Schlaflos im Alter: Gehirn verliert Fähigkeit abzuschalten

Wissenschaftler aus den USA und Israel sind dem Phänomen der Schlaflosigkeit bei Senioren auf die Spur gekommen. Verantwortlich für die ungewollten Wachzustände sind offenbar bestimmte Neuronen im Gehirn. Diese verschwinden mit zunehmendem Alter und führen so zu unruhigem Schlaf. Der biologische Schlafschalter funktioniert nicht mehr.

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Schlafen, solange man will: Vielen Senioren gelingt daas nicht mehr. (Foto: Flickr/ Man sleeping on chairs by Timothy Krause CC BY 2.0)

Schlafen, solange man will: Vielen Senioren gelingt daas nicht mehr. (Foto: Flickr/ Man sleeping on chairs by Timothy Krause CC BY 2.0)

Die Forscher um Andrew Lim und Professor Clifford Saper haben eine kleine Region mitten im Hypothalamus als möglichen Störenfried der Nachtruhe ausmachen können. Dort entdeckten sie eine Gruppe von Zellen, die für die Schlafqualität verantwortlich zeichnen. Je weniger dieser Zellen vorhanden sind, desto unruhiger wird der Schlaf.

Bereits 1996 hatte Saper bei Ratten eine Gruppe von Neuronen als „Schlafschalter“ ausmachen können. Damals stellte er fest: Ohne diesen schliefen die Tiere nur halb so lange. Außerdem war ihr Schlaf deutlich unruhiger. An ähnlicher Stelle und mit der gleichen chemischen Zusammensetzung wurden die Forscher nun auch beim Menschen fündig.

Um ihre Theorie zu testen, untersuchte das Team von der Harvard Medical School, der Beth Israel Deaconess Medical Center und der University of Toronto/Sunnybrook Health Sciences Center die Daten aus dem Rush Memory and Aging Project. Darin werden bereits seit 1997 Informationen von rund 1000 Patienten zusammengetragen. Aufgeführt sind auch Bewegungsdaten. Diese helfen den Wissenschaftlern, Rückschlüsse auf die Schlafqualität zu ziehen. Außerdem wurden die Hirne von 45 Probanden nach deren Tod auf die Menge an Neuronen im Gehirn hin untersucht.

Beim Datenabgleich trat nun der Zusammenhang zwischen der Neuronenzahl in der Hypothalamusregion und dem Schlafverhalten zutage. „Je weniger Neuronen, desto stärker wurde der Schlaf fragmentiert“, so Saper. Konkret verbrachten jene Probanden mit den meisten Neuronen (mehr als 6000in der Nacht 50 Prozent mehr Zeit in Bewegungslosigkeit, als jene mit den wenigsten Neuronen (weniger als 3000), die nur 40 Prozent der Zeit im Bett schlafend verbrachten. Ihre Erkenntnnisse veröffentlichten sie nun im Fachjournal „Brain“.

„Im Schnitt hat eine Person in den 70ern eine Stunde weniger Schlaf als jemand in seinen 20ern“, zitiert die Harvard Medical School Professor Saper. Sein Team glaubt, dass die Neuronen mit zunehmendem Alter nach und nach erodieren und so zu den Schlafstörungen führen. Ein Prozess, der auch bei Menschen mit Alzheimer ablaufe. Diese seien besonders anfällig für Schlafstörungen und nächtliche Verwirrung. Darüber hinaus seien Schlafverlust und Schlaffragmentierung mit einer ganzen Reihe von Gesundheitsrisiken verbunden, darunter kognitive Funktionsstörungen, erhöhter Blutdruck und Kreislauf-Erkrankungen sowie eine Tendenz Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Diese Ergebnisse können daher zu neuen Methoden führen, um Schlafstörungen bei älteren Menschen zu verringern.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Maiken Nedergaard, dänische Biologin und Leiterin für Schlaf-Forschung an der Rochester Universität, haben mittlerweile auch herausgefunden, dass sich das Gehirn im Schlaf selbst entgiftet. Diese Entgiftung ist offenkundig in einem viel höheren Maß notwendig als bisher bekannt. Wer nicht mindestens sieben bis neun Stunden schläft, riskiert schwere Schädigungen des Gehirns (mehr hier).

Auf der anderen Seite sind derzeit mehr als eine Million Bundesbürger abhängig von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Stress und mangelndes Selbstvertrauen sind die Ursache, warum die Abhängigkeit chronisch wird. Der Ausstieg auf eigene Faust gelingt nur selten (mehr hier).

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  1. Ferdinand Dirksen sagt:

    In Ihrem Artikel schreiben Sie : Wer nicht sieben bis neun Stunden schläft, riskiert schwere Schädigungen des Gehirns.
    Im Verweis auf einen Artikel erzählen Sie warum Menschen, die sieben bis neuen Stunden schlafen wollen und Tabletten nehmen, sich das Abgewöhnen sollen.

    Eine Antwort, wie man als alter Mensch neun Stunden schlafen kann, um schwere Schädigungen zu Verhindern, bleiben Sie allerdings schuldig.