Verstecktes Potential: Abwasserwärme aus der Kanalisation

Die österreichische Stadt Amstetten erzeugt Energie aus recyceltem Klärwasser. Die Wärme wird dem Abwasser durch ein Pumpensystem entzogen und zum Heizen oder Kühlen von Gebäuden wieder verwendet. Die Energiequelle ist günstig und regional verfügbar.

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Die Abwassernutzung könnte eine effiziente Alternative in der nachhaltigen Energiegewinnung bieten und Europa helfen, sich von der Nutzung fossiler Brennstoffe zu lösen. (FotoL Flickr/ Sewage by Les Chatfield CC BY 2.0)

Die Abwassernutzung könnte eine effiziente Alternative in der nachhaltigen Energiegewinnung bieten und Europa helfen, sich von der Nutzung fossiler Brennstoffe zu lösen. (FotoL Flickr/ Sewage by Les Chatfield CC BY 2.0)

Private Haushalte, Unternehmen oder Fabriken spülen Unmengen von Wasser in den Abfluss und verschwenden damit nicht nur das wertvolle Nass, sondern auch Energie aus Wärme. Das Pilotprojekt eines örtlichen Energieversorgungsunternehmens in Österreich will das ändern und konzentriert sich auf die Energie aus regionalem Abwasser. Eine Fläche von 4.000 Quadratmetern kann damit geheizt oder gekühlt werden. Die Technik ist auch gut für größere Gebäude wie Schulen oder Bürogebäude geeignet.

„Das Wasser, das hier her gepumpt wird, ist sauber. Es gibt keine Fäkalien. Die Ausstattung im Inneren (der Kanalisation) ist selbstreinigend. Fast jede Woche bekommen wir Besuch von einer Delegation, die sich das anschauen will“, sagt Robert Simmer, Chef der Stadtwerke Amstetten, der Online-Nachrichtenseite Physorg.

Die Kanalisation dehnt sich über 42 Meter aus. Das Wasser, das durch die Rohre läuft, wird von einem so genannten Wärmetauscher erwärmt. Hierbei sind die Rohre vom Abwasserkanal getrennt. Das warme Wasser wird dann durch ein Pumpensystem in das nahe gelegene Hauptquartier gepumpt, wo das Zentralheizungssystem zusätzlich Wärme freisetzt. Die Wassertemperatur kann dabei 27 Grad Celsius erreichen.

Obwohl der zusätzlich benötigte Strom für die Wärmepumpen 6.500 Euro pro Jahr kostet, sind die Einsparungen für die Stadtwerke erheblich. Die neue High-Tech-Methode ermöglicht außerdem den vollständigen Verzicht auf Gas und reduziert den Kohlenstoffverbrauch.

Das österreichische Unternehmen hat 240.000 Euro in die Technologie investiert. „Das sollte in etwa elf Jahren wieder reinkommen. Mit jeder anderen erneuerbaren Energiequelle wie Solarenergie, ginge es nicht früher, so Simmer.

Allerdings wird das Energieunternehmen durch Wärmeenergie einer angrenzenden Papierfabrik begünstigt, die heißes Wasser in die Kanalisation pumpt und somit das Wasser zusätzlich erwärmt. Darüber hinaus nutzen die Stadtwerke eine Fußbodenheizung, die effizienter sein soll als herkömmliche Heizkörper an den Wänden.

Nach Ansicht von Florian Kretschmer von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) ist das Potential der neuen Technologie beträchtlich. „Der Vorteil dieser Technologie ist die Verwendung regionaler Ressourcen und dass das Abwasser stetig vorhanden ist.“

Eine Studie der BOKU geht davon aus, dass zwischen drei und fünf Prozent der Gebäude in Österreich mit dieser Technologie versorgt werden könnten.

Ähnliche Projekte bestehen bereits in Deutschland und in der Schweiz. So ist das Forscherteam von Siemens besonders an der Abwärme von Maschinen und anderen Industrieanlagen interessiert. In Erlangen hat das Team eine Demonstrationsanlage, die Abwärme im Temperaturbereich von 70 bis 120 Grad Celsius nutzt, um Abwasser zu verdampfen. In dem Energieprozess mit wärmeübertragenden Geräten wird hier reines Wasser und etwas konzentriertes Abwasser produziert.

„Natürlich wird dies allein nicht die Energieprobleme der Welt lösen. Aber was wir in der Zukunft brauchen, ist eine gute Mischung (von Möglichkeiten, um Energie zu erzeugen), und Energie aus Abwasser kann eine Rolle dabei spielen“, so Kretschmer.

Die Leistung von Kläranlagen ist jedoch stark von der Temperatur abhängig. Ein möglicher Nachteil der Technologie wäre daher, dass die Wassertemperatur in einem solchen Ausmaß fallen könnte, dass es die Effizienz der Kläranlage negativ beeinträchtigt. Aber das soll nur möglich werden, wenn die Technologie in äußerst großem Maßstab angewandt werden würde.

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