Zuwachs beim ökologischen Anbau: Deutschlands Bauern vergrößern Fläche für Bio-Erzeugnisse

Der ökologische Landbau ist im Jahr 2013 erneut gewachsen. 1.060.669 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche, also 6,4 Prozent der gesamten deutschen Anbauflächen, wurden entsprechend bewirtschaftet. In der Krise steckt diese Art der Lebensmittelerzeugung dennoch.

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Eine Meta-Studie hat jetzt bestätigt: Bio-Produkte enthalten signifikant mehr Inhaltsstoffe, deren positive Wirkung auf die Gesundheit von Mensch und Tier bekannt ist. (Foto: Flickr/ Farm pictorial by Rosewoman CC BY 2.0)

Eine Meta-Studie hat jetzt bestätigt: Bio-Produkte enthalten signifikant mehr Inhaltsstoffe, deren positive Wirkung auf die Gesundheit von Mensch und Tier bekannt ist. (Foto: Flickr/ Farm pictorial by Rosewoman CC BY 2.0)

Im Vergleich zum Jahr 2012 vergrößerten die Landwirte ihre Anbaufläche für Bio-Erzeugnisse hierzulande um zwei Prozent. Mittlerweile ist der deutsche Markt für Bio-Erzeugnisse sogar führend in Europa. Von Geldsorgen befreit das die Bauern allerdings nicht. Mehrere Hundert werfen jedes Jahr das Handtuch.

Während sich die ökologischen Anbauflächen in Deutschland weiter ausbreiten, blieb die Anzahl der Betriebe, die ökologischen Landbau praktizierten, im vergangenen Jahr weitestgehend stabil. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beziffert sie derzeit auf 23.271. Dies kommt einem Anstieg um 0,2 Prozent gegenüber 2012 gleich, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. „Deutschland ist mit Abstand der größte Markt für Bio-Lebensmittel in Europa. Bei der weltweiten Nachfrage steht Deutschland, nach den USA, an zweiter Stelle“, so das Ministerium. Allein in der Bundesrepublik seien 2013 mit dem Verkauf von Bio-Produkten 7,55 Milliarden Euro umgesetzt worden. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Noch schaffen es die deutschen Bauern aber nicht allein, die immense Nachfrage der heimischen Bevölkerung zu decken. Schätzungen zufolge, machen Importe von ökologisch hergestellten Lebensmitteln aus dem Ausland in etwa 30 bis 50 Prozent des derzeitigen Marktvolumens aus, so organic-world.net. Entsprechend bestrebt sei auch das Landwirtschaftsministerium, die Rahmenbedingungen für ökologisch wirtschaftende Landwirte und ihrer Marktpartner zu verbessern. Ansetzen wolle die Behörde an der gesamten Wertschöpfungskette: „ (…) von der Erzeugung über den Absatz, die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung“.

Und das scheint auch geraten: Bereits in den vergangenen zehn Jahren hat sich viel im Bio-Bereich getan. Der Marktanteil kletterte in einer Dekade von zwei auf knapp vier Prozent, hat sich also fast verdoppelt. Eine Krise unter den Öko-Bauern gebe es dennoch, so der Deutschlandfunk. „ (…) mancher Bauer kehrt sogar zurück zur konventionellen Landwirtschaft.“ Der Grund: Trotz stetig steigender Nachfrage könnten kaum Gewinne erwirtschaftet werden, da auch die Produktionskosten kontinuierlich höher würden.

Eine große Belastung seien etwa die zahlreichen Auflagen und Kontrollen, die Voraussetzung dafür wären, dass zum Beispiel Eier ein Biosiegel bekämen und auch behalten könnten. So entstünden zum Beispiel kritische Abhängigkeiten zu Futterproduzenten, die einen Betrieb kurzfristig sogar ausschalten könnten. „In Deutschland gilt eine besonders strenge Auslegung der EU-Ökoverordnung“, so das Blatt weiter. Probleme würden auch Agrargasbetriebe oder Biogasbetriebe bereiten, die auf Grund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) subventioniert werden und bei Pachten wesentlich tiefer in die Tasche greifen können. Auch großen Agrarfirmen und Biohöfe in Osteuropa setzen den hiesigen Öko-Bauern zu.

Zunehmend wird der Beruf des Landwirtes zum Schreibtisch-Job, die ökonomischen Zwänge nehmen zu – mit Folgen, wie ein Report des staatlichen Thünen-Instituts in Braunschweig aufzeigt: Öko-Bauern kehren zur konventionellen Landwirtschaft zurück oder geben ihre Höfe gleich ganz auf. Dem Bericht zufolge wurden zwischen 2003 bis 2010 jährlich 191 Betriebe bzw. 1,4 Prozent der ökologisch bewirtschafteten Betriebe aufgegeben. Darüber hinaus seien im Durchschnitt 415 Betriebe bzw. 3,3 Prozent der Ökobetriebe pro Jahr durch eine Rückumstellung aufeine konventionelle Wirtschaftsweise verloren gegangen.

Nach Ansicht von Jürn Sanders, Agrarökonom im Thünen-Institut, und Co-Autor der Studie bräuchten die Landwirte künftig mehr Planungssicherheit. Wechsle die Landesregierung, dann wäre auch die Förderung weg, und der Bauser sei am Ende, so ein viel gehörtes Argument. Seiner Ansicht nach müsse die Gesellschaft jedoch die  so genannten „Agrarumweltleistungen“ der Ökobauern honorieren. Die von ihm befragten Bauern wünschten sich entsprechend eine „festgelegte Förderung, unabhängig von der Farbe der jeweiligen Regierungspartei“.

Am Ende hätten sowohl Erzeuger als auch Verbraucher etwas davon. Denn wie eine Meta-Studie der englischen Universität Newcastle gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz kürzlich herausgefunden hat, sind Bio-Produkte in der Tat deutlich gesünder. „Bio-Produkte enthalten signifikant mehr Inhaltsstoffe, deren positive Wirkung auf die Gesundheit von Mensch und Tier bekannt ist. Dazu zählen Antioxidantien wie Phenole und andere sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe – also Stoffe, welche Pflanzen bilden, die nicht mit Pestiziden behandelt werden und deshalb eine eigene Abwehr gegen negative Umwelteinflüsse aufbauen müssen. Gleichzeitig ist die Belastung von Bio-Lebensmitteln mit schädlichen Stoffen wie Cadmium oder Pestizidrückständen deutlich geringer als bei konventionell erzeugten Vergleichsprodukten“, berichtet hierzu der Bund Ökologische Landwirtschaft.

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