Studie: Frühstück ist nicht die wichtigste Mahlzeit des Tages

Dem Frühstück könnte bei der Ernährung weniger Bedeutung zufallen, als bislang angenommen. Britische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es weder den Stoffwechsel beschleunigt noch einen Beitrag zum Gewichtsverlust leistet. Allerdings scheinen Frühstücker insgesamt gesünder zu sein.

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Schluss mit dem Aberglauben: Das Frühstück hat offenbar keinen Einfluss auf unser Essverhalten während des Tages. (Foto: Flickr/ 40 pesos breakfast puerto vallarta by Wonderlane CC BY 2.0)

Schluss mit dem Aberglauben: Das Frühstück hat offenbar keinen Einfluss auf unser Essverhalten während des Tages. (Foto: Flickr/ 40 pesos breakfast puerto vallarta by Wonderlane CC BY 2.0)

Es gilt seit langem als die wichtigste Mahlzeit des Tages, erscheint geradezu lebenswichtig für den Körper. Außerdem soll es übermäßiges Essen im weiteren Verlauf des Tages verhindern. Mit diesen Vorurteilen wollen jetzt Wissenschaftler der University of Bath aufräumen. Sie stellten in einer Langzeit-Untersuchung fest: Das Frühstück hat keine Auswirkungen auf unsere Verdauung oder Kalorien, die ein Mensch im Laufe des Tages zu sich nimmt.

Die Forscher um Studienleiter James Betts fanden im Rahmen ihrer randomisiert kontrollierten Studie heraus, dass es nach sechs Wochen zu keinerlei Veränderungen im Stoffwechsel zwischen jenen gab, die nichts zum Frühstück gegessen hatten und bis 12 Uhr fasteten und jenen, die vor 11 Uhr 700 Kalorien zu sich genommen hatten, davon 350 innerhalb von zwei Stunden nach dem Aufwachen.

Der große Unterschied bestand vielmehr darin, dass diejenigen, die sich vom Frühstück fernhielten, über den Tag vereilt insgesamt weniger Kalorien zu sich nahmen. Dies widerspricht einer lange gehegten Theorie, dass Menschen, die das Frühstück überspringen, das einfach nachholen, indem sie später vermehrt Nahrung aufnehmen würden. Überwacht wurden die Aktivitäten der Probanden mit tragbaren Monitoren, die die täglichen Aktivitäten der Teilnehmer genau maßen.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der insgesamt dreijährigen Forschungsarbeit mit Testpersonen zwischen 21 und 60 Jahren jetzt im American Journal for Clinical Nutrition. Untersuchungen über die langfristigen Auswirkungen eines bestimmten Essverhaltens stünden jedoch noch aus, so Betts.

Warum diejenigen, die frühstückten, aber generell bei besserer Gesundheit seien, machten die Briten an einem anderen Umstand fest. Ihrer Ansicht nach liege das an deren umfassenderen Ernährungsregeln. Insgesamt würden die Frühstücker durch ihre Aktivitäten auch mehr Energie aufwenden. Das gelte vor allem für die Zeit nach dem Frühstück. Im Schnitt handle es sich den Wissenschaftlern zufolge um ganze 442 Kalorien. Die fraglichen Probanden hatten im Schnitt auch stabilere Blutzuckermesswerte.

Betts gehört selbst zur Gruppe der Non-Frühstücker und war jahrelangen gutgemeinten Belehrungen durch sein Umfeld ausgesetzt. „Der Glaube, dass das Frühstück die ‚wichtigste Mahlzeit des Tages‘ ist, ist so weit verbreitet, dass viele Menschen nun überrascht sind zu erfahren, dass es einen Mangel an wissenschaftlichen Belegen dafür gibt, ob und wie sich das Frühstück direkt auf unsere Gesundheit auswirkt“, zitiert ihn die New York Times. Es sei sicherlich richtig, dass Menschen, die regelmäßig frühstücken schlanker und gesünder seien. Aber diese Personen würden in der Regel auch anderen Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil folgen. So sei zum Beispiel auch ihre Ernährung oftmals ausgewogener und sie würden sich mehr bewegen.

Gestützt werden Betts Erkenntnisse übrigens von einer anderen Versuchsreihe an der University of Alabama. Dort teilten die Wissenschaftler die Studienteilnehmer in drei Gruppen ein. Eine übersprang das Frühstück, die andere nahm es immer zu sich und eine dritte behielt schlicht die alten Gewohnheiten bei. Das Ergebnis, so die britische Daily Mail: Vier Monate später fand sich niemand in einer Gruppe, der viel Gewicht verloren hatte.

Unterdessen haben US-Wissenschaftler bei Versuchen mit Mäusen offenbar jene Gehirnzellen entdeckt, die das Verlangen nach Essen einfach ausschalten können. Wurden die entsprechenden Neuronen aktiviert, wirkte sich das umgehend auf die Nahrunsaufnahme aus. Die Ergebnisse könnten in Zukunft neue Therapie-Methoden etwa bei extrem über- oder auch untergewichtigen Patienten ermöglichen (mehr hier).

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