Computer-Simulation: Ebola fordert 5000 Tote bis Ende September

US-Forscher haben das derzeit in Afrika grasierende Ebola-Virus in einer Computer-Simulation untersucht. Basierend auf der aktuellen Ausbreitungsgeschwindigkeit rechnen sie mit einem dramatischen Anstieg der Toten. Bis zum 24. September soll es mehr als 10.000 neue bestätigte Fälle geben. 5000 von ihnen sollen tödlich verlaufen.

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Die Zahl der registrierten Ebola-Toten in Westafrika ist aktuell bereits auf fast 2300 angestiegen. (Foto: Flickr/ Army researcher fighting Ebola on front lines by Army Medicine CC BY 2.0)

Die Zahl der registrierten Ebola-Toten in Westafrika ist aktuell bereits auf fast 2300 angestiegen. (Foto: Flickr/ Army researcher fighting Ebola on front lines by Army Medicine CC BY 2.0)

Die Wissenschaftler der Northeastern University in Boston stützen ihre Ebola-Prognosen auf das so genannte Global Epidemic and Mobility Model (GLEaM). Marcelo F. C. Gomes und seine Kollegen schätzten die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung mit 3.362 Subpopulationen in 220 Ländern. Dabei wurden auch die täglichen Flugpassagiere weltweit sowie die Ausbreitung der Krankheit in Krankenhäusern, auf Beerdigungen und in ganzen Gemeinden berücksichtigt.

Mit einer Fortpflanzungs-Zahl (Re) von 1, die den Wendepunkt, an dem sich die Krankheit ausbreitet markiert bedeutet jeder Wert höher als eins, dass sich Ebola weiter verbreitet. Weniger als eins bedeutet hingegen, dass sich das Virus auf dem Rückzug befindet. Gomes und seine Kollegen schätzten die aktuelle Ebola-Ausbruchsrate nun zwischen 1,5 und 2,0 ein. Kurzfristig bedeutet dies, dass sich das Virus in ganz Westafrika ausbreiten wird. Langfristig sei auch eine internationale Ausbreitung denkbar. Dies werde nach Ansicht der Forscher umso wahrscheinlicher, wenn die Situation nicht schnellstmöglich unter Kontrolle gebracht werde.

Mit Blick auf Liberia zeichnen die Forscher ein düsteres Bild. Die Zahl der Toten in den vergangenen Monaten könnte sich in nur wenigen Wochen mehr als verdoppeln. Die Zahlen sind wirklich beängstigend“, zitiert das Fachblatt Sciene den Physiker und Studienautor Alessandro Vespignani. „Wir alle hoffen, dass dies nicht passiert.“ Selbst mit internationaler Hilfe im Rücken, so Vespignani und sein Team, könnte ein exponentieller Anstieg der Ebola-Infektionen kaum verhindert werden. Wenn die Ausbreitung wie bislang weitergehe, hätte man es allein in Liberia bis zum 1. Dezember dieses Jahres mit 100.000 Kranken zu tun, so auch Christian Althaus, mathematischer Epidemiologe von der Universität Bern, der sich ebenfalls mit Ebola-Modellen auseinandersetzt.

Die Schätzungen der Wissenschaftler haben jedoch einen wesentlichen Haken. Die vorliegenden Daten zur Ebola-Ausbreitung sind äußerst lückenhaft. Entsprechend gestehen die Forscher auch ein, dass ihre Modelle höchst spekulativ sein könnten. Sie gehen davon aus, dass derzeit gut 75 Prozent aller Ebola-Fälle überhaupt nicht gemeldet werden. Gleichzeitig bedeute das aber auch, dass ihre Prognosen noch um ein Vielfaches übertroffen werden könnten.

Schon im Frühjahr wurden auch die deutschen Behörden hellhörig. Das Ebolavirus werde sich weiter in Westafrika ausbreiten, so ihre damalige Einschätzung. Touristen sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen egreifen. Die Gefahr einer Epidemie in Europa und Deutschland schätzten Virologen aber als gering ein (mehr hier).

Das Ebolavirus wird nicht durch die Luft übertragen, sondern durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten, die das Virus enthalten. Die Übertragung geschieht daher häufig bei der Pflege von Erkrankten oder beim Kontakt mit Verstorbenen. Die Pflege der Patienten muss in sicherer Schutzkleidung erfolgen. Selbst wenn erkrankte Patienten das Virus nach Deutschland einschleppen würden, könne man mit den hier verfügbaren Isolierungs- und Hygienemaßnahmen die Ausbreitung von Ebolaviren sehr wahrscheinlich verhindern.

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