Fahrerlose LKW bald auf niederländischen Straßen

Die Niederlande planen bis spätestens 2020 als erstes Land fahrerlose Fahrzeuge in ihren Straßenverkehr einzuführen. Auch Japan und die USA testen seit einigen Jahren autonome Lkw. Die neue Technologie soll die Verkehrssicherheit erhöhen und Treibstoffkosten bedeutend senken.

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Den Lkws könnten sich in Zukunft beliebig viele Pkws in einem Konvoi anschließen. Das autonome Fahrsystem funktioniert mit Kameras, Radar und Lasersensoren sowie einer speziellen Software. (Foto: Flickr/ Cloud factory by Andreas Levers CC BY 2.0)

Den Lkws könnten sich in Zukunft beliebig viele Pkws in einem Konvoi anschließen. Das autonome Fahrsystem funktioniert mit Kameras, Radar und Lasersensoren sowie einer speziellen Software. (Foto: Flickr/ Cloud factory by Andreas Levers CC BY 2.0)

Die niederländische Infrastrukturministerin Schultz van Haegen will Anfang kommenden Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen, der bestehende Straßensperren für autonome Fahrzeuge beseitigt. Somit soll ferngesteuertes Fahren legal werden. Die meisten Lkw fahren überwiegend auf Autobahnen, wo es weniger Hindernisse und einen relativ vorhersehbaren Verkehrsfluss gibt.

Die Niederlande planen die Kommerzialisierung der computergesteuerten Fahrtechnologie bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Die ersten Tests mit selbstfahrenden Lastwagen sollen dabei helfen, autonome Pkw großflächig in den Straßenverkehr einzuführen. Zunächst sollen jedoch Computersimulationen verwendet werden, um die Technik zu testen. Auf gesonderten Strecken dürfen dann Lkw erprobt werden. Das Ziel: Selbstfahrende Lastwagen sollen bis spätestens 2020 auf den Markt kommen. Die ersten Testpläne aus Rotterdam wurden der Regierung bereits vorgelegt.

Für Van Haegen ist das Zeitalter der selbstfahrenden Autos bereits gekommen.
Selbstfahrende Autos werden den Verkehrsfluss positiv beeinflussen und zur Sicherheit unseres belebten Straßennetzes beitragen“, sagt die Ministerin der Zeitschrift Vice. „Entwicklungen in diesem Bereich werden die Beziehung zwischen Fahrer und Fahrzeug in den nächsten zwanzig Jahren mehr verändern, als alles Bisherige in den vergangenen hundert Jahren.“

Auch in Japan und den USA wurden autonome Lkw getestet. So hat das kalifornische Unternehmen Peloton gerade eine 10.000 Kilometer lange Teststrecke in Texas abgeschlossen und insgesamt rund 24.000 Kilometer mit selbstfahrenden Lkw zurückgelegt.

Es ist ein System, das sofort Leben retten könnte, Fahrzeugflotten Geld einsparen, den Energieverbrauch reduzieren und diese Vorteile sofort und im großen Maßstab erbringen könnte“, sagt Peloton-Chef Josh Switkes der BBC.

Die Peloton Technology trägt zur Senkung des Treibstoffverbrauchs und der Emissionen bei. Dem Unternehmen nach spart der hintere Lkw damit zehn Prozent  Benzinkosten und der vordere Wagen 4,5 Prozent. Die Kraftstoffkosten in den USA machen 40 Prozent der Betriebskosten für Flotten aus. Die Einsparungen könnten also erheblich sein.

Das System funktioniert so. Der vordere Lkw kommuniziert mittels einer Software direkt mit dem hinteren Lkw und zeigt auf einem Display die Fahrerperspektive des jeweils anderen Fahrzeugs an. So wird der rechtzeitige Motorstart, Bremsen sowie die entsprechende Fahrzeuggeschwindigkeit kommuniziert.

Beide Lkw sprechen sich mit der Betriebsleitzentrale ab und prüfen die Strecke, Wetterverhältnisse oder die aktuelle Sicherheitslage. Wenn alles in Ordnung ist, kann die autonome Fahrt mit einem Knopfdruck beginnen. So muss der hintere Fahrer zwar immer noch lenken und auf die Straße achten, jedoch wird das Bremsen und Beschleunigen gänzlich vom System übernommen.

Peloton ist jedoch nicht das einzige Unternehmen, das eine autonome Lkw-Kolonne plant. SARTRE ist ein von der EU unterstütztes Projekt, das computergesteuertes Fahren in Kolonnen ermöglicht. So kann ein Lkw mehrere Pkw in einer Kolonne auf der Autobahn aufnehmen. Das System baut auf die Fahrzeugkommunikation auf. Jedes Vehikel, das mit der Software ausgestattet ist, kann sich beteiligen.

Zunächst wird eine Anfrage an den führenden Fahrer auf der Autobahn zum Andocken gesandt. Wenn dieser einverstanden ist, übernimmt der vorderste Fahrer in der Kolonne das Steuer für die hinteren Fahrzeuge. In der Zwischenzeit kann der hintere Fahrer dann eine Zeitung lesen oder einen Film schauen. Der hintere Fahrer kann das Konvoi-System jederzeit wieder verlassen und manuell weiter fahren.

Die neue Technologie könnte die Lkw-Industrie revolutionieren. Rund 6,5 Millionen Lastkraftwagen sind allein in Europa in Umlauf. In den USA sind schätzungsweise 15,5 Millionen Fahrzeuge auf der Straße. Oft sind Lkw-Fahrer auf den langen Fahrten übermüdet. Das autonome Fahrsystem könnte für mehr Verkehrssicherheit und einen geringeren Kraftstoffverbrauch sorgen.

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