Umfrage: Veganer erleben Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung

Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 1000 vegan lebenden Personen hat ergeben, dass diese teils erhebliche Nachteile in ihrem Alltag erleben. Fast alle hätten bereits Diskriminierung oder ähnliches erfahren. Die Betroffenen stehen zumeist über den Dingen. Negative Erfahrungen haben sie mit der Entscheidung für diese Lebensweise schon einkalkuliert.

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Veganer sind gewappnet. Bereits mit der Entscheidung für dieses Leben rechnen sie mit Anfeindungen. (Foto: Flickr/ I'm vegan by libertine101 CC BY 2.0)

Veganer sind gewappnet. Bereits mit der Entscheidung für dieses Leben rechnen sie mit Anfeindungen. (Foto: Flickr/ I’m vegan by libertine101 CC BY 2.0)

Das Fachportal vegan.eu führt derzeit gemeinsam mit der alternativen Plattform gleichklang.de eine Umfrage unter Veganern durch. Das bisherige Ergebnis nach 1071 Umfrageteilnehmern: Die Personen im Alter von 16 bis 83 Jahren gaben an, im Alltag immer wieder Vorurteilen, Diskriminierungen und Ausgrenzungen ausgesetzt zu sein. Beeindrucken lassen sie sich davon aber nicht.

Insgesamt nahmen bislang 70 Prozent Frauen und 30 Prozent Männer an der Vegan-Umfrage teil. Das vorläufige Fazit erscheint den Initiatoren alarmierend: „Lediglich 7,3% der Befragten gaben an, dass sie noch niemals im Alltag wegen ihrer veganen Lebensweise diskriminiert oder ausgegrenzt worden seien. Demgegenüber berichteten entsprechend mehr als 92% der befragten Veganer, bereits Ausgrenzung oder Diskriminierung erlebt zu haben“, heißt es hierzu bei vegan.eu.

Ganze 92,1 Prozent der Teilnehmer hätten angegeben, in ihrem sozialen Umfeld Verspottungen hingenommen zu haben. 71,7 Prozent sahen sich bereits mit dem Vorwurf des Extremismusses konfrontiert. Fast die Hälfte, nämlich 48,5 Prozent, wurde in der Vergangenheit schon einmal aufgefordert, nicht-vegane Speisen einzunehmen. 17,8 Prozent mussten schon mit Kontaktabbrüchen zurecht kommen. Für 19,7 Prozent der Veganer stand bereits der Vorwurf des Kindesmissbrauchs im Raum. „Vorwürfe des Kindesmissbrauchs sind besonders bitter und beziehen sich auf die fehlgeleitete Annahme, dass es eine Form der Körperverletzung sei, wenn Eltern ihre Kinder vegan ernähren“, so die Initiatoren.

Die vegane Ernährung sieht einen Speiseplan ohne tierische Produkte vor. Es kommen also weder Fleisch noch Fisch, aber auch keine Milch und Eier auf den Tisch. Beeinflusst wird von dieser Lebensweise aber nicht nur die Ernährung. Anhänger verzichten etwa auch bei ihrer Kleidung konsequent auf Leder und Co. Das hat bei nahezu allen Umfrageteilnehmern zu negativen Reaktionen in ihrem Umfeld geführt. Eine gute Nachricht gäbe es nach Ansicht von vegan.eu aber doch: Die meisten würden sich dadurch offenbar nicht oder höchstens zu einem geringen Grad verunsichern lassen. 22,4 Prozent der Befragten gaben allerdings an, dass sie in der Tat unter den negativen Reaktionen ihrer Umwelt etwas leiden würden. 9,8 Prozent hätten von einem deutlichen und acht Prozent gar einen starken Leidensdruck aufgrund erlebter Diskriminierung und Ausgrenzung berichtet.

Warum die Mehrheit relativ gut mit den gemachten Erlebnissen zu Rande käme, dafür liefert Gleichklang-Psychologe Dr. Guido F. Gebauer eine Erklärung. Seiner Ansicht nach hängt das damit zusammen, dass die „Entscheidung für eine vegane Lebensweise bereits den bewussten Bruch mit einem gesellschaftlichen Mehrheitskonsens“ bedeute. Potentielle negative Reaktionen würden da bereits im Vorfeld einkalkuliert. Dennoch drohten durch Ausgrenzung und Diskriminierung starke psychische Belastungen.

Dem Fachportal zufolge sei genau deshalb weitere Aufklärung über die Gründe für eine vegane Ernährung und ihre Umsetzungsmöglichkeiten erforderlich, um diesem Missstand entgegenzuwirken, Menschen vor Diskriminierung zu schützen.

Wie eine aktuelle Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov aufzeigt, leben derzeit rund 1,5 Prozent Veganer, also etwa 1,2 Millionen vegane Bürger, in Deutschland. Dies sei zwar im Vergleich zu der Anzahl der bekennenden Vegetarier (sechs Prozent) zwar noch gering. Doch das Thema vegane Ernährung könnte sich dem Institut zufolge in Deutschland zu einem neuen Ernährungstrend entwickeln. Bereits jeder elfte Bundesbürger sei demnach generell am Thema vegane Ernährung interessiert. Zwei Drittel hätten sich in den vergangenen zwei bis drei Monaten mindestens einmal mit dem Thema rund um die pflanzliche Ernährung beschäftigt.

Die Umfrage ist nach wie vor aktiv und kann hinter folgendem Link aufgerufen werden.

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