Keine Lust auf Sport: Das Gehirn ist schuld am Motivationstief

US-Forscher haben offenbar eine Region im menschlichen Gehirn ausgemacht, die für den Drang nach körperlicher Bewegung zuständig ist. Sie kontrolliert Stimmung und Motivation eines Menschen. Die jetzt gewonnenen Erkenntnisse könnten helfen, wirksamere Behandlungen gegen Depression zu entwickeln.

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US-Forscher machen eine bestimmte Hirnregion für mangelnde Motivation verantwortlich. Vorerst beschränken sich ihre Forschungen jedoch nur auf Nagetiere. (Foto: Flickr/ 27 push-ups later by istolethetv CC BY 2.0)

US-Forscher machen eine bestimmte Hirnregion für mangelnde Motivation verantwortlich. Vorerst beschränken sich ihre Forschungen jedoch nur auf Nagetiere. (Foto: Flickr/ 27 push-ups later by istolethetv CC BY 2.0)

Die Wissenschaftler vom Seattle Children’s Research Institute haben scheinbar eine Erklärung dafür gefunden, warum es einigen Menschen so schwer fällt, Sport zu treiben. Der Grund könnte ihnen zufolge nicht unbedingt in individueller Faulheit zu suchen sein. Vielmehr machen sie eine falsche Schaltung im Gehirn dafür verantwortlich. Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen könnten, auch  bessere Behandlungsmethoden gegen Depressionen zu entwickeln.

Das Team um Dr. Eric Turner und  Yun-Wei Hsu vom Seattle Children’s Research Institute’s Centre for Integrative Brain Research hat die Hirnregion ausfindig gemacht, die offenbar für die sportliche Motivation zuständig ist. Im Tierexperiment fanden sie heraus, dass bei Mäusen die dorsal-mediale Habenula den Wunsch nach Bewegung kontrolliert. Da die Struktur der tierischen Habenula der menschlichen sehr ähnelt, gehen die Forscher davon aus, dass sie auch beim Menschen für Stimmungsregulierung und Motviation verantwortlich ist.

Veränderungen in der körperlichen Aktivität und der Unfähigkeit, lohnende oder lustvolle Erfahrungen zu genießen, sind zwei wesentliche Merkmale schwerer Depressionen“, zitiert das Fachblatt Science Daily  Dr. Turner. Bislang hätte die Wissenschaft aber nicht genau verstanden, welche Gehirnbahnen für die Motivation verantwortlich seien. Doch jetzt würde man Wege kennen, um die Aktivität in diesem speziellen Bereich des Gehirns ohne Auswirkungen auf den Rest des Gehirns zu stimulieren.

Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler mittlerweile im Journal of Neuroscience veröffentlicht. Bei ihren Experimenten verwendeten sie Mäuse, die genetisch verändert wurden, um Signale von der dorsal-medialen Habenula zu blockieren. Sie zeigten auf, dass die genetisch veränderten Nager weitaus lethargischer als ihre Artgenossen waren, die nichts lieber taten, als sich im Laufrad zu betätigen. Die Forscher beobachteten außerdem, dass die gentechnisch veränderten Mäuse ihre Vorliebe für zuckerhaltiges Wasser verloren. Für Dr. Turner und sein Team wurde deutlich: „Ohne eine funktionierende dorsale mediale Habenula wurden die Mäuse zu Stubenhockern. Sie waren körperlich dazu in der Lage zu laufen, aber sie schienen absolut nicht motiviert.

In einer zweiten Gruppe aktivierte das Team die Hirnregion mit einer neuartigen Laser-Technologie namens Optogenetik. Sie erlaubt es den Forschern mit extremer Präzision die Aktivität von Nervenzellen zu kontrollieren. Hierzu muss den Tieren ein Glasfaserkabel ins Hirn implantiert werden. Sobald das Licht angeschaltet wird, beginnen vorher ausgesuchte Neuronengruppen schlagartig zu feuern bzw. zu verstummen. Da die Versuchstiere sich währenddessen frei bewegen können, ist es den Wissenschaftlern möglich, anhand ihres Verhaltens zu beobachten, welche Aufgabe bestimmte Zellen erfüllen. In aktuellen Fall konnten die Mäuse durch das Drehen eines von zwei Rädern wählen, ob das Areal aktiviert wird oder nicht. Die Wissenschaftler stellten hierbei fest, dass die Mäuse dasjenige Rad stark bevorzugten, das die dorsal mediale Habenula stimuliert. Traditionelle Methoden der Stimulation hätten diesen Teil des Gehirns bislang nicht isolieren können, so Turner. Das sei erst durch den Einsatz dieser Methode möglich geworden.

Schon jetzt ist bekannt, dass die effektivste nicht-pharmazeutische Therapie gegen Depressionen in Sport besteht. Und noch mehr: Wer den Körper in jungen Jahren fit hält, kann so offenbar sogar dazu beitragen, Depressionen vorzubeugen. US-Forscher haben in einer Studie unter mehreren Hundert Sechstklässlern herausgefunden, dass sich die körperliche Fitness positiv auf das spätere mentale Befinden der Teenager auswirkt. Vor allem bei Mädchen sei der Effekt deutlich beobachtbar gewesen (mehr hier).

Erst vor kurzem wurde zudem bekannt: Selbst geringe Anstrengungen reichen offenbar aus, um etwas für die eigene Herzgesundheit zu tun. US-Forscher fanden im Rahmen einer Langzeitstudie heraus, dass sich schon einige Minuten Jogging am Tag positiv auswirken. Die Geschwindigkeit des Laufs ist dabei übrigens nicht entscheidend (mehr hier).

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