Studie: Menschliches Gehirn kann auf kalorienarme Kost getrimmt werden

US-Forscher sind der Ansicht, das menschlichen Gehirn so konditionieren zu können, dass er sich nur noch gesunde Lebensmittel wünscht. Möglich sein soll das mittels einer einfachen Verhaltenstherapie. Gelingt eine derartige Umpolung tatsächlich, wäre das die ultimative Stütze, um überschüssige Pfunde los zu werden.

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Mit etwas Geduld und Ausdauer, kann das Gehirn für neue Vorlieben "gewonnen" werden. (Foto: Flickr/ Get Your Betacarotene by David Goehring CC BY 2.0)

Mit etwas Geduld und Ausdauer, kann das Gehirn für neue Vorlieben „gewonnen“ werden. (Foto: Flickr/ Get Your Betacarotene by David Goehring CC BY 2.0)

Der Mensch kommt ohne Ernährungspräferenzen auf die Welt. Erst im Laufe des Lebens trainieren wir uns an, was unser Gaumen mag oder eben nicht. Forscher am Human Nutrition Research Centre on Ageing (USDA) an der Tufts University haben jetzt herausgefunden, dass sich diese über viele Jahre angeeigneten Vorlieben durchaus auf lange Sicht durchbrechen lassen. Mit ihrer Pilotstudie eröffnen sie neue Perspektiven etwa bei der Behandlung von Adipositas-Patienten.

Der Grundgedanke der Forscher war einfach: „Wir starten unser Leben nicht mit einer Vorliebe für Pommes und einer Abneigung für Vollkornnudeln“, so die Direktorin des Energy Metabolism Laboratory am USDA, Susan B. Roberts, im Gespräch mit dem britischen Telegraph. Gemeinsam mit ihrem Team fragte sie sich, ob es nicht möglich wäre, das menschliche Gehirn entsprechend zu trainieren. Auf der einen Seite gelänge es, dem Gehirn durch wiederholte Aufnahme ungesunder, kalorienreicher Produkte eine gewisse Präferenz einzuimpfen. Umgekehrt müsste das also ebenfalls funktionieren. Am Ende ihrer Studien war klar: Das geht tatsächlich. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie nun im Fachmagazin Nutrition & Diabetes.

Bislang wurde davon ausgegangen, dass es äußerst schwierig sei, Vorlieben für Zucker, Fett und Salz nachhaltig auszuschalten. Schließlich hängt Adipositas mit einer Hyperaktivierung des Belohnungssystems im Gehirn für kalorienreiche Kost gegenüber kalorienarmem Essen zusammen. So wirkt etwa Zucker auf das Gehirn wie Heroin (mehr hier). Die Folge: Ungesunde Lebensmittel werden bevorzugt und es kommt zu einer Überernährung.

Roberts und ihre Kollegen gelang es, diesen Kreislauf durch die stete Aufnahme gesunder Produkte zu durchbrechen. In ihrer sechsmonatigen Studie untersuchten sie 13 übergewichtige Männer und Frauen. Acht von ihnen sollten in der Zeit Gewicht verlieren. Die fünf übrigen dienten als Kontrollgruppe. Zu Beginn und am Ende der Studie wurde die Belohnungsreaktion im Gehirn der Probanden mittels MRT gemessen.

Die Resultate waren eindeutig: Diejenigen, die im Laufe des halben Jahres Gewicht verlieren sollten, konnten die Empfindlichkeit ihres Gehirns für gesunde, kalorienarme Lebensmittel deutlich steigern. Die Scans zeigten einen erhöhten Genussfaktor für diese Produkte, während sich ihre Reaktion auf ungesunde Lebensmittel abgeschwächt darstellte. Die Studie lieferte also den ersten Beweis für eine positive Veränderung in der Aktivierung des Belohnungssystems hin zu gesunden Lebensmitteln.

„Das Gewichtsverlust-Programm ist speziell darauf ausgerichtet, eine Veränderung herbeizuführen, wie Menschen auf verschiedene Lebensmittel reagieren“, so Co-Autor Sai Krupa Das. „Unsere Studie zeigt, dass unsere Probanden, die daran teilnahmen, ein erhöhtes Verlangen nach gesünderen Lebensmitteln zusammen mit einer verringerten Vorliebe für ungesundes Essen hatten. Dieser kombinierte Effekt könnte entscheidend für eine nachhaltige Gewichtskontrolle sein.“

Die Forscher räumen zwar ein, dass ihre Untersuchung in der Tat in einem äußerst kleinen Rahmen abgelaufen sei. Nichtsdestotrotz seien ihre Ergebnisse die ersten, die eine Veränderung der Hirnaktivitäten in Richtung gesunde Kost durch eine Verhaltenstherapie aufgezeigt habe. Nun seien umfangreiche Folgestudien nötig, um die Ergebnisse auch tatsächlich zu manifestieren.

Die jüngsten Erkenntnisse aus den USA könnten schon frühzeitig ungesunde Entwicklungen ausbremens. Denn: Maßnahmen zur Gewichtsreduktion übergewichtiger Kinder und Jugendlicher zeigen bislang nur begrenzt Wirkung. Dies zeigt eine Langzeitstudie im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). So geht aus der Untersuchung hervor, dass kurzfristige Erfolge in der Gewichtsreduktion zwar möglich, eine nachhaltige Gewichtsstabilisierung sowie Verbesserungen des Gesundheitsverhaltens jedoch nur schwer umzusetzen sind (mehr hier).

Die Fettleibigkeit ist vor allem in den Industriestaaten ein wachsendes Problem. In den USA ist bereits jeder dritte Erwachsene betroffen. Doch auch in den ärmeren Ländern nimmt das Problem epidemische Ausmaße an (mehr hier).

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