Eingefrorene Gesichter: Zu frühe Botox-Anwendung stört emotionale Entwicklung

Britische Forscher warnen vor einer Botox-Behandlung bei allzu jungen Menschen. In einer Untersuchung fanden sie heraus, dass dadurch die emotionale Entwicklung der Patienten gestört werden könnte. Der Grund: Botox lähmt die Muskeln, eine adäquate Mimik ist nicht mehr möglich und entsprechend auch keine Empfindung.

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Hollywood-Star Nicole Kidman gilt als eine der prominentesten Botox-Anhängerinnen. Die Presse sagt ihr oft eine eingefrorene Mimik nach. (Foto: Flickr/ Nicole-Kidman-Victoria-Derby-Flemington-Melbourne by Alexis CC BY 2.0)

Hollywood-Star Nicole Kidman gilt als eine der prominentesten Botox-Anhängerinnen. Die Presse sagt ihr oft eine eingefrorene Mimik nach. (Foto: Flickr/ Nicole-Kidman-Victoria-Derby-Flemington-Melbourne by Alexis CC BY 2.0)

Mediziner beobachten mit Sorge einen neuen Trend: Zunehmend lassen sich junge Leute unter 25 Jahren mit Botox behandeln. Die Glättung vermeintlicher Falten in einem solchen Alter birgt aber nicht nur gesundheitliche, sondern auch psychische Risiken. Das fanden Forscher jetzt in Großbritannien heraus. Denn: Durch die „eingefrorenen Gesichter“ könnten sie nicht mehr lernen, wie man seine Gefühle voll zum Ausdruck bringt.

Botox und andere Formen des Toxins glätten die Haut, indem vorübergehend bestimmte Muskeln lahmgelegt werden. Ein Stirnrunzeln ist so zum Beispiel bei einer entsprechenden Injektion nicht mehr möglich. Doch genau darin liegt nach Ansicht von Helen Collier das Problem. Junge Menschen würden von Reality-TV-Shows und der vorherrschenden Promi-Kultur genau zu solchen ausdruckslosen und eingefrorenen Idealen getrieben.

Collier verweist nun auf eine bekannte psychologische Theorie, die so genannte Facial-Feedback-Hypothese. Diese besagt, dass die eigenen Gesichtsmuskelbewegungen durchaus das eigene emotionale Erleben beeinflussen. Ebenso würden der Theorie zufolge Jugendliche durch die Nachahmung der Mimik lernen, auf ihr Gegenüber einzugehen. Das bestätigt auch Dr. Michael Lewis, Forscher an der Psychologie-Fakultät an der Universität Cardiff. Ihm zufolge hätten Ausdrücke des Gesichts in der Tat Einfluss auf die eigenen Emotionen. „Wir lächeln, weil wir glücklich sind, aber lächeln macht uns auch glücklich“, so der Fachmann. Die Behandlung mit Medikamenten wie Botox verhindere, dass der Patient einen bestimmten Ausdruck machen könne und das habe Auswirkungen auf dessen Fähigkeit, Emotionen natürlich zu spüren.

Als Mensch ist unsere Fähigkeit, eine breite Palette von Emotionen zu zeigen, sehr abhängig von Gesichtsausdrücken“, zitiert die BBC Helen Collier. „Emotionen wie Empathie und Sympathie helfen uns, zu überleben und zu selbstbewussten und kommunikativen Erwachsenen zu werden.“ Eine heranwachsende Generation von „leeren Gesichtern“ könnte nun jedoch deren Fähigkeit, ihre Gefühle richtig zu vermitteln, stören, so Collier. Und das wiederum könnte die emotionale und soziale Entwicklung hemmen. Ihre Ergebnisse wurden jetzt im Journal of Aesthetic Nursing veröffentlicht. Colliers Erkenntnisse werden außerdem im Oktober auf der Clinical Cosmetic and Reconstructive Expo vorgestellt.

Seit gut 25 Jahren wird das Nervengift Botulinumtoxin angewendet. Die Wissenschaftler fordern von den Anwendern nun die konsequente Einführung von Bewertungs-Tools. Mit deren Hilfe sollen sie entscheiden, ob für den Einsatz von Botox tatsächlich trifftige Gründe vorliegen. Zwar würden solche bereits existieren. Doch nicht selten stünden nach wie vor finanzielle Interessen im Vordergrund. Collier rät den Ärzten dringend, lieber das Selbstvertrauen der jungen Patienten zu stärken, statt zur Spritze zu greifen. Die Kollegen müssten verstehen lernen, was einen zu frühen Start solcher Behandlungen auslöse.

Während sich Collier und ihr Team mit den negativen Aspekten der Botox-Anwendung auseindergesetzt hat, fanden der Schönheitschirurg Eric Finzi und der Psychiater Norman E. Rosenthal heraus, dass das Nervengift offenbar auch zur Behandlung von Depressionen taugt. In einer randomisierten Studie mit 74 Patienten, die an einer schweren Depression litten, wiesen sie nach, dass die Behandlung der für einen zornigen und sorgenvollen Gesichtsausdruck verantwortlichen Muskeln in der Stirn tatsächlich die Stimmung aufhellt. Der Grund: Das Gehirn lässt sich auch in diese Richtung täuschen und reagiert mit einer Verbesserung der Stimmungslage und einer nachhaltigen Linderung depressiver Symptome.

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