Windpark-Lärm treibt Schweinswale in die Flucht

Die Schweinswale in der Nordsee flüchten vor dem Baulärm des Offshore-Windparks Butendiek. Dafür soll jetzt die Bundesrepublik zur Verantwortung gezogen werden. Der Naturschutzverband NABU klagt gegen die Baugenehmigung und den Betrieb der Windanlage. Diese soll gegen zahlreiche Naturgesetzte verstoßen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) weisen die Vorwürfe zurück.

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Der Schweinswalbestand in der Nord- und Ostsee nimmt weiter ab. (Foto: Flickr/ Harbour porpoise by VisitGrosMorne CC BY 2.0)

Der Schweinswalbestand in der Nord- und Ostsee nimmt weiter ab. (Foto: Flickr/ Harbour porpoise by VisitGrosMorne CC BY 2.0)

Trotz Brutzeit hält sich Deutschlands einzige Walart vom Sylter Außenriff fern. Dafür ist offenbar der Lärm von Bauarbeiten am Offshore-Windpark Butendiek verantwortlich. Zwischen Mai und August halten sich hier gewöhnlich die Schweinswale auf, um ihre Kälber aufzuziehen.

Die Tierärztliche Hochschule Hannover hat anhand regelmäßiger Flugbeobachtungen festgestellt, dass fast jeder zweite Schweinswal aus dem Gebiet verschwunden ist. Um den Windpark selbst konnten keinerlei Wale gesichtet werden.

Der Bau der Anlage Butendiek verstößt gegen zahlreiche Naturschutzgesetzte. Nach Einschätzung des deutschen Naturschutzverbands NABU hätte es für den Bau des Windparks keinerlei Genehmigung geben dürfen. So habe es einem Gutachten zufolge im Voraus des Baus keine wissenschaftliche Untersuchungen auf die Auswirkungen geschützter Arten gegeben.

Der Baulärm des Windparks hat die Wale aus dem für sie eingerichteten Schutzgebiet vertrieben – und das mitten in ihrer Fortpflanzungszeit“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Am Sylter Außenriff leben zahlreiche Fischarten, seltene und bedrohte Seevögel und Meeressäugetiere. Der Windpark Butendiek liegt inmitten des Schutzgebietes.

Im April reichte der Naturschutzbund beim Verwaltungsgericht Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland ein. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) vertritt dabei die Bundesrepublik.

Sowohl das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) als auch das BfN weisen die Kritik des NABU an dem Vorgehen der Behörden zurück, berichtet das Portal Nordic Market. Die Behauptung des NABU, die Zuständigkeiten zur Gefahrenabwehr bei Seeanlagen seien unklar und innerhalb der Bundesverwaltung umstritten, sei unzutreffend, heißt es. Darauf sei der NABU bereits im Frühjahr von beiden Behörden hingewiesen worden. Für Fragen der Vermeidung von Umweltschäden durch Windkraftanlagen sei das BSH zuständig. Das BfN entscheide nur über die Sanierung eventueller Schäden.

„Anstatt Verantwortung zu übernehmen, ringen die Behörden seit Monaten um Zuständigkeiten und versuchen, unsere Klage mit allen Mitteln zu behindern„, so Miller weiter.

NABU hat nun eine weitere Klage gegen das BSH am Verwaltungsgericht Hamburg eingereicht, in der Hoffnung so den Entscheidungsprozess zu beschleunigen.

NABU-Meeresesperte Kim Detloff spricht von einer ökologische Katastrophe.

„Trotzdem wurden die ohrenbetäubenden Rammungen vorsätzlich in die Fortpflanzungszeit von Mai bis August gelegt. Diese naturschutzpolitische Ignoranz vonseiten der Betreiber und der Behörden ist unfassbar. Schweinswale sind nach nationalem und europäischem Recht streng geschützt.“

NABU hofft darauf, dass bald eine rechtliche Entscheidung gefällt wird, die Offshore-Parks künftig dazu zwingt sich an geltendes Naturschutzrecht halten zu müssen. Sonst könnte die Flucht der Schweinswale ein Fall für den Europäischen Gerichtshofs (EuGH) werden.

„Die Splittung der Zuständigkeiten für die Umwelthaftungsrichtlinie entspricht ganz sicher nicht der Intention der europäischen Gesetzgebung. Den Schweinswalen im Baugebiet Butendiek hilft eine Entscheidung des EuGH vermutlich nicht mehr. Aber möglicherweise kann noch der Schaden für die ebenfalls streng geschützten Seevögel im Baugebiet abgewendet werden, etwa für die Stern- oder Prachttaucher“, so Detloff.

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