Online-Studie: Das teilen Freunde nicht auf Facebook

Der Austausch von unterschiedlichen Positionen hat offenbar auch im Internet Grenzen. Wie ein renommiertes Meinungsforschungsinstitut in Washington herausgefunden hat, üben User regelrecht Selbstzensur. Ansichten, die nur von einer Minderheit geteilt werden, finden sich kaum auf den Pinnwänden von Facebook oder Twitter.

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Angst vor dem Anderssein: Auch im Internet werden Meinungen zurückgehalten, wenn sie nicht mainstream sind. (Foto: Flickr/ silent diversity by DryHundredFear CC BY 2.0)

Angst vor dem Anderssein: Auch im Internet werden Meinungen zurückgehalten, wenn sie nicht mainstream sind. (Foto: Flickr/ silent diversity by DryHundredFear CC BY 2.0)

In einer aktuellen Studie kommt das Pew Research Center zu dem Ergebnis, dass in den Sozialen Medien offenbar weniger Meinungspluralität herrscht, als bislang angenommen. Abweichende Meinungen bei kontrovers debattierten Themen würden der Analyse des US-Think Tanks zufolge auch hier nicht in dem Maße geäußert, wie es das Internet eigentlich ermöglichen würde.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die User genauso verhalten, wie sie es schon vor dem Internetzeitalter im Freundes-, Familien und Kollegenkreis getan haben. Sie zensieren ihre politischen Meinungen tatsächlich selbst. Und zwar hauptsächlich dann, wenn sie glauben, dass ihre Ansicht von der Mehrheit der anderen User nicht geteilt wird. Die Folge: Auch im World Wide Web macht sich das Konzept der „Schweigespirale“ breit, so die Amerikaner in einer entsprechenden Mitteilung.

Eigentlich hatten sich die Macher von Seiten wie Twitter, Facebook und Co. genau das Gegenteil erhofft. Vom Mainstream abweichende Meinungen sollten sich hier frei entfalten können, zur Erweiterung des öffentlichen Diskurses beitragen und vor allem neue Perspektiven in politische Debatten einbringen. Doch weit gefehlt.

Im Rahmen ihrer Untersuchung befragte das Institut landesweit mehr als 1.800 US-Nutzer sozialer Medien zu ihrer Bereitschaft, privat oder auf entsprechenden Plattformen über die moralische Richtigkeit der öffentlichen Enthüllungen Edward Snowdens im Jahr 2013 zu diskutieren. Sie stellten fest: Auf Seiten wie Twitter oder Facebook waren weniger als die Hälfte der Umfrageteilnehmer bereit zu diesem in den USA äußerst kontrovers diskutierten Thema Stellung zu beziehen.

Konkret stimmten lediglich 42 Prozent einer Online-Debatte zu. 86 Prozent bevorzugten hingegen die Offline-Variante. In beiden Fällen waren die Menschen zudem eher bereit, diese Frage zu diskutieren, wenn sie der Ansicht waren, dass ihr Gegenüber die eigene Meinung teilte. Umgekehrt waren die 14 Prozent, die schon offline nicht diskutieren wollten, auch online kaum bereit, sich über die NSA-Enthüllungen auszutauschen. Darauf wollten sich nur 0,3 Prozent einlassen. Auf der anderen Seite fiel es den Befragten sowohl online als auch offline leichter über das Thema zu sprechen, wenn sie sich auf der Mainstream-Seite wussten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann ebenfalls geäußert wird, war nach Ansicht der Forscher doppelt so hoch wie im umgekehrten Fall.

Für die Forscher ließen diese Ergebnisse einen eindeutigen Schluss zu: Alles deutet darauf hin, dass Social Media-Seiten keineswegs alternative Plattformen zur Debatte abweichender Meinungen darstellen. „Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Sozialen Medien im Snowden-Fall keine neuen Foren für jene boten, die sonst schwiegen“, heißt es hierzu in dem Bericht.

Explizite Gründe, warum die Menschen auch im Internet schweigen, wenn sie sich in einer Minderheitenposition fühlten, nennt auch die Untersuchung nicht. Die Forscher listen jedoch eine ganze Reihe in Frage kommender Ursachen wie fruchtlose Argumente oder die Möglichkeit, dass ihre Postings von einem Vorgesetzten oder künftigen Arbeitgeber gesehen werden, auf. Auch Ängste vor Ausgrenzung, Spott oder Mobbing könnten eine Rolle spielen.


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