Witze über Dicke: Betroffene essen dann noch mehr

Britische Forscher warnen vor abfälligen Bemerkungen gegenüber Menschen mit Übergewicht. Statt in der Folge vielleicht mit dem Abnehmen zu beginnen, hat das dadurch erzeugte Unbehagen über die eigene Fettleibigkeit offenbar den gegenteiligen Effekt. Die Betroffenen legen noch mehr an Gewicht zu.

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„Es gibt keine Rechtfertigung für die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Gewichts“, so Studienleiterin Dr. Sarah Jackson. (Foto: Flickr/ Full-Figured Man by Tony Alter CC BY 2.0)

„Es gibt keine Rechtfertigung für die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Gewichts“, so Studienleiterin Dr. Sarah Jackson. (Foto: Flickr/ Full-Figured Man by Tony Alter CC BY 2.0)

Forscher vom University College London haben in einer vierjährigen Studie mit fast 3.000 Erwachsenen Erstaunliches herausgefunden. Diejenigen, die wegen ihres Gewichts Diskriminierung erfahren hatten, wogen mehr als diejenigen, die das nicht erlebten. Den Wissenschaftlern zufolge gebe es keine Hinweise darauf, dass Diskriminierung eine Gewichtszunahme verursache. Sehr wohl könnte sich eine solche Erfahrung aber auf die Emotionen beim Essen niederschlagen.

Als Probanden zogen die Wissenschaftler Erwachsene über 50 Jahre heran. Die Spanne reichte dabei von Normalgewicht bis hin zu Fettleibigkeit. Allesamt hatten sie an der English Longitudinal Study of Ageing teilgenommen. Die Studienteilnehmer wurden befragt, ob sie von Zeit zu Zeit Diskriminierung erleben würden, die mit ihrem Gewicht zusammenhänge. Wurde ihnen respektlos begegnet oder erlebten sie einen schlechteren Service in einem Geschäft? Wurden sie gar belästigt? Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Obesity veröffentlicht.

Das Ergebnis: Einer von 20 Studienteilnehmern hatte so etwas bereits erfahren müssen. In der Gruppe der fettleibigen Probanden berichtete sogar jeder Dritte von solchen Erlebnissen. Männer und Frauen berichteten den Forschern dabei über ähnliche Grade von Gewichtsdiskriminierung.

Im Verlauf der vierjährigen Studie legten nun alle Teilnehmer mit solchen negativen Erfahrungen im Schnitt ein Kilogramm an Gewicht zu. Jene, die das nicht erlebten, verloren im Schnitt um die 0,7 Kilogramm. Das Fazit der Forscher: Die Ergebnisse legen nahe, dass die Erzeugung von Schuld und Beschämung bei Menschen mit Übergewicht kontraproduktiv sind. Stattdessen sollten die Betroffenen ermutigt und unterstützt werden.

Es gibt keine Rechtfertigung für die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Gewichts“, zitiert die BBC Studienleiterin Dr. Sarah Jackson. Bereits frühere Studien hätten gezeigt, dass Menschen, die Diskriminierung erfahren hätten, sich ins Essen flüchten würden. Der durch die Diskriminierung hervorgerufene Stress würde den Appetit erhöhen, insbesondere auf ungesunde, kalorienreiche Lebensmittel. Obendrein führten solche Erfahrungen auch dazu, dass sich die Menschen weniger motiviert fühlten, an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen und neigten eher dazu, diese zu vermeiden.

Offenbar würden Übergewichtige solche Diskriminierungen jedoch nicht nur in der Öffentlichkeit erleben. Auch in den Gesundheitsberufen, seien derartige Verhaltensweisen offenbar weit verbreitet, so die Studie.

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