?“, sagt MMT-Entwickler Thad Starner dem Institute of Electrical and Electronics Engineers.

Der MMS-Wirkungseffekt wurde auch bei Testpersonen mit Querschnittslähmungen durchgeführt. Untersuchungen ergaben, dass der Handschuh Menschen mit Rückenmarksverletzungen helfen konnte wieder etwas Gefühl in den Händen zu spüren oder die Fingerfertigkeit zu verbessern. Nun wird erforscht, wie die Technologie zum Erlernen der Blindenschrift und der Stenografie eingesetzt werden kann.

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