Zorniger Gesichtsausdruck: Darum sieht er weltweit gleich aus

US-amerikanische Forscher haben sich mit der Entwicklung der menschlichen Mimik befasst. Sie fanden heraus, warum ein ärgerlicher Gesichtsausdruck auf der ganzen Welt ein identisches Muster besitzt. Ihrer Ansicht nach ging es ursprünglich weniger um Wut, denn um Angst.

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Im Laufe der Evolution wurden sieben Muskelgruppen selektiert, die einen Menschen bedrohlich aussehen lassen. (Foto: Flickr/ Pretend-Angry Face by Michael Bentley CC BY 2.0)

Im Laufe der Evolution wurden sieben Muskelgruppen selektiert, die einen Menschen bedrohlich aussehen lassen. (Foto: Flickr/ Pretend-Angry Face by Michael Bentley CC BY 2.0)

Wer das wütende Gesicht seines Gegenübers betrachtet, stellt immer wieder die gleichen Abläufe fest: Die Augenbrauen senken sich, der Kiefer spannt sich an, Lippen und Augen sind zusammengepresst und die Nasenflügel beben. Insgesamt sieben Muskelgruppen sind daran beteiligt. Bislang war der Wissenschaft nicht völlig klar, warum sich dieses Gefühl weltweit auf gleiche Weise äußert. Eine aktuelle Studie deutet nun darauf hin, dass unser mimischer Ausdruck für Wut ursprünglich physische Überlegenheit demonstrieren sollte.

Die These zu Beginn der Untersuchung: „Jedes Element wurde dazu entwickelt, um andere einzuschüchtern, indem sie das wütende Individuum so aussehen lassen, als könnte es großen Schaden anrichten, wenn man es nicht besänftigt“, so der Co-Autor der Studie, Dr. Aaron Sell, in einer Mitteilung der kalifornischen University of California, Santa Barbara (UCSB). Der Dozent an der Griffith University in Australien erklärt: „Das Wutgesicht ist universell und kulturübergreifend und sogar von Geburt an blinde Kinder machen das gleiche Gesicht, ohne es jemals bei anderen gesehen zu haben.“

Für die Studie zeigten die Forscher 141 Männern und Frauen unterschiedliche Computerbilder von einem männlichen Gesicht. Einige der Bilder wurden überhaupt nicht manipuliert, andere waren jedoch so modifiziert, dass das Gesicht jeweils eines der wichtigsten Gesichtsmerkmale für Ärger enthielt. Jedes dieser Fotos wurde im Vergleich zum unveränderten Original gezeigt. Die Betrachter wurden gebeten, die unterschiedlichen Gesichter einzuschätzen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Evolution and Human Behavior veröffentlicht.

Sell zufolge erschien den Studienteilnehmern am Ende der Versuchsreihe keines der gezeigten Gesichter als zornig – selbst die manipulierten nicht. Stattdessen gaben die meisten an, dass die veränderten Gesichtszüge das Objekt im Direktvergleich eher stärker aussehen ließen. Die evolutionäre Erklärung für menschliche Wut sei erstaunlich einfach, so der Forscher. Sie stelle eine Bedrohungsgeste dar. Im Laufe der Evolution seien genau diese sieben Muskelgruppen selektiert worden.

Für Co-Autorin Dr. Leda Cosmides, Psychologieprofessorin an der UCSB, findet sich dieses Prinzip parallel im Tierreich. Die Wissenschaftlerin erinnert hier etwa an den sich aufplusternden Frosch oder den Pavian, der seine Eckzähne zeige. Auch in dieser Studie zeige sich, dass kein Gesichtsmerkmal der Wut willkürlich zu sein scheint, so Dr. John Tooby, Professor für Anthropologie an der UCSB. Sie alle würden die gleiche Botschaft übermitteln. „Das Gesicht organisiert sich sofort, um der Gegenpartei anzuzeigen, was sie riskiert, wenn sie die Situation nicht akzeptabler gestaltet.

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